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TV Ratingen muss eine Warteliste für den Schwimm-Nachwuchs haben

Schimmen : Schwimmen boomt beim TV Ratingen

Rund 450 Nachwuchs-Athleten sind für die Grün-Weißen im Becken, die Nachfrage beim TV Ratingen ist aber so groß, dass es Wartelisten gibt. Bereichsleiter Ralf Kastner hofft, dass sich das ändern lässt, denn sein Ziel ist, dass jedes Kind schwimmen kann. Dafür werden die Kinder leistungs- und altersgerecht eingeteilt.

Die Schallmauer hat die Schwimm-Abteilung des TV Ratingen erreicht: „Wir haben weit über 100 Kinder, die bei uns schwimmen lernen wollen“, sagt Bereichsleiter Ralf Kastner, der ergänzt: „Alle Kinder sollen und müssen schwimmen lernen. Nachwuchssorgen haben wir da keine.“ Die Kehrseite der Medaille: „Wir haben rund 250 Kinder auf der Warteliste. Die Nachfrage ist sehr groß, und wir müssen uns dafür entschuldigen, dass wir die Kinder teilweise bis zu einem Jahr warten lassen müssen. Beim Eltern-Kind-Schwimmen können wir überhaupt niemanden mehr aufnehmen – da wäre das Kind dann schon fünf Jahre alt, wenn es dran käme“, illustriert Kastner.

Die Kapazitäten des TV, bei dem rund 450 Kinder schwimmen, lassen derzeit nicht mehr zu. „Ich finde, dass jedes Kind schwimmen können sollte, und deswegen tut mir das so leid. Ich würde gerne mehr Kinder aufnehmen, egal ob Wettkampfschwimmer oder für den Breitensport, aber die Trainingszeiten sind schon extrem ausgeschöpft“, sagt der Bereichsleiter, der die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken und Bäderbetrieben ausdrücklich lobt: „Das läuft super, aber vielleicht können wir Lösungen finden, dass es noch besser laufen könnte.“

Dazu muss man wissen: Allein die fünfte Mannschaft der Wettkampfschwimmer, die Kastner aufgrund des vielen Grundtechnik-Trainings als „Wiege der Wettkampfmannschaften“ sieht, trainiert schon zweimal pro Woche. Und je höher es in den einzelnen Kadern (siehe Info-Kasten) geht, desto öfter gibt es Training. Und da sind die Breitensportler noch gar nicht eingerechnet, die Kader-Aktiven machen nur ein Viertel aller Schwimmer des TV aus.

Das meiste Training haben die zehn Ratinger Kader-Athleten des Schwimmverbandes Rhein-Wupper, die zusätzlich zu ihren Einheiten im Verein noch alle sechs bis acht Wochen zu einem Kader-Training des Verbandes oder zu einem Wettkampf auf dieser Ebene fahren. Darüber kann man sich wiederum für den Landeskader NRW qualifizieren und darüber dann für den Bundeskader. „Das ist aber schon eine extreme Hürde“, sagt Kastner und verdeutlicht: „Wir haben neulich in Neuss auf der 50-Meter-Bahn trainiert und da einen Juniorkader-Schwimmer von der SG Neuss getroffen. Der muss mit seinen Anfang 20 jede Woche 80 Kilometer schwimmen, um im Kader zu bleiben. Bei unserer Ersten Mannschaft sind es 20 bis 25 Kilometer pro Woche. Diese Sportart ist so trainingsintensiv, dafür braucht man extrem viel Fleiß. 80 Prozent sind Fleiß, 20 Prozent Talent.“

Wie ertragen junge Sportler dieses „Kacheln zählen“? Kastner schmunzelt. „Wir periodisieren das Training. Es gibt natürlich immer Phasen, in denen man extrem viele Meter machen muss, aber auch wieder andere, bei denen es um Technik und den Sprint geht. Von Woche zu Woche ist das Training inhaltlich anders. Und mit Staffel-Schwimmen und Schnick-Schnack-Schnuck-Fangen bekommt man die Kinder schon begeistert“, sagt der Trainer. Der Lohn für die harte Arbeit ist nicht nur die Teilnahme an Wettkämpfen, sondern auch die Bewunderung der „normalen“ Besucher im Angerbad. „Die staunen schon, wie oft die Kinder hin und her schwimmen und wie schnell und mit welcher Technik“, sagt Kastner erfreut.

Um beim TV anfangen zu können, müssen Kinder das „Seepferdchen“ haben als Grundlage für die sichere Bauch- und Rückenlage. Im Verein werden sie aber nicht nach „Bronze, Silber und Gold“ eingeteilt, was bei den Ratingern ohnehin „Piranha, Hai und Delphin“ heißt, weil die Anforderungen etwas höher als bei den im Januar reformierten Abzeichen sind. „Wir teilen die Kinder so ein, dass sie alters- und leistungshomogen in die Gruppen passen“, sagt Kastner – und hofft, die Warteliste zügig verkleinern zu können.