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Lokalsport: Triathletin wagt sich an die 100 Kilometer

Lokalsport : Triathletin wagt sich an die 100 Kilometer

Ausdauer-Spezialistin Birgit Schellöh wird in Frankreich eine neue Grenze austesten. Der Wettkampf ist für sie aber ein Genuss.

Wenn die Beine schwer werden, die Lunge brennt, der Körper nicht mehr so will, wie er soll, dann ist die Psyche Birgit Schellöhs größtes Plus. "Ich darf hier mitmachen", ist der Leitspruch der Triathletin und Langstreckenläuferin in solchen Situationen. "Wenn ich mir sagen müsste ,ich muss das schaffen', dann wäre etwas falsch. Ich genieße es, so etwas erleben zu können", sagt Schellöh.

Dass es für sie wirklich eine Freude ist, etliche Kilometer mit dem Rad zu fahren, zu schwimmen oder zu laufen, zeigt schon ihr Lächeln, dass immer dann auftaucht, wenn sie von ihren Wettkämpfen berichtet. Zum Beispiel von ihrem ersten Triathlon, den sie 2010 recht unvorbereitet im Sauerland angegangen war. "Meine Tochter hatte mich herausgefordert, mit ihr die Duisburger Winterlaufserie zu machen. Über die ersten fünf Kilometer Laufen habe ich dann Spaß daran gefunden und mich immer weiter gesteigert", sagt die Duisburgerin, die seit drei Jahren für das Triathlon-Team-Ratingen (TTR08) startet. Dann hörte sie vom Volkstriathlon und dachte sich: "Laufen klappt, Fahrrad fahre ich sowieso und das Schwimmen geht dann schon irgendwie."

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Also packte sie fünf Monate nach ihrem ersten Lauf Trekkingrad, Badeanzug und Laufschuhe ins Auto und fuhr ins Sauerland. "Als Ruhrgebietlerin hatte ich keine Ahnung von dem Höhenprofil und beim Schwimmen haben mich die anderen dann auch erstmal abgehängt", erinnert sich die 50-Jährige. Den Rückstand holte sie mit dem Rad trotz der Steigungen auf. "Am Anstieg konnte ich die ersten Räder sehen und dann kam die Wettkampfsau in mir raus", sagt Schellöh. Nach und nach überholte sie die Mitstreiterinnen und kam nach dem Laufen als 19. von 27. Starterinnen ins Ziel. Danach trainierte sie zu Hause erstmal weiter und kaufte sich ein richtiges Rennrad und professionelle Triathlon-Kleidung. "Nach dem ersten Triathlon wusste ich, dass ich das weiter mache", sagt Schellöh.

Wie schon damals genießt sie vor allem die Wettkämpfe, die durch Wälder. Felder oder Berge gehen. "Stadtläufe finde ich nicht so attraktiv. Ich genieße lieber die Schönheit der Natur und der Landschaft", sagt die Duisburgerin. Nach dem sie in diesem Jahr bereits den Two-Oceans-Lauf in Kapstadt mitgemacht hat, erfüllt sie sich Ende August mit dem Start beim CCC (Courmayeur-Champex-Chamonix) einen weiteren Traum. Dabei geht es 101 Kilometer mit 6200 Höhenmetern durch das Hochgebirge am Mont-Blanc. "100 Kilometer flach laufen, das kann ja jeder", sagt Schellöh.

Die Leidenschaft für die Berge begleite sie bereits seit ihrer Kindheit. Richtige Bergläufe wie vor einiger Zeit in Klagenfurt oder am K42 in Davos macht sie allerdings nur selten. "Ich versuche aber immer wieder Laufstrecken zu finden, die wenigstens ein paar Steigungen haben", sagt die Sportlerin. Ihre Wettkampfreisen verbindet sie gerne mit Urlauben oder kleinen Ausflügen. "Ich habe keine Sponsoren, die einen Teil der Reisekosten übernehmen. Also muss sich das Ganze auch etwas lohnen", betont Schellöh, für die es nicht nur um eine gut Laufzeit geht, sondern vor allem um den Spaß an ihrem Sport.

Mit dieser Einstellung landet sie im Triathlon und bei Laufwettbewerben regelmäßig auf dem Siegertreppchen in ihrer Altersklasse - und das, obwohl sie immer noch nicht die beste Schwimmerin ist. Ihre Kraul-Schwäche sei auch ein Grund gewesen, warum sie beim TTR 08 gelandet sei, für den sie heute bei den Senioren startet. Beim Ratinger Triathlon lernte sie 2011 Trainer Georg Mantyk kennen, der auch spezielles Schwimmtraining bietet. Ab da stand für Schellöh nicht nur vier bis fünf Mal pro Woche vor der Arbeit Laufen und am Wochenende Radfahren, sondern auch zwei Mal die Woche um 6.30 Uhr Schwimmen in Ratingen auf dem Sportplan.

"Irgendwie ist das alles einfach so gekommen. Die Leidenschaft ist von Wettkampf zu Wettkampf gestiegen", sagt die 50-Jährige. Genauso wie die Strecken, die sie zurücklegt. Angefangen bei fünf Kilometern lief Schellöh schnell ihren ersten Marathon und irgendwann Strecken über 50 Kilometer. "Der Kopf ist gerade bei Ultra-Läufen extrem wichtig. Das muss man wirklich wollen und gerne machen", sagt Schellöh.

(RP)