Thema Aufstieg: SG stolpert über sich selbst

Handball : Thema Aufstieg: SG stolpert über sich selbst

Regionalligist Ratingen hatte personell den besten Kader der ganzen Klasse beisammen. Fehlende Konstanz war aber ein Dauer-Problem im Laufe der Saison. Meister wurde der MTV Rheinwacht Dinslaken, weil er Geschlossenheit und einen unbändigen Willen zeigte.

Rückblick: 7. September 2018, kurz nach halb zehn. Gerade ist der erste Regionalligaspiel der SG Ratingen zu Ende gegangen. Es war eine Demonstration. 31:25 gewinnt das Löwenrudel beim heimstarken TV Korschenbroich. Und das im Schongang. Filip Lazarov, der umjubelte Zugang und mazedonische Handball-Nationalspieler, erzielte sieben Tore. Im Tor stand Petre Angelov, ein nicht mehr ganz austrainierter Keeper, der jedoch fast krakenartige Reflexe vorweisen konnte. „Dabei sind wir noch nicht mal eingespielt“, jubelte Trainer Khalid Khan damals. Fast allen Beobachtern war klar: Im Kampf um den Aufstieg führt an dieser SG Ratingen kein Weg vorbei.

Knapp acht Monate später, gegen viertel vor acht, herrscht Katerstimmung in der Sporthalle Margarethenhöhe. Die SG verliert bei TuSEM Essen II mit einem Tor Unterschied und verpasst den Meistertitel. Ein Remis hätte gereicht. Konsterniert sitzen Co-Trainer Marcel Müller und die Spieler auf der Bank, die Blicke gehen ins Leere. Bastian Schlierkamp, der Geschäftsführer, fängt sich am ehesten wieder. „Wir haben vor der Saison unsere Ziele klar kommuniziert und sind diesen am Ende nicht gerecht geworden. Aber: Wir haben den Titel nicht heute verspielt“, sagte er. Wo denn dann? Eine Analyse.

Nachdenklich: SG-Geschäftsführer Bastian Schlierkamp schien schon während des Spiels in Essen nach vorne zu schauen. RP-Foto: Achim Blazy. Foto: Blazy, Achim (abz)

Sportlich verlief der Saisonstart nach dem starken Auftakt sehr holprig. Es setzte NIederlagen beim TV Rheinbach – und Aufsteiger MTV Dinslaken. Welche Rolle die Niederrheiner im Saisonverlauf spielen würden, war zu dem Zeitpunkt niemandem klar. Schlierkamp war verschnupft, bestellte Trainer Khan ein. Fehlende Konstanz blieb ein Dauerthema beim Löwenrudel. Auf Machtdemonstrationen wie gegen Aldekerk oder in Bonn folgten schwache Auftritte gegen Homberg oder Köln-Wahn. Vor allem aber ließen die Ratinger immer wieder Punkte liegen. Ein Remis in Siebengebirge sowie eine Heimniederlage gegen TuSEM Essen kostete Khan letztlich den Job.

Im Anflug: Yannik Nitzschmann (mit Ball) spielte unter dem Strich eine gute Saison. Das dürfte den jungen Ratinger allerdings kaum trösten. RP-Foto: Achim Blazy. Foto: Blazy, Achim (abz)

Abwehrchef Ace Jonovski übernahm gemeinsam mit dem dauerverletzten Marcel Müller. Das Duo startete mit drei Siegen. Knackpunkt der Saison war jedoch das Spitzenspiel gegen Dinslaken. 1000 Zuschauer kamen an die Gothaer Straße und sahen eine über 55 Minuten stärkere SGR. Doch in diesem Spitzenspiel taten sich auch grundlegende Unterschiede zwischen beiden Teams hervor: Während die SGR von ihren hervorragenden Einzelspielern lebte (in der Rückrunde kamen in Thomas Bahn und Alexander Oelze gar zwei Zweitligaspieler hinzu), demonstrierte Aufsteiger Dinslaken, was man mit mannschaftlicher Geschlossenheit und unbändigem Willen erreichen konnte. Dinslaken brachte einen Zusammenhalt auf die Platte, den das Löwenrudel nie erreichte – und drehte damit die Partie. Nach der Niederlage im Top-Spiel ließ die SGR zwei weitere Punkte in den nächsten beiden Spielen liegen. Und verspielte damit die gute Ausgangslage.

Natürlich hatten die Ratinger auch viel Pech. Gerade in der Hinrunde türmten sich die Verletzten, dazu kam, dass erfahrene Spieler oft nicht fit (genug) waren. Sie spielten meist trotzdem – wie Petre Angelov in Essen. Er hielt, angeschlagen, kaum einen Ball – und wurde in der Schlussphase doch wieder für den bis dahin solide haltenden Benny Karmaat aus der zweiten Mannschaft eingewechselt. In der Folge hielt Angelov noch genau zwei Bälle.

Auch Lazarov, als Nationalspieler eigentlich gehobene Kategorie für die Regionalliga, zeigte nicht immer, was er kann – vor allem seine Körpersprache war nicht unbedingt ein Vorbild. Positiv waren junge Leute wie Lukas Plaumann oder Yannik Nitzschmann. Auch Christian Mergner am Kreis war ein Paradebeispiel für Kampfgeist. Dass die Mannschaft weitgehend zusammenbleibt, spricht für einen grundlegenden Zusammenhalt. Torhüter Jascha Schmidt geht, auch Fabian Claussen. Die Zukunft von Ole Völker ist ungewiss. Einen neuen Torhüter hat Schlierkamp in Nils Thorben Schmidt bereits verpflichtet, Sam Schäfer kommt für den linken Rückraum. „Natürlich suchen wir, wie alle Mannschaften auf der Welt, noch einen Linkshänder“, betont Schlierkamp. Er ist mit dem Kader zufrieden: „Ich denke, wir haben menschlich die Wende zum Positiven geschafft. In der kommenden Saison müssen wir das dann auch sportlich machen und unser Ziel, den Aufstieg, nachholen.“

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