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Sven Wies trainiert trotz Coronavirus-Pandemie für den Ironman Hawaii

Triathlon : Wies’ schwieriger Start ins Profi-Leben

Am heutigen Dienstag wird Triathlet Sven Wies 33, die Corona-Krise schränkt ihn aber vor allem sportlich ein. Die Frage ist: Was wird aus dem Ironman Hawaii? Die dafür nötigen Qualifikations-Wettkämpfe in Deutschland sind vorerst abgesagt, die Ausweichtermine aber zu spät. Eventuell sind Estland und Finnland Alternativen.

Sven Wies hat seinen Job als Geschäftsstellenleiter des Handball-Regionalligisten SG Ratingen aufgegeben, um sich ganz auf seine Triathlon-Karriere zu konzentrieren. Nach seiner überragenden Premiere bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii im vergangenen Oktober, als er nach 8:55,26 Stunden ins Ziel kam und so der zehntbeste deutsche Triathlet wurde, setzte er auf die Karte Profisportler – doch dann kam die Coronavirus-Pandemie und bedroht nun seine Pläne.

In fünf Tagen wollte er bei der Deutschen Meisterschaft im Duathlon starten, doch die wurde abgesagt. Und als dann vor wenigen Tagen auch die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt am 28. Juni vorerst abgesagt wurde, auf der sich Wies für Hawaii in diesem Oktober qualifizieren wollte, war das der nächste harte Schlag. Der Frust musste raus. „Ich habe mich dann erstmal aufs Rad gesetzt und bin 90 Kilometer in 2:18 Stunden gefahren. Das sind 39 km/h im Schnitt, und das mit Ampeln und Verkehr“, berichtet Wies.

Er hat heute seinen 33. Geburtstag, die Feier dazu fällt aufgrund der Corona-Beschränkungen auf den kleinsten Familienkreis. Das hat er sich vermutlich ebenso anders vorgestellt wie den Start in die Profikarriere. „Das ist aber jammern auf hohem Niveau“, beschwichtigt Wies. „Es geht uns gesundheitlich gut, und meine Partner sind noch nicht am Existenzminimum, so dass ich meine vertraglichen Zuwendungen bekomme. Das ist schon in Ordnung.“

Anders sieht das sportlich, beziehungsweise nun beruflich aus. „Das ist schon schwierig“, gibt Wies zu. „Die Ironman-EM in Frankfurt war das große Ziel, um sich für Hawaii zu qualifizieren, und selbst das ist jetzt fraglich, ob die WM wirklich am 10. Oktober 2020 stattfindet oder Europäer überhaupt dahin reisen dürfen. Die Motivation ist nicht komplett im Keller, ich kann noch machen, worauf ich Bock habe – siehe die 90 Kilometer Radfahren. Aber das strukturierte Training fällt jetzt schwer.“ Dabei hatte die Familie Wies eine Struktur gefunden, um auch in der Coronakrise alles unter einen Hut zu bringen: „Meine Frau Katharina ist morgens bis mittags im Homeoffice, da kümmere ich mich um die Kinder und hänge das Training hinten dran. Wer Kids von anderthalb bis fünf Jahren hat, weiß, dass das nicht immer einfach ist. Die Jungs verstehen nicht, dass Mama zu Hause ist, aber arbeiten muss und sie deswegen morgens mit Papa rumhängen müssen“, sagt Wies lachend über seine Söhne Tim und Ben.

Ab mittags geht der Triathlet dann seinem Job nach, der derzeit 20 bis 25 Stunden Laufen und Radfahren pro Woche vorsieht. „In Richtung schwimmen habe ich noch gar nichts gemacht, da hatte ich bislang auch am wenigsten Lust drauf, weil ich ja schon viel Zeit im Wasser verbracht habe“, sagt der ehemalige Bundesliga-Wasserballer des Duisburger SV 98. „Ich ertappe mich aber jetzt dabei, dass ich herausfinden will, ob das Wasser im See noch zu kalt ist. Zehn bis 20 Minuten schwimmen mit Neopren sollten gehen.“

Sofern das erlaubt ist. Zwar hat Wies in Duisburg einige Seen und die Duisburger Regattabahn in der Nähe, aber: „Unser Verein ist ja auch geschlossen: Darf ich da durch die Tür, mich umziehen und in den See springen? Und wenn irgendwer kontrolliert: Woran erkennt man, dass da einer beruflich schwimmt und nicht just for fun“, sagt Wies mit Blick auf die Ausnahmeregelungen von Corona-Verboten für Berufssportler. „Fußballer dürfen relativ schnell wieder relativ viel, weil ihr Spiel gesellschaftlich so interessant ist. Aber warum darf ein 400-Meter-Läufer nicht alleine auf die Bahn?“, fragt Wies.

Immerhin kann er seinen Sport im Freien ausüben, und das ist auch wichtig. „Du muss auf den Punkt fit sein. Wenn Wettkämpfe stattfinden, kannst du nicht vier Wochen nichts gemacht haben“, sagt der 33-Jährige, der allerdings auch schon seit November im Training ist und nun nicht weiß, wann er einen Wettkampf bestreiten kann. „Der erste sollte ja die Duathlon-DM sein. Da freut man sich seit Januar drauf, das Training wird dann auch immer spezifischer, je näher der Wettkampf rückt“, sagt Wies und vergleicht: „Beim Handball hat man ja auch vier bis acht Wochen vor einer Saison, in der es vor allem um Athletik geht. Da freuen sich alle darauf, wenn der Ball wieder dazukommt. So ist es im Triathlon auch.“

Wann es da aber weitergehen kann, ist ungewiss, ebenso die erneute Qualifikation für Hawaii. „Es muss ja erstmal ein Ironman stattfinden, damit ich mich dafür qualifizieren kann. In Deutschland sind Hamburg und Frankfurt vorerst abgesagt, die Ausweichtermine liegen aber im September – das ist unrealistisch, sich da zu qualifizieren und zwölf Tage später in Hawaii zu starten, ohne vorher gebucht zu haben“, betont Wies, der aber noch hofft: „Im August ist bislang noch nichts abgesagt, Estland und Finnland wären da die Quali-Möglichkeiten. Man kann aber auch das nicht buchen, weil man nicht weiß, ob die Wettkämpfe stattfinden. Und die Anmeldegebühr von 630 Euro hat man ja auch nicht unbedingt auf der hohen Kante.“

Klar ist: So hatte sich Wies seinen Start ins Profisportler-Leben nicht vorgestellt, aber er verliert seinen Optimismus nicht und trainiert hin auf den nächsten Wettkampf – wann immer der sein kann.