So war es beim 42. Neujahrslauf Ratingen

Leichtathletik : Drei Geschichten vom 42. Neujahrslauf

Niclas Bock zieht zurück nach Ratingen, Gladys Just muss verletzt aussteigen, Jens Färber meistert fünf Kilometer mit nur einem Bein – beim 42. Ratinger Neujahrslauf haben 1709 Starter mitgemacht, erstmals lag die Zahl der Anmelder jenseits von 2000. Der ASC Ratingen West hat mit rund ehrenamtlichen Helfern das Event wieder bestens ausgerichtet.

Burkhard Swara ist die Stimme des Ratinger Neujahrslaufs, der erfahrene Moderator kennt nahezu jeden auf der Strecke. So weiß er auch zu berichten: „Das ist Luke Kelly, der Sohn von Joey Kelly von der Kelly-Family.“ Und Swara hat auch den schnellsten Ratinger im Hauptlauf über zehn Kilometer bei der 42. Auflage des Rennens ausgemacht: Alexander Gossmann, wie im Vorjahr. Soll es sein. Denn der Athlet winkt selber im Ziel ab: „Ich habe vergessen, mein Häkchen auf der Anmeldung bei ,Ratingen’ zu setzen. Also bin ich jetzt nur für den SFD gestartet. Schnellster Ratinger ist damit Niclas Bock.“ Sehr ehrlich.

Der schnellste Ratinger: Niclas Bock mit der Medaille im Zieleinlauf. Foto: Blazy, Achim (abz)

Bock wiederum nimmt die Ehrung gerne an, immerhin kehrt er nun in seine Heimat zurück. „Meine Frau Tamara und ich ziehen gerade von Nürnberg zurück und werden ab Februar wieder in Lintorf wohnen“, sagt der 29-Jährige, der für das Triathlon Team Ratingen (TTR) 08 gestartet ist. In Nürnberg hatte seine Frau studiert, zuvor hatten beide im Allgäu gewohnt, jetzt „geht es wieder dahin zurück, wo für mich Heimat, Familie und Freunde sind“, sagt Bock, der 2004 Profi-Triathlet wurde, die Karriere aber Ende 2017 beendete. „Es wurde zu viel nebenher mit der Arbeit. Ich bin selbstständig und habe mit einem Kumpel aus Düsseldorf eine digitale Plattform, wo wir uns mit Triathlon und Ausdauersport beschäftigen. Nach dem Profi-Tum habe ich erstmal zwei Jahre Pause gemacht, um Abstand zu gewinnen, aber laufen möchte ich jetzt schon wieder gerne. Ich habe vor vier Wochen mit meinem Laufplan angefangen und will auch beim Düsseldorf Marathon starten“, sagt Bock, der beim Neujahrslauf die anvisierte Zeit von 35 Minuten um zehn Sekunden verpasst, aber trotzdem zufrieden ist.

Pech hatte dagegen eine Läuferin, die eigentlich ein Abo auf den Titel schnellste Ratingerin hält: Gladys Just, die im vergangenen Jahr auch die Ratinger Laufserie gewonnen hat, zu der der Neujahrslauf den Auftakt bildet, musste in der dritten und letzten Runde mit einer Zerrung aussteigen. Schnellste Ratingerin über die zehn Kilometer wurde so Nadine Böger vom TTR 08 in 41:58 Minuten. Sieger des Hauptlaufes wurden bei den Männer Solomon Eyob, der so zum vierten Mal nach 2015, 2016 und 2017 gewann, sowie Sonia Vernikov bei den Frauen.

Einer, der mit den größten Applaus im Zieleinlauf bekam, hatte mit den Siegerlisten wenig zu tun: Jens Färber reckte nach der Strecke von fünf Kilometern seine Krücken in die Höhe und wurde von den Zuschauern gefeiert. Der 51-Jährige hat nur noch ein Bein, als er gerade einmal drei Wochen alt war, wurde bei ihm ein Tumor im Beckenbereich gefunden, und „man sah keine andere Möglichkeit, als das ganze rechte Bein zu entfernen“, berichtete Färber, der mit seiner Frau Monika aus Rees am Niederrhein angereist war. „Ich war zum ersten Mal hier dabei, es war schön“, befand Färber. „Gerade am Anfang, wenn es bergab geht, ist es sehr angenehm – bis man dann daran denkt, dass man das ja auch wieder hoch muss“, ergänzte er lachend. Mit der Aufschrift „Inklusion ist Teamsport“ lieferte er auf seinem pinken Lauf-Shirt auch eine wichtige Botschaft, seine Behinderung hält ihn jedenfalls nicht vom Sport ab: „Er war eigentlich Sitz-Volleyballer, aber dann machten die Schultern nicht mehr so mit, also ist er zum Krückenfußball gewechselt“, erzählt Monika Färber, und ihr Mann ergänzt: „Als Basis dafür ist Ausdauer gut. Deswegen laufe ich jetzt seit fünf Jahren und versuche, einmal pro Monat einen solchen Volkslauf zu absolvieren.“ Die vielen Gratulanten, die seine Leistung würdigten, sprachen für sich.

Beim 42. Neujahrslauf zum ersten Mal in Ratingen am Start: Jens Färber reckt seine Krücken im Zieleinlauf über fünf Kilometer in die Höhe. Foto: Georg Amend

Mit mehr als 2000 Anmeldungen hatte die 42. Auflage zwar hier eine neue Bestmarke, der Vorjahresrekord von 1939 Teilnehmern wurde allerdings nicht geknackt – 1709 Starter zählte der ausrichtende ASC Ratingen West am Ende. Auch das ist eine gute Zahl, zu der auch der erstmals ausgetragene Company-Cup für Firmen beitrug. ASC-Geschäftsführer Ludger Lümmen freute sich, dass es auch Anmeldungen aus dem benachbarten Ausland wie Italien und Frankreich gab und lobte die Arbeit der rund 100 ehrenamtlichen Helfer, die das Event Jahr für Jahr überhaupt erst möglich machen, weil der ASC immer mehr in Eigenleistung bringen muss. Auch bei dieser 42. Auflage hat er das aber bestens hinbekommen.