So besiegte der TV Korschenbroich die SG Ratingen in der Regionalliga

Handball-Analyse : Wolfs Plan deckt die Probleme der SG auf

Der TV Korschenbroich greift bei der SG Ratingen die Halbpositionen in der Abwehr an und reagiert auf die Zweite Welle, indem er einen Innenblock-Spieler nach vorne zieht. Das legt die Basis zum Sieg und wirft die Gäste in der Handball-Regionalliga zurück im Kampf um das selbst ausgegebene Ziel Aufstieg in die Dritte Liga.

Dirk Wolf war ziemlich zufrieden nach dem 34:26 (16:13)-Sieg seines TV Korschenbroich in der Handball-Regionalliga gegen die SG Ratingen. „Unser Matchplan ist aufgegangen“, sagte der Trainer des Tabellenzweiten, der die Gäste mit dem klaren Erfolg einstweilen ins Mittelfeld verbannt und ihren vehement vorgetragenen Aufstiegsambitionen einen vielleicht schon entscheidenden Dämpfer verpasst hat. Immerhin hielt sich neben dem TVK auch Tabellenführer TuS Opladen schadlos, so dass die Ratinger mit ihren 13:11 Zählern auf diesen nun sieben und auf Korschenbroich fünf Punkte Rückstand haben.

Doch was genau war Wolfs Matchplan? „Wir wollten die Zweite Welle über Thomas Bahn und Alexander Oelze stoppen“, erklärte der TVK-Trainer. Bedeutet: Bei Ballgewinn der Ratinger in der Abwehr sollte das Tempo, das sie über den Innenblock-Spieler Bahn, der den Ball über die Mitte nach vorn treibt, und Oelze, der über die halblinke Position kommt, herausgenommen werden. Dafür zog Wolf stets einen eigenen Innenblock-Spieler nach vorne, so dass Bahn und Oelze schon früh attackiert wurden. Da die Korschenbroicher zudem gut gegen Kreisläufer Christian Mergner verteidigten, der erst zum Ende der Partie zu zwei Treffern kam, nahmen sie Oelze und Bahn nicht nur Tempo, sondern auch eine Anspielstation. „Korschenbroich hat unsere Zweite Welle kontrolliert“, musste SG-Trainer Ace Jonovski dann auch attestieren.

Ein weiteres Problem, das daraus resultierte: War dieser schnelle Angriff erst einmal verpufft, kam die SG gar nicht mehr ins Tempo. „Wir sind da überhaupt nicht mehr aus der Bewegung gekommen, sondern es wurde immer mit Ball angeprellt – dadurch war der ganze Flow weg“, analysierte Kreisläufer Kai Funke treffend. Und wenn die Zweite Welle gestoppt war, wechselte Bahn auf die Bank, um Filip Lazarov auf halblinks zu bringen. Der 34-Jährige verschleppte das Spiel aber noch mehr, so dass die schnelle Stoßbewegung, die Oelze dem Angriff geben kann, immer wieder verpuffte. Da halfen dann Lazarovs acht Tore nicht.

Drei dieser Treffer hatte der Mazedonier per Siebenmeter erzielt, er vergab aber auch zwei, Oelze gar drei. Somit kam die SG beim Siebenmeter-Festival in Korschenbroich nur auf eine Quote von 50 Prozent bei ihren zehn Strafwürfen. TVK-Werfer Sascha Wistuba übertrumpfte beide mit seinen rund 90 Prozent aus zehn Treffern bei elf Siebenmetern. Dass es so viele Strafwürfe gab, lag an der Linie der Schiedsrichter Matthias Hallmann und Lars Lieker, die sehr konsequent ahndeten, wenn ein Spieler bei der Abwehr auch nur leicht im Kreis stand. „Da muss man dann weiter vorne verteidigen, schon auf neuneinhalb Metern. Wenn man erst auf siebeneinhalb Metern attackiert, verliert man den Zweikampf und steht im Raum“, sagte Funke.

Der hatte das in der zweiten Halbzeit, in der er für Oelze auf die halblinke Abwehrseite ging, perfekt vorgemacht, die große Problemzone war aber die andere Seite. Egal, ob dort Sam Schäfer oder Lukas Plaumann deckten, immer wieder gab es auf halbrechts Lücken, die Korschenbroich angriff und dort entweder direkt zum Abschluss kam oder den Ball zum Kreis oder Linksaußen brachte. Auch das gehörte zu Wolfs Matchplan: „Wir wollten die Halbpositionen angreifen, weil wir da Probleme bei Ratingen ausgemacht hatten.“ Und diese wurden schonungslos aufgedeckt. „Der Innenblock stand sehr gut, aber auf den Halbpositionen hatten wir Probleme“, hatte auch Jonovski bemerkt. Der SG-Trainer konnte darauf aber nur auf einer Seite mit Funkes Hereinnahme reagieren, ein ähnlich starker Abwehrspieler für die andere Seite fehlt den Ratingern. Die Probleme auf rechts hätte Jonovski im ersten Durchgang schon mit der Einwechslung von Funke beheben können, weil die rechte da die banknahe Seite war. Er wartete aber bis zur zweiten Hälfte, um dann Oelze Ruhephasen geben zu können, als die linke die banknahe Seite war.

Der Ratinger Trainer versuchte es am Ende mit einer 5-1- und einer 4-2-Deckung, da griff aber der nächste Part von Wolfs Matchplan: Tempo. Die Korschenbroicher Angreifer ließen sich nur einen Ball vom vorgezogenen Plaumann abnehmen, ansonsten nutzten sie mit viel Geschwindigkeit und Konsequenz die nun noch größeren Räume. Hinzu kam bei Abprallern – Jonovski hatte sieben bis acht gezählt –, die Korschenbroich zu Toren nutzte, eine Portion Glück. Daran lag es aber nicht, dass der TVK so souverän gewann. Die SG offenbarte genug Probleme, warum es diese Saison wohl wieder nichts mit dem (Wieder-)Aufstieg wird.