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SK Heiligenhaus ist Erster der Play-Offs der Bundesliga der Sportkegler

Reportage Sportkegeln : „Hooooolz“ – SKH übernimmt die Tabellenspitze

Nach dem klaren Heimsieg der SK Heiligenhaus in den Play-Offs der Bundesliga der Sportkegler fällt die Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft am Sonntag bei Rekordmeister KF Oberthal. Trotz der Übernahme der Tabellenspitze ist die Ausgangslage für die Heiligenhauser nicht optimal, Kapitän Marcel Grote hofft aber, dass sein Team Druck auf Oberthal und so vielleicht das Unmögliche möglich machen kann.

Schwer zu sagen, was nach einem Play-Off-Spiel in der Bundesliga der Sportkegler mehr belastet ist: die Wurfarme der Aktiven oder die Stimmbänder der Fans. Die machen am Sonntag beim Heimspieltag der SK Heiligenhaus in der Anlage am Heljensbad jedenfalls einen Höllenlärm, und der Funke schwappt auch auf die dafür empfänglichen Sportler über. Holger Parassini zum Beispiel ballt nach einem Wurf in die Vollen immer mal wieder beide Fäuste und schreit seine Emotionen heraus, das Heim-Publikum besingt seinen Namen: „Holger Parassini, oh, oh, ohohoh“. Es hilft, der Heiligenhauser wirft mit 947 Holz die Bestmarke des Tages.

Nach seinem starken Auftritt sitzt Parassini vor der Kegelanlage mit Blick auf das winterlich leere Heljensbad. Ein verspätet eingetroffener Zuschauer spricht ihn grinsend an: „Ich habe gehört, du hast ganz gut gekegelt?“ Parassini, der außerhalb der Bahnen einen stoischen Blick und einen entspannt trockenen Humor pflegt, sagt gedehnt: „Jaaa – aber es war nicht mal Bahnrekord.“ Den hält mit 976 Holz bei den 120 Würfen sein Teamkollege André Laukmann. Der vierfache Weltmeister steht derweil drinnen und trinkt Cola aus einem Glas, das einem kleinen Stiefel nachempfunden ist, während aus den Boxen Helene Fischers „Herzbeben“ dröhnt.

Die Schlagermusik in den Spielpausen bringt nicht annähernd so viel Stimmung wie sie während der Würfe der Bundesliga-Kegler der SKH, Rekordmeister KF Oberthal, der SG Düsseldorfer Kegler und der SK Münstermaifeld aufkommt. Mit dem langgezogenen „Hooooolz“ wird ein Treffer in die Vollen gefeiert, am Ende von Kerim Demirbags Durchgang haben die Heimfans sechsmal in Folge Grund für ihren Jubel-Ritus: „Hooooolz Kerim! Uuuuuuuund noch eine, zack, zack! Yeeeehah! Düt, düt, düt – Attacke!“ Es ist eine Stimmung, wie sie sonst wohl nur beim Darts-Sport aufkommt, wo die Fans lautstark „One-hundred-and-eighty“ feiern, wenn ein Spieler seine drei Pfeile in der Triple-20 untergebracht hat.

Nicht ganz so feucht-fröhlich wie beim Darts geht es beim Kegeln zu, den Fans mangelt es aber an nichts. Es gibt Bockwurst, Mettbrötchen, Suppe, Frikas im Brötchen, Alt, Pils und auch das eine oder andere Fläschen Kräuterschnaps. Die Sportler halten sich da zurück, greifen zur Apfelschorle, zum Wasser oder – siehe Laukmann – zur Cola. Konzentration und Kondition müssen hoch bleiben. Parassini hatte vor der Tür schon zusammengefasst, wie schwierig es ist, den Kneipensport-Vorurteilen immer wieder entgegenzutreten: „Die Leute sagen: ,Ach, du kegelst? Also drei Wurf, fünf Bier, was?’ Nee, so ist es nicht.“ Stimmt.

Im Vergleich:120 Würfe am Stück dürften für die meisten Hobby- oder Kneipen-Kegler schon eine schwierige Aufgabe sein, und dass sie die Kugel dabei – unabhängig vom Alkohol – in die Rinnen neben die Bahnen setzen und so alle Kegel verfehlen, dürfte deutlich öfter passieren als bei den Bundesliga-Profis – da lautet die Zahl der Null-Wertungen in der Regel eben auch null.

So kommen die hohen Holzzahlen zusammen, 30 Wurf hat jeder Kegler auf jeder der vier Bahnen, auf denen parallel die Konkurrenten der anderen drei Teams antreten. Am Ende werden die Zahlen additiert, das erstplatzierte Team bekommt vier Punkte für die Play-Off-Tabelle, das viertplatzierte einen Zähler. Die Heiligenhauser gewinnen ihren Heimauftritt souverän (siehe Info-Kasten) und übernehmen damit die Tabellenspitze vor dem punktgleichen Rekordmeister KF Oberthal, wo am Samstag der letzte Spieltag ansteht.

Den Grundstein zur Übernahme der Tabellenspitze in den Play-Offs der Bundesliga hatte die SK Heiligenhaus am Samstag beim Heimspieltag der SG Düsseldorfer Kegler gelegt: Dort machte sie als Abschluss-Zweiter hinter den Hausherren und vor Oberthal den ersten Zähler gut auf den Rekordmeister, es war aber extrem eng: Am Ende hatten die Heiligenhauser lediglich neun Holz Vorsprung auf den Drittplatzierten. Kapitän Marcel Grote (952 Holz), André Laukmann (937) und Marcel Schneimann (939) knackten die 900er-Marke, trotzdem hätte es fast nicht gereicht, weil Matthias Simon keinen guten Tag erwischt hatte. „Wir haben ihn dann zur Halbzeit ausgewechselt, Knut Martini hat ab dem 61. Wurf übernommen und ist noch auf 819 Holz gekommen“, berichtete Grote. Demirbag (874) und Parassini (881) steuerten die weiteren Holz hinzu.

So gab es drei Zähler für die Tabelle, tags darauf in Heiligenhaus noch einmal vier und damit die Tabellenspitze – der Idealfall trat aber nicht ein. „Wir hatten gehofft, dass sich Düsseldorf bei uns noch vor Oberthal schieben kann, damit wir mit einer Führung da am Samstag antreten können“, sagte Grote, dessen Team nun punktgleich mit dem Rekordmeister ist. „Jetzt müssen wir in Oberthal gewinnen, was aber meines Wissens am letzten Play-Off-Spieltag noch keiner Mannschaft gelungen ist, wenn es noch um den Titel ging. Die Saarländer spielen zu Hause mit sechs Mann in der Regel geschlossen hohe 900er-Zahlen, 970, 980 sind bei ihnen keine Seltenheit“, weiß Grote.

Der SKH-Kapitän, der auch Fußball-Torwart ist, betont aber: „Im Fußball würde man sagen: Wir müssen unser Heil in der Offensive suchen. Wir werden mit André, Marcel und Holger Parassini anfangen, um den Druck von Anfang an hoch und das Spiel so lange wie möglich offen zu halten. Wir werden in Oberthal alles versuchen und nicht die Waffen strecken.“ Immerhin geht es um den Deutschen Meistertitel – der wäre eine Premiere für Heiligenhaus. Dafür brauchen die Spieler allerdings sehr viel „Hooooolz!“

Holzzahlen SKH in Heiligenhaus: André Laukmann 928, Marcel Grote 904, Holger Parassini 947, Kerim Demirbag 883, Alexander Ratzko 845, Marcel Schneimann 913.