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SG Ratingen spielt in der Regionalliga 32:32 gegen TuSEM Essen II

Handball : SG verpasst den Sieg gegen TuSEM II

Bis zur Pause liefern die Ratinger Regionalliga-Handballer ein ganz starkes Heimspiel gegen den ungeliebten Gegner, am Ende müssen sie froh sein, beim 32:32 nicht die vierte Niederlage in Serie gegen TuSEM Essen II kassiert zu haben. Neben einer dünnen Personaldecke hat die SG Probleme mit der Abwehrumstellung der Gäste, unglücklichen Szenen und seltsamen Entscheidungen.

Zur Pause sah es sehr gut aus. Die SG Ratingen führte 20:15 in der Handball-Regionalliga gegen TuSEM Essen II und hatte das Geschehen mit viel Tempo und guten Lösungen gegen die 6-0-Abwehr der Gäste so sehr im Griff, dass auch Zeit für handballerische Leckerbissen blieb: der Leger, mit dem Filip Lazarov beim Siebenmeter zum 14:9 traf (20. Minute), der schöne Spielzug, den Lazarov zum 16:11 als Kempa auf Zuspiel von Etienne Mensger abschloss (23.) oder der Dreher von Alexander Oelze zum 18:12 (26.). Der Leger von Mensger nach Traumpass von Oelze über das ganze Spielfeld hätte auch in diese Kategorie gehört, doch den Treffer verhinderte Trainer Ace Jonovski, der eine Auszeit nahm, als der Ball gerade in Mensgers Fingern landete – der Coach entschuldigte sich beim Rechtsaußen, der klatschte grinsend ab.

Da waren Stimmung und Welt der SG noch in Ordnung, doch dann kamen mehrere Faktoren zusammen, die das Spiel kippen ließen, und beim 28:31 (56.) sah es nach der vierten Niederlage in Serie gegen den ungeliebten Gegner aus. Die verhinderte Lazarov mit seinem insgesamt elften Tor, das 32:32 war der Endstand, auch wenn in den letzten 50 Sekunden der Partie noch beide Seiten die Chance auf den Siegtreffer hatten.

Die Faktoren, die die Partie in eine andere Richtung lenkten: Essen stellte nach der Pause auf eine offensivere Abwehr um, die Ratinger fanden nun die Lösungen nicht mehr wie zuvor. „Wir tun uns schwer gegen eine offensive Abwehr, wie gegen Aldekerk und Korschenbroich“, sagte Spielmacher Oelze mit Blick auf die vorangegangenen Partien. „Wir nehmen den Ball im Stand an, bewegen uns zu wenig oder nicht gut genug. Das müssen wir besser machen.“

Auffällig war zudem die hohe Fehlerquote in den letzten 20 Minuten, was zum einen an der Essener Abwehr, zum anderen aber auch am Personalnotstand der SG lag: Da Sam Schäfer die ganze Woche krank war und fehlte, war der Rückraum der Ratinger dünn besetzt, zudem fiel auch noch Kreisläufer Kai Funke mit einer Zerrung aus. So saß in Clemens Oppitz, der auch in der letzten Minute aufs Feld kam, Tim Zeidler und Severin Blumenthal ein Trio aus der Verbandsliga-Reserve auf der Bank, die Last mussten aber vor allem die etatmäßigen Regionalliga-Spieler schultern, so dass für diese sieben Feldspieler kaum Pausen möglich waren – entsprechend ging die Fehlerquote hoch und Essen beim 26:25 erstmals in Führung (48.).

In der Fehlerquote enthalten waren – als nächster Faktor – viele unglückliche Situationen: Etwa Mensger, der einen Gegenstoßpass abfing, den Ball dann aber im Fallen, um einen Schrittfehler zu vermeiden, aus der Hand warf – genau zu einem Essener, der das 27:25 erzielte (48.). Oder ein Abpraller nach einer Parade von Nils Thorben Schmit – der mit 18 gehaltenen Bällen wieder ein starkes Spiel machte –, den TuSEM zum 29:26 nutzte (50.). Oder der Fehlpass von Lukas Plaumann auf Mensger, als der Rechtsaußen als zusätzlicher Feldspieler gerade zur Bank lief, um den Torwart wieder zu aktivieren. Hinzu kamen einige sehr seltsame Entscheidungen der Schiedsrichter Hendrik Bier und Thomas Sistermanns und eine – berechtigte – Zeitstrafe gegen Schmidt wegen Meckerns, die das Unterfangen „Sieg gegen TuSEM II“ erschwerten.

Mit dem einen Punkt ist die SG auf Rang vier vorgerückt, konnte aber die Patzer der Top-Teams Opladen (Remis gegen Siebengebirge) und Korschenbroich (Niederlage in Weiden) so nur minimal nutzen. Oelze fand: „Dafür, dass wir mit sieben Feldspielern quasi durchgespielt haben, haben wir gut gekämpft. Das Ergebnis steht eher nicht für spielerische Klasse, aber für unsere Moral.“ Jonovski sah es ähnlich: „Ich war 45 Minuten ganz zufrieden, aber dann kommt eine schwierige Phase, in der man Kraft und Kopf braucht, wir aber keine frischen Spieler mehr hatten. Mit so wenigen Spielern hat es meine Mannschaft noch gut gemacht.“ Bis zur Pause sogar sehr gut.