SG Ratingen muss sich in der Regionalliga Nordrhein noch steigern

Handball : Bei der SG ist noch viel Luft nach oben

Die 28:31-Auftaktniederlage in der Handball-Regionalliga bei TuSem Essen II hat sich die SG Ratingen selbst zuzuschreiben. Sie verliert die Partie vor allem im Angriff, in dem Alexander Oelze überragt. Trainer Marcel Müller ärgert die fehlende Disziplin.

Die Erkenntnisse, die Marcel Müller bei der Auftaktniederlage in der Handball-Regionalliga bei TuSem Essen II gewonnen hat, sind für den Trainer größtenteils ernüchternd. Positiv bewertet Müller immerhin das Zusammenspiel zwischen der Abwehr und den Torhütern: „Wir haben viele Bälle geblockt und Essen im gebundenen Spiel Probleme bereitet“, sagt Müller und ergänzt mit Blick auf das Finale der Vorsaison, als im Mai der Meistertraum durch eine knappe Niederlage ebenfalls in Essen platzte: „Hätten wir damals die Torhüter-Leistung von heute gehabt, wären wir in die Aufstiegsrelegation gekommen.“

Tatsächlich hat die SG in dieser Saison ein sehr unterschiedliches Torwart-Duo, das den Gegner gerade deshalb vor Probleme stellen kann. Routinier Petre Angelov ist zwar sparsam in seinen Bewegungen, hat als Champions-League-Sieger und mazedonischer Ex-Nationaltorwart aber einfach unglaublich viel Erfahrung, ein gutes Stellungsspiel und eine große Reichweite. Zugang Nils Thorben Schmidt ist kleiner und schneller, er führt sich in Essen mit zwei Paraden bei vier Strafwürfen gut ein. Als Angelov nach einer zehnminütigen Pause wieder auf die Platte kommt, hält er direkt einen Heber von rechtsaußen und einen weiteren freien Ball.

Dass es dennoch nicht zu einem Punkt in Essen reicht, liegt demnach nicht an der Defensivleistung, sondern vor allem am Angriff. Denn in dem gibt es eigentlich nur Alexander Oelze, der am Ende mit seinen 13 Toren, fünf davon per Siebenmeter, fast die Hälfte der Ratinger Treffer erzielt und etliche weitere vorbereitet hat. Der Rückraumspieler bringt sein Team auf 25:28 und gar 26:28 in Unterzahl in der 58. Minute heran, der Ex-Bundesligaspieler macht ein überragendes Spiel, seine Nebenleute fallen aber ab.

Filip Lazarov, mazedonischer Nationalspieler, ist zwar angeschlagen mit leichten Muskelfaserrissen in den Oberschenkeln, doch das kann seine Fehlerquote kaum erklären. Dreimal versucht der Rückraumspieler ein Rückhand-Anspiel an den Kreis, dreimal fangen die Essener den Ball ab und treffen im Gegenstoß. „Wir haben in der Halbzeit besprochen, dass genau solche Dinge nicht vorkommen dürfen – und dann geht es genau so weiter“, ärgert sich Müller und ergänzt: „Es mangelt an Disziplin. Im Training wird das umgesetzt, ich war nach der Trainingswoche wirklich euphorisch. Und dann ist das im Spiel auf einmal komplett weg.“

In die Rubrik Disziplin reihen sich etliche unvorbereitete Würfe und Fehlpässe ein, die Essen immer wieder zu Gegenstößen nutzt, ebenso die Zeitstrafe, die Marco Bauer kurz vor dem Ende wegen eines falschen Wechsels erhält oder die Strafen, die Thomas Bahn und Sam Schäfer kassieren, nachdem sie die Essener im Gegenstoß attackiert haben. Unnötige Unterzahlsituationen. „Ich fand die Schiedsrichter hervorragend“, sagt Müller und sucht die Schuld für die Niederlage nur bei seinem Team.

Das hatte vor allem am Anfang massive Probleme im gebundenen Spiel: Der Rückraum mit Lazarov, Schäfer und Bahn passt in Essen die Bälle nur zwischen sich hin und her, es geht immer weiter in die Mitte, das Spiel wird eng und behäbig, die Außen stehen ziemlich einsam da. Erst, als Oelze kommt, gibt es auch Pässe zum Beispiel für Yannik Nitzschmann auf linksaußen. Das Eigengewächs avanciert mit fünf Treffern zum zweitbesten Werfer und ist nach Oelze bester Ratinger. Lukas Plaumann hätte der SG als beweglicher Mittelmann mit Übersicht gut tun können, doch fiel er mit Verdacht auf einen Meniskusriss kurzfristig aus. Der Ex-Essener Schäfer hatte sich sein Debüt sicher anders vorgestellt, der 22-jährige Rückraumspieler braucht noch etwas Zeit. Für den Rest im Rückraum außer Oelze gilt, was Müller sagt: „Mit der Klasse im Rückraum muss ich mehr erwarten können.“ Die SG hat noch viel Luft nach oben.

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