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SG Ratingen holt Robert Markotic vom TVB Stuttgart in die Regionalliga

Handball : Bundesliga-Profi Markotic kommt zur SG Ratingen

Das ist der Transfer-Hammer für die kommende Saison in der Regionalliga Nordrhein: Vom Bundesligisten TVB Stuttgart kommt Robert Markotic zur SG Ratingen. Der 30-jährige Linkshänder hat für drei Jahre beim Viertligisten unterschrieben. Er und seine Frau Ivana erhalten Jobs bei Interaktiv.

Am Samstag feierte Robert Markotic seinen 30. Geburtstag – und veröffentlichte dazu einen Beitrag bei Facebook, in dem er nicht nur seiner Dankbarkeit Ausdruck verlieh, dass seine Träume bislang wahr geworden seien, sondern dass ein anderer sich nun ebenfalls erfüllt habe: Damit meinte Markotic nichts anderes als seinen Wechsel zur SG Ratingen in der kommenden Saison, wie er mit der angeschlossenen Danksagung an den Handball-Regionalligisten und dessen Geschäftsführer Bastian Schlierkamp verdeutlichte.

Nun klingt es etwas merkwürdig, wenn ein Mann, der aktuell beim Bundesligisten TVB Stuttgart aktiv ist, einen Wechsel in die vierte Liga als „wahr gewordenen Traum“ bezeichnet, aber hinter diesem Schritt steckt mehr als die sportliche Komponente. Markotic und seine Frau Ivana haben drei Kinder, alle zusammen werden in Ratingen eine neue Heimat finden und nicht mehr allein abhängig davon sein, wo der 1,93-Meter-Mann Handball spielt. „Ivana und Robert werden im Bereich Soziales bei unserer Interaktiv gemeinnütziger Gesellschaft mit beschränkter Haftung arbeiten“, erklärt Schlierkamp, der auch geschäftsführender Gesellschafter des Vereins für Schule, Sport und Soziales ist. Als Integrationshelfer sollen Markotic und seine Frau Kinder mit Handicap im Schulalltag unterstützen.

Dadurch erhält auch der eigene Nachwuchs eine gesicherte Zukunft und Anschluss bei der SG. Die Familie war am Montag und Dienstag in Ratingen und machte sich ein umfassendes Bild. „Das hat schon extrem gut funktioniert. Robert hatte fast Tränen in den Augen, als seine jüngste Tochter bei unseren Handball-Kids mitgemacht hat“, berichtet Schlierkamp. Markotic postete im selben Beitrag bei Facebook, in dem er seinen Wechsel bekannt gab, ein Bild seiner Tochter im Trikot der SG. „Die Familie ist sich sicher, dass das der beste Schritt für sie ist. Natürlich ist das Prestige in der vierten Liga ein anderes als in der ersten oder zweiten Liga, aber sie haben diese Entscheidung für die Kids getroffen“, sagt Schlierkamp, der Rosenmontag in Stuttgart war und da erstmals mit der Familie Markotic zusammengesessen hatte.

Sportlich ist der Transfer ein Hammer für die Ratinger: Einen Spieler direkt aus der Bundesliga hatte die SG zwar schon einmal mit dem heutigen Trainer Ace Jonovski verpflichtet, allerdings ist Markotic deutlich jünger als der damals 36-jährige Abwehrchef, der 2017 vom Bergischen HC kam. „Robert ist grundsätzlich ein guter Spieler, der uns sehr verstärken wird als Linkshänder im rechten Rückraum. Das ist schon unser bester Transfer bis hierhin“, sagt Schlierkamp, der einen ähnlich dimensionierten Coup zuletzt 2010 hatte, als er den Franzosen Anthony Pistolesi vom damaligen Zweitligisten Leichlinger TV zum Bezirksligisten Turnerbund Ratingen holte, aus dem sich die SG entwickelte. Der Geschäftsführer warnt aber: „Robert weiß, dass es für ihn in der Regionalliga richtig schwer wird, weil ihn da jeder bekämpfen wollen wird. Das kann man schnell unterschätzen.“

Fest steht, dass Schlierkamp aus dieser Saison, die für den aktuellen Tabellensiebten, der Meister werden wollte, gelernt hat. Ein Problem dieser Spielzeit war, dass die Ratinger es nicht kontinuierlich schafften, ohne einen Linkshänder im Rückraum erfolgreich zu sein – diese Baustelle hat Schlierkamp geschlossen. In Nedim Hadzic ist ab April ein junger Linkshänder von der Bundesliga-Reserve der HSG Wetzlar an Bord, in Markotic wird die Position nun doppelt und mit einem erfahrenen Akteur besetzt, der aktuell in der Bundesliga viel Spielzeit erhält, weil bei den Stuttgartern der deutsche Nationalspieler Fabian Schmidt verletzt ist. Das genügt dem Kroaten aber nicht, er denkt auch an die Zukunft seiner Familie und möchte nun sesshaft werden, was er schon lange nicht mehr war: Von 2008 bis 2013 spielte Markotic in seinem Heimatland für RK Nasice, danach wechselte er jedes Jahr den Verein und das Land – von Brest (Weißrussland) ging es nach Pays d’Aix (Frankreich), dann nach Arendal (Norwegen), Maccabi Rishon Le Zion (Israel), RK Velenje (Slowenien) und dann 2018 nach Stuttgart, die erste Station seit Nasice, bei der er nun länger als ein Jahr ist. Da ist der Drei-Jahres-Vertrag in Ratingen durchaus bemerkenswert.