22:23 gegen Dinslaken: SG Ratingen gibt Top-Spiel aus der Hand

22:23 gegen Dinslaken : SG Ratingen gibt Top-Spiel aus der Hand

Der Handball-Regionalligist führt lange gegen Spitzenreiter Dinslaken, doch zu viele Fehler führen zur 22:23-Heimpleite.

Filip Lazarov stromert wie ein Häufchen Elend durch die Sporthalle an der Gothaer Straße. Der Handballer hat vieles erlebt in seiner Karriere. Er war bei Weltmeisterschaften, spielte auf höchstem Niveau – doch nun vergeigte er höchstpersönlich den Punktgewinn seiner SG Ratingen im Spitzenspiel gegen den Tabellenführer Dinslaken. In den letzten Minuten verwarf Lazarov zuerst einen Siebenmeter – und scheiterte dann im Tempogegenstoß freistehend am Torhüter. Die rund 200 mitgereisten Gästefans und das Team der Dinslakener konnten ihr Glück kaum fassen: Der MTV siegte 23:22 vor der fantastischen Zahl von 1000 Zuschauern in der Höhle der Löwen.

Es waren gerade die vermeintlichen Routiniers, die das Team im Stich ließen. Torhüter Petre Angelov, in der ersten Halbzeit noch unüberwindbar, bekam in der zweiten Hälfte keine Hand an den Ball. Ace Jonovski erhielt Zeitstrafen wegen Meckerns – und dann war da eben noch Lazarov mit seinen Fehlwürfen. „Für mich war nicht vorstellbar, dass wir verlieren“, sagte Alexander Oelze, der Zugang aus Düsseldorf. „Wir haben so gut trainiert in der Woche. Aber dann machen wir einfach zu viele Fehler.“

Dabei hatte das Löwenrudel die Partie über lange Zeit im Griff. Angelov zog den Gästen mit tollen Paraden früh den Zahn, Linksaußen Yannik Nitzschmann, der vor der Gästekurve auflaufen musste und dort fortwährend beschimpft wurde, schien das eher zu beflügeln – er traf in der 20. Minute gar mit einem Kempa-Tor. Die Halle tobte.

Obwohl die Ratinger nervös starteten, brachte gerade Angelov ihnen die nötige Ruhe. Bis 8:8 war die Partie ausgeglichen, dann traf Oelze erstmals in eine Heimspiel. Bei 10:8 zeigte Angelov eine phänomenale Doppelparade – und die Ratinger setzten sich auf 14:10 bis zur Pause ab.

Kurz nach dem Seitenwechsel sah MTV-Spieler Nils Kruse gar Rot. Doch die Ratinger wurden plötzlich hektisch. Aus 14:10 wurde ein 16:16 – und noch einmal setzten sich die Gastgeber ab, diesmal auf 19:16. Erst bei 21:20 nimmt Co-Trainer Marcel Müller die Auszeit, vielleicht etwas spät. Die SGR hat den Ball – denkt man, doch es sind zu viele Spieler auf dem Feld – sieben plus Torhüter. Dabei hatten die Ratinger noch gar nicht angeworfen. In Überzahl erzielt Dinslaken den Ausgleich, dann zeigt Lazarov noch einmal seine Klasse und setzt sich im Eins-gegen-Eins zum 22:21 durch. Doch es gibt die nächste der vielen Zeitstrafen gegen Ratingen – und die Gäste drehen das Spiel. Ratingen darf die letzten zwei Minuten in Überzahl ran – doch am Ende sind es einfach zu viele Fehlwürfe.

„Wir waren nicht überlegt genug“, sagte Co-Trainer Marcel Müller. „Es kam Unruhe rein, die Chancenverwertung war richtig schlecht. Zumal wir gefühlt dauernd in Unterzahl spielten.“ Das Gefühl trog ihn nicht – es gab 10:16 Strafminuten in einem eigentlich ausgeglichenen Spiel. Vielleicht hätten ein paar mehr Wechsel den Ratingern, die immer mehr abbauten, gut getan.

Doch wer drei von sechs Siebenmetern verwirft und viele, viele freie Würfe vergibt, darf sich am Ende nicht wundern, wenn das Unterfangen Drittliga-Aufstieg in den restlichen Rückrundenspielen noch ein verdammt hartes Stück Arbeit zu werden droht.

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