Rennsport: Reifenplatzer bringt Mies um den Sieg

Rennsport : Reifenplatzer bringt Mies um den Sieg

Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring lag der Heiligenhauser vorne, bis sein Audi nicht mehr mitspielte.

Es hatte nicht sollen sein: Knapp zwei Stunden vor einem möglichen Sieg im heißen 24h-Rennen am Nürburgring schlug das Rennpech zu. Der Heiligenhauser Rennfahrer Christopher Mies konnte in der Box nur hilflos mit ansehen, wie seinem Teamkollegen der hintere rechte Reifen in Fetzen davonflog. War es ein Trümmerteilchen oder die unbarmherzige Hitze, die den möglichen Sieg vereitelte? Oder war es eine Spätfolge des Rodeo-Ritts seines Fahrerkollegen René Rast, der zuvor bei Höchstgeschwindigkeit böse von einem Mercedes-Konkurrenten auf den Rasenstreifen abgedrängt worden war?

Bis Sonntag, 12:22 Uhr war die Welt in der „Grünen Hölle“ jedenfalls noch in Ordnung. Nach taktisch perfektem Beginn, in dem man fast unsichtbar unter den ersten 20 der Starter mitrollte und offensichtlich jedem unnötigen Kampf aus dem Wege ging, hatte nicht einmal die Trainingszeit auf das Potential der Mannschaft hingedeutet. Der Audi R8 galt als bewährt, aber nicht mehr unbedingt als Favorit bei der viel zahlreicheren GT3-Konkurrenz von Porsche und Mercedes.

In der Nacht robbte sich das Auto dann immer weiter nach vorne, unterstützt durch viele Zwischenfälle bei der hitzigen Konkurrenz. Nach drei Stunden war es der zwölfte Platz, nach neun Stunden war man bereits Neunter - und ab der Halbzeit auf Platz sieben gehörte man bei den Fachleuten zu den Favoriten. Reifenschäden, Unfälle und Zeitstrafen durch Unaufmerksamkeiten bei der Konkurrenz reduzierten den Abstand zur Spitze weiter - das Podest wurde bereits am frühen Morgen ins Visier genommen.

Ein weiterer R8 hatte sich - direkt dahinter - ähnlich aussichtsreich positioniert, ein harter interner Kampf zwischen den beiden sorgte bei den Teamchefs für erhöhten Blutdruck. Der lange führende Manthey-Porsche verpasste um die Mittagszeit eine Einbremszone, eine Zeitstrafe von fünf Minuten wurde ausgesprochen. Der abdrängende Mercedes drehte sich raus, damit lag das Team mit Christopher Mies an der Spitze. Ein Rennabbruch zu diesem Zeitpunkt hätte alles klar gemacht, aber dem Sommerwetter am Ring fehlten dafür Hagel und Wolkenbruch.

Es war bedauerlich, der Reifenplatzer und der Folgeschaden daraus kam unglücklich. Das Drama nahm so jedenfalls seinen Lauf - eine fast komplette Runde auf der Nordschleife mit einem um sich schlagenden Reifen ist einfach zu lang. Eine beherzte Fahrt wurde nicht belohnt, nach dem Ausfall wurde das Team um Christopher Mies mit Rundenrückständen unter den ersten 20 geführt. Über die Ziellinie muss man beim 24h-Rennen für eine Wertung nicht rollen, da genügt bereits ein erfolgreicher Start. Zum Trost wird es Christopher Mies dennoch nicht gereichen – auch deshalb nicht, weil der ursprünglich hinter ihm liegende Markenkollege einen Sieg feiern durfte.

Ein anderer hätte diese Position hingegen mit Jubel begrüßt: Alexander Mies, der drei Jahre jüngere Bruder – gestartet in einer motorisch nicht so starken Klasse. Mit dem großen Bruder ist er auf dem Kart groß geworden, der Vater hat das sportliche Vergnügen seiner Jungs großzügig unterstützt. Kein großes Wunder, ist er doch selbst mit Begeisterung im Motorsport aktiv gewesen. Die Profikarriere des Christopher wird von der Familie mit beifälligem Kopfnicken betrachtet. Bruder Alexander, der eine berufliche Karriere in der Giesserei der Familie anstrebt, sieht den Sport hingegen eher als ernsthaftes Hobby.

Hier am Ring saß er auf einem brandneuen Aston Martin V8, der dort Rennerfahrung sammeln sollte. Die Kleinarbeit war riesig, allein für die Varianten der Scheibenwischer kam ein Ingenieur aus der Fabrik. Nicht verwunderlich, dass bereits nach zwei Runden heftig geschraubt wurde. Mit Rundenrückstand wurde weitergefahren, der siebte Platz in der Klasse schien festgeschrieben. Die Testerprobung mit der Maßgabe, das Auto ins Ziel zu bringen, war das Wichtigste. Und das ist gelungen.

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