Regionalliga: SG Ratingen und Jan Kerssenfischer gehen getrennte Wege

Handball : SG Ratingen und Kerssenfischer trennen sich

Aufgrund von „unüberbrückbaren Differenzen hinsichtlich des Reha- und Wiedereinstiegsplanes“ lösen der Handball-Regionalligist und der Linkshänder den erst im Juni um ein Jahr verlängerten Vertrag einvernehmlich auf. Die Trennung erfolge nicht im Groll, betonen beide Seiten.

Das ging plötzlich. Bis zuletzt hatte Trainer Marcel Müller noch gehofft, bald wieder Linkshänder Jan Kerssenfischer bei der SG Ratingen einsetzen zu können, am Mittwochnachmittag meldete der Handball-Regionalligist dann, dass sich beide Seiten einvernehmlich auf eine Vertragsauflösung geeinigt hätten. Als Grund nannte der Klub „unüberbrückbare Differenzen hinsichtlich des Reha- und Wiedereinstiegsplanes“ des 31-Jährigen.

Erst im Juni dieses Jahres war der Kontrakt bis 2020 verlängert worden, nun ist er aufgekündigt. Damit steht fest: Kerssenfischer hat nur drei Pflichtspiele für die Ratinger gemacht, seit er 2018 von der HSG Düsseldorf/Neuss in die Dumeklemmerstadt gekommen ist. Denn kurz nach Beginn der Spielzeit 2018/19 verletzte er sich schwer am Sprunggelenk, musste operiert werden, wobei ihm ein Knorpel-Implantat eingesetzt wurde. Es schien aber, dass Kerssenfischer in dieser Saison wieder eingreifen könne, Trainer Müller hatte ihm zuletzt Einsätze in der Reserve in Aussicht gestellt, um ihn wieder an die Belastung eines Spieles heranzuführen, die doch höher als die eines Trainings ist. Nun heißt es von der SGR: „Hinsichtlich des Wiedereinstiegs in den Spielbetrieb herrschte zwischen Verein und Spieler Uneinigkeit, sodass man sich aufgrund dieser unterschiedlichen Sichtweisen gemeinsam entschieden hat, den bis zum 30. Juni 2020 datierten Vertrag aufzulösen.“

Damit hat die SGR im aktuellen Kader nur noch Etienne Mensger als Linkshänder, Kerssenfischer war laut Müller nicht nur als Ersatz für den Rechtsaußen eingeplant, sondern vor allem als Rückraumspieler, der es von Halbrechts mit der linken Hand einfacher habe, Gegner zu binden und den Ball zur Mitte weiterzupassen, als das bei einem Rechtshänder der Fall sei. Kerssenfischer war seinerzeit als Ersatz für Carsten Jacobs verpflichtet worden, der inzwischen den rechten Rückraum bei Liga-Konkurrent BTB Aachen besetzt. Ob die Ratinger nun versuchen, für diese Position einen anderen Linkshänder zu verpflichten, war am Mittwoch noch nicht herauszubekommen.

In der Pressemitteilung der SGR wird Kerssenfischer so zitiert: „Ich finde meinen Abschied natürlich sehr schade, weil ich mich in der Mannschaft unheimlich wohlgefühlt habe und viele Mitspieler mittlerweile auch zu meinem engeren Freundeskreis gehören.“ Das war bei den bisherigen Spielen dieser Saison durchaus zu sehen, der Linkshänder feuerte sein Team von der Tribüne aus an. Nun sei es aber so, heißt es in der Klubmitteilung in Kerssenfischers Namen weiter, dass „leider der Spaß und die Motivation in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen sind. Nach Unstimmigkeiten bezüglich meines Wiedereinstiegs in den Wettkampf habe ich dann leider die Energie verloren, die ich in der langen Aufbauphase aufrecht gehalten habe.“ Der 31-Jährige wird weiter zitiert: „Dennoch gehe ich nicht im Groll und wünsche dem Team, dass es so schnell wie möglich die Ergebnisse erzielt, zu denen es in der Lage ist. Ich werde den Weg der Jungs sicher weiter verfolgen.“ Die SGR will in dieser Saison aufsteigen, liegt als Tabellensiebter mit 3:5 Punkten aber derzeit unter der eigenen Erwartung.

Geschäftsführer Bastian Schlierkamp war am Mittwoch telefonisch nicht zu erreichen, in der Klubmitteilung heißt es von ihm: „Es ist schade, dass wir Jan nie lange in voller Aktion erleben konnten und ihn die Verletzung so lange außer Gefecht gesetzt hat. In seiner gesamten Zeit in Ratingen hatten wir immer eine offene und ehrliche Kommunikation, das weiß ich sehr zu schätzen.“ Der 36-Jährige ergänzt: „Wir wünschen Jan für seine sportliche und private Zukunft alles Gute.“

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