Reaktionen zum Essay zur Situation der Fußball-Klubs in Ratingen

Leserforum : Zu: „Sportvereine sind ein Stück Heimat“

Auf den Essay „Sportvereine sind ein Stück Heimat“ vor sieben Tagen gab es einige Reaktionen, viele bezogen die Situation der Fußball-Vereine in Ratingen auch auf die der Handball-Klubs und die Ratinger Ice Aliens. Lesen Sie hier drei Leser-Zusendungen zum Thema.

Vor sieben Tagen habe ich unter dem Titel „Sportvereine sind ein Stück Heimat“ an dieser Stelle einen Essay veröffentlicht, der sich mit der Situation der Fußball-Vereine und insbesondere der massiv gesunkenen Zuschauerzahlen beschäftigt hat. Online haben ihn mehr als 2000 Personen zumindest angeklickt, und ich hoffe auch gelesen. Es gab einige Reaktionen dazu, drei davon können Sie weiter unten lesen. Ein Leser wollte wissen, ob die Zuschauerzahlen die absoluten sind oder nur die der zahlenden, da diese sich sehr voneinander unterscheiden könnten – es sind die Zuschauer, die tatsächlich anwesend sind, und das macht es bei Zahlen von 53 bis 27 so bedenklich. Andere merkten an, dass ich den Essay auch auf Eishockey oder Handball hätte ausweiten können, darauf hatte ich aber bewusst verzichtet, um den Artikel nicht zu überfrachten. Richtig ist aber, dass diese Sportarten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Auch für sie gilt das Plädoyer: Gehen Sie doch mal wieder hin. Ein paar Tipps für Heimspiele an diesem Wochenende finden Sie gleich.

Den kompletten Essay finden Sie hier:

Leserreaktionen

Wert der Vereine

Lokale Industrie ist gefordert

Danke für den sehr gut und treffend erstellten Artikel über die Ratinger Fußball-Vereine und ihre Sorgen und Nöte. Er trifft die Sachlage auf der „lokalen Ebene“ absolut im Kern – zeigt aber leider auch keine Auswege auf. Sie haben schon Recht mit Ihrer Aussage, dass die lokale Industrie die Vereine (und damit meine ich nicht nur die Fußball-Vereine) weitestgehend im berühmten Regen stehen lässt und es für die Verantwortlichen der Vereine immer schwieriger wird, das Budget für eine vorzeigbare Mannschaft zu stemmen.

Mit dem berühmten „Blick über den Tellerrand“ hätten Sie auch die Ratinger Ice Aliens und die Mehrzahl der Ratinger Handballvereine nennen können, die mit gleichartigen Problemen zu kämpfen haben. Im Falle der Aliens kommt noch erschwerend dazu, dass man ihnen den ISS-Dome praktisch vor die Haustür gebaut hat und die „große“ DEG sich nicht zu schade ist, auf Ratinger Stadtgebiet großflächig für ihre oftmals zur gleichen Zeit stattfindenden Heimspiele zu werben. Da ist es dann anscheinend mit der von Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, geforderten Solidarität der Eishockey-Vereine schnell vorbei.

Bleibt zu hoffen, dass Ihr Artikel in der einen oder anderen Ratinger Unternehmensführung gelesen wird und sich die Verantwortlichen in den Firmen einmal Gedanken um den Wert der heimatlichen Sportvereine für das Gemeinwesen und die Bedeutung einer „lokalen Werbung“ machen. Damit erreicht man manchmal definitiv mehr, als in der dritten Reihe in der Bundesliga eine Werbebande zu besetzen.

Manfred Lang
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Rückbesinnung

Vielfältiger als Fortuna

Nachdem der Regionale Sport auch bei der Rheinischen Post immer mehr ins Abseits gerät, tut es gut, diesen Artikel zu lesen!

Mag sein, dass Fortuna mehr Leser anzieht als örtliche Vereine. Aber wenn sie immer weniger Beachtung finden, verschwinden sie auch irgendwann ganz. Als Beispiel die Tabelle der Fußball-Kreisliga B: Diese verschwand in die Dienstagsausgabe. Wenn auf Nachfrage die Begründung folgt, dass diese niemanden interessiere, wird sie sicher bald ganz verschwinden. Und damit auch gleichzeitig kein Interesse geweckt werden. Ich hoffe sehr, dass es langsam wieder eine Rückbesinnung der Berichterstattung auf den Regionalsport gibt. Der ist vielfältiger als nur Fortuna.

Michael Klug
per Mail

Positives Zeichen

Spaß steht im Vordergrund

Sieht man sich die Situation der genannten Vereine mal aus einer anderen Perspektive an, dann kann der Abstieg der Vereine (besonders der Mehrspartenvereine) vielleicht auch ein positives Zeichen sein. Vieles im Seniorenfußball des TuS Homberg ist in der Vergangenheit zwar steuer- und vereinsrechtlich legal gewesen, aber nicht im Sinne eines Sportvereins, der die Bewegung und das Fithalten möglichst vieler Mitglieder im Auge hat. Da gab es Fahrtgelder, Trikot-Reinigungspauschalen, Handgelder etc. Wir haben im TuS Homberg Turnerinnen, die an Landesmeisterschaften teilnehmen, zwei unserer zahlenden Mitglieder fahren zudem zur Hyrox-Weltmeisterschaft, und dann sahen wir als Vorstand, dass einige „Kicker“ in der Kreisliga A Geld erhielten, weil sie sonst den Verein wechseln wollten. Da haben wir gesagt: „Lass sie gehen“, da wir dieses Geld besser in die Gemeinschaft und für neue Geräte/Angebote im Breitensport einsetzen können.

Wir wollen, dass die Menschen bei uns wegen des Spaßes an der Bewegung, aus gesundheitlichen Gründen und ja, aus der Lust am sportlichen Erfolg Sport treiben. Auch ermöglichen wir jedem Bedürftigen die Teilnahme am Sport. Da müssen die Erwartungen der Fußballer zu unseren Möglichkeiten passen. So sind wir besonders stolz auf die, die zu uns kommen und jedes Wochenende ihr Bestes geben – auch auf dem 14. Tabellenplatz der Kreisliga B – und die Gemeinschaft schätzen. Und natürlich kämpfen unsere Fußballer der ersten Mannschaft jedes Wochenende für den Sieg, und jede Niederlage schmerzt. Aber deshalb Spieler „einzukaufen“ in der Kreisliga, das werden wir nicht tun.

Daher kann das „kollektive Absteigen“ der anderen Vereine einfach auch ein positives Zeichen sein, dass eine gewisse Vernunft eingekehrt ist, und den Fußballern das im Amateurbereich geboten wird, was im Vordergrund stehen sollte: Spaß am Fußball, Spaß am gemeinsamen Erfolg und nicht das Erzielen finanzieller Vorteile.

Vielleicht ist das ein weiterer Aspekt dieses komplexen Themas.

Gereon Becker
Vorsitzender TuS Homberg
per Mail