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Nach dem Remis von SG Ratingen und SG Langenfeld in der Regionalliga:

Handball-Analyse : So tat Langenfeld der SG Ratingen weh

Beim 28:28 in der Regionalliga Nordrhein haben die Handballer der SG Langenfeld gegen die SG Ratingen einige taktische Kniffe ihres Trainers Markus Becker umgesetzt. Die Manndeckung gegen Ex-Bundesligaspieler Alexander Oelze funktionierte nur partiell, aber das Tempospiel klappte gut.

Dass Alexander Oelze in der Handball-Regionalliga eine überragende Rolle bei der SG Ratingen spielen kann, ist klar. Ihn aber als „Shooting-Star“ zu bezeichnen, wie es der Hallensprecher immer wieder im Derby gegen die SG Langenfeld tat, ist dann doch eher Unsinn. Selbst wenn man das Wortspiel annimmt, dass Oelze der „Shooter“, also der Haupttorschütze, seiner Mannschaft ist, ist die Bezeichnung bei einem 35-Jährigen, der in den vergangenen 13 Jahren nur Erste und Zweite Bundesliga gespielt hat, bevor er nach Ratingen kam, doch arg vermessen. Zumal der Kult um seine Person auch seinen Teamkollegen nicht gerecht wird, bei denen insbesondere Torwart Nils Thorben Schmidt, Rechtsaußen Etienne Mensger mit fünf Toren und Rückraumspieler Sam Schäfer mit seiner Dynamik ebenso überzeugten wie Oelze mit seinen zwölf Treffern.

Auch ohne besondere Anmoderation wusste die SG Langenfeld natürlich um die Torgefahr des Ratinger Spielmachers. Und Trainer Markus Becker hatte sich etwas einfallen lassen, um Oelze und damit den Spielfluss der SGR zu stören: Er ließ eine versetzte 5:1-Deckung spielen, in der Vinzenz Preissegger gegen Oelze agierte, teilweise sogar in Manndeckung. So bekam der Ex-Bundesligaspieler kaum Raum und weder Anspiele an den Kreis noch Würfe aus dem Spiel heraus. Allerdings nutzte vor allem Schäfer dann mit seiner Beweglichkeit den Platz ebenso wie Kai Funke am Kreis. So gab es allein in den ersten acht Minuten vier Siebenmeter, die Oelze alle verwandelte. Nach knapp 15 Minuten zog Becker deshalb seine Deckung wieder weiter zurück.

Doch der SGL-Trainer hatte noch mehr im Repertoire, um der SGR wehzutun. Von Beginn an hielten die Gäste das Tempo auch bei Gegentoren hoch, um so möglichst den Doppel-Wechsel der Hausherren – Spielertrainer Ace Jonovski für Oelze und Thomas Bahn für Filip Lazarov in der Abwehr – zu verhindern. Tatsächlich fand sich Oelze deswegen immer mal wieder in der Deckung wieder, was ihm bei aller offensiven Klasse so gar nicht liegt. Die Langenfelder nutzten das immer wieder aus, gleiches galt für Fehler, die die Ratinger im Angriff machten. So kamen sie nicht nur zum 15:15-Ausgleich zur Pause, sondern mussten sich sogar noch ärgern, weil sie zuvor noch zwei Gegenstöße ausgelassen hatten: Felix Korbmacher scheiterte an Nils Thorben Schmidt, Dominik Jung am Pfosten.

Durchaus entgegen kam der SGL ab Mitte der ersten Halbzeit allerdings auch, dass Schäfer nach einem Pressschlag der Arm derart durchgeschlagen war, dass er lange behandelt werden musste. Mit dem 22-Jährigen war das Angriffsspiel der Ratinger deutlich beweglicher als mit Lazarov. Die Anmerkung sei erlaubt: Wenn es Schäfer schafft, einen mazedonischen Nationalspieler auf die Bank zu verbannen, weil er dem Spiel mehr Dynamik gibt, dann ist er der „Shooting-Star“.

In Halbzeit zwei war Schäfer wieder dabei, das Spiel blieb die ganze Zeit eng, dann kassierte der junge Ratinger 68 Sekunden vor dem Ende eine Zeitstrafe. Zu diesem Zeitpunkt hatte SGL-Trainer Becker bereits für den guten Alexander Riebau wieder Jascha Schmidt ins Tor beordert, der Ex-Ratinger sollte nun seine früheren Kollegen noch einmal verunsichern. Und Becker hatte noch einen taktischen Kniff: Nach der Auszeit, die die SGR am Ende nahm, ließ er Oelze wieder in Manndeckung nehmen, in Unterzahl wurde so Lazarov in die Verantwortung gezwungen, der weiter angeschlagene Mazedonier wurde aber geblockt, Schmidt bekam den Ball einfach und schickte Korbmacher zum Gegenstoß, der dann an Petre Angelov im Ratinger Tor scheiterte. Es blieb beim 28:28. Korbmacher verpasste es so, dem Aufstiegsfavoriten richtig wehzutun. Ein bisschen hatte es die SGL aber auch mit dem Remis geschafft.