Eishockey Musga – Schrauben im Knie, Eishockey im Kopf

Ratingen · Nach einer schweren Verletzung will der Stürmer bei den Ice Aliens wieder angreifen. In der Vorbereitung geht es auch um mentale Fitness.

Es ist der 28. September 2012. Das erste Drittel im ersten Oberliga-Saisonspiel nach seiner Rückkehr zu den Ratinger Ice Aliens. Ein übler Knie-Check eines Duisburger Gegenspielers beendet jäh die Spielzeit von Benjamin Musga. "Ich habe noch am Abend im Krankenhaus gefragt, wann ich wieder Eishockey spielen kann", erinnert sich der mittlerweile 30-Jährige. Doch die Diagnose ist niederschmetternd: Im Knie ist alles zerstört, der Schienbeinkopf gebrochen, alle Bänder angerissen oder überdehnt. Die erste schwere Verletzung des Stürmers.

Knapp zehn Monate später steht Musga im Ratinger Leichtathletikstadion. Er macht seine ersten Sprungübungen auf hartem Untergrund. "Es läuft überraschend gut, auch wenn ich die Schrauben im Knie bei manchen Bewegungen noch merke", erklärt er. Sein Ziel hat er mittlerweile wieder klar vor Augen: Musga will bei den Ice Aliens noch einmal voll angreifen.

Längst vergessen sind die Monate nach der Knie-OP. Die neun Wochen Krücken, die sechs Wochen Physio-Therapie mit 20 Kilogramm Teilbelastung und der Moment, als die Krücken beiseitegelegt werden durften. "Das war heftig. Da habe ich gemerkt, dass die komplette Muskulatur weg war. Das war der schwierigste Punkt", sagt der gebürtige Dinslakener. "Es war psychisch eine harte Zeit. In dieser Phase habe ich nicht an Eishockey gedacht, ich wollte einfach nur normal laufen können." Die Physiotherapeuten unterstützen Musga auch mental in dieser Zeit, machen ihm Mut.

Von anderer Seite erhält der Linksschütze ebenfalls Zuspruch. "Der Verein hat sich super um mich gekümmert. Ich habe nie Druck gespürt, niemand kam zu mir und hat gesagt: ,Ende aus. Das war es für dich'" Deshalb stand für Musga auch früh fest, im Falle eines Comebacks, nicht den Verein zu wechseln. "Es war am Ende eine Formalie, völlig unkompliziert. Ich bin sehr dankbar, für ein Jahr die Chance zu bekommen."

Im letzten Saisonspiel der vergangenen Saison gegen Neuss wagte Musga bereits sein Comeback. "Es ging um nichts mehr. Unser Trainer hat mich gefragt, ob ich mir das zutraue. Ich habe gesagt, ich versuche es, aber wenn das Spiel zu hart wird, lasse ich es." Musga, der über 350 Partien in Oberliga, Regionalliga und holländischer Erendivisie absolviert hat, hielt durch. "Die ersten Wechsel waren komisch, aber es wurde immer besser."

Nun steht das Trockentraining auf dem Programm, doch Musga hat mit Freunden und Kollegen bereits im Juni Eis in Dinslaken angemietet, um sich psychisch weiter zu stabilisieren. "Ich wollte testen, ob ich vom Kopf wieder da bin. Je öfter ich aufs Eis gehe, desto weniger denke ich über die Verletzung nach." Nun will Musga vor allem eines: Er will verletzungsfrei durch die Saison kommen. Natürlich ist aber auch der Ehrgeiz wieder geweckt. "Wir wollen den Klassenerhalt packen. Ich persönlich will als älterer Akteur den jungen Spielern helfen. Der Coach soll mich bringen, wo ich gebraucht werde", sagt der bescheidene Musga, der seine Karriere in Ratingen ausklingen lassen will. "Ich weiß nicht, wie lange ich noch spiele, fühle mich hier aber sehr wohl."

(RP)
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