Lokalsport Mini-Sportabzeichen begeistert Kinder

Kreis Mettmann · Schon die Anfahrt mit dem Bus zur Sportanlage ist für die Kita-Kinder aufregend. Auf der Sportanlage geht es dann rund. Schlechtes Wetter? Gibt es nicht! Die Freude am sportlichen Tun steht den Kleinen ins Gesicht geschrieben.

 Locker machen: Niklas meistert den Hindernisparcours.

Locker machen: Niklas meistert den Hindernisparcours.

Foto: Köhlen Stephan

Ausgerechnet heute regnet es auf die städtische Sportanlage in der Hochdahler Straße in Haan hinab; ausgerechnet heute, wo doch 264 Vorschulkinder erwartet werden, die sich ihre Minisportabzeichen verdienen wollen. Zehn Kindertagesstätten haben sich angemeldet, neun sind gekommen. Überall sieht man Kindergesichter, von nassen Kapuzen umhüllt, doch diese Gesichter zeigen keinen Unwillen. Und ganz so schlimm regnet es ja nicht - es schauert zwischendrin und diese paar Regentropfen können gegenüber den enthusiastischen Hundertschaften an Vorschulkindern sowieso nichts ausrichten.

 Konzentration: Vincent versucht, ganz weit zu springen.

Konzentration: Vincent versucht, ganz weit zu springen.

Foto: Köhlen Stephan

"Nur lachende Gesichter", freut sich Siegfried Funk und deutet auf eine Gruppe vorbeistürmender Kinder. "Unser Ziel ist es, die Kleinen mit Spaß an Bewegung heranzuführen", erklärt der Sportwart vom Sportverband Haan. "Um Leistung und Wettbewerb geht es hier nicht." Den kleinen Sportlern stehen fünf spaßvolle Disziplinen bevor. Zuerst werden die Disziplinen vorgestellt, danach achtköpfige Gruppen gebildet, die mit einem Betreuer von Station zu Station gehen. Dabei ist die Reihenfolge frei wählbar, lediglich der 400-Meter-Lauf hat seinen festen Platz als fünfte Disziplin.

 Ganz entspannt: Alexia läuft zum Abschluss des Sporttages noch eine Stadionrunde.

Ganz entspannt: Alexia läuft zum Abschluss des Sporttages noch eine Stadionrunde.

Foto: Stephan Köhlen

All diese Stationen tragen jedoch keine "erwachsenen" Namen, sondern werden stark vereinfacht benannt, damit jedes Kind sofort versteht, was gemeint ist. "Ganz dolle bewegen" - hier darf sich der Nachwuchs vielfältig austoben, ob mit Schwungtuch, Ballstaffel oder Koordinationsparcours.

Dann gibt es die Disziplin, die sich in "Ganz weit oder ganz hoch springen" aufteilt. Zuerst springen die Kinder der Reihe nach in den Sand - Weitsprung also. Aber vorher stehen Dehnübungen an. Eine Mutter steht als fleißige Helferin bereit und zeigt den kleinen Sportlern, was sie dabei beachten müssen: "Jetzt Beine spreizen. Das macht ihr super! Beide Füße zeigen in die gleiche Richtung."

Nach der Dehnung springen die Kinder in den Sand - Amelia und Gabriel wollen sogar gleichzeitig springen. Beim zweiten Part, dem "Hoch springen", rennen die Kinder einer dicken Hochsprungmatte entgegen und springen mit vollem Einsatz drauf. Anschließend rollen sie sich lachend wieder herunter.

Hinter "Ganz schnell laufen" verbirgt sich ein 50-Meter-Sprint. Fünf Kinder stehen bereit und sobald eine Helferin "Auf die Plätze - fertig -los!" ruft, rennen fünf Kinder nebeneinander her, was das Zeug hält.

Bei der vorletzten Disziplin geht es um "Ganz weit oder ganz hoch werfen". Hier ist es nicht vordergründig, ob der Ball hoch hinaus oder weit weg fliegt. Hauptsache, das Kind steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, führt den Ball bis hinters Ohr und wirft mit voller Kraft - egal wohin.

Sind diese vier Stationen geschafft, folgt der erwähnte 400-Meter-Lauf, der jedoch den Namen "Ganz lange laufen" trägt. Auch die Erzieherinnen nehmen die Beine in die Hand und machen mit. Und am Streckenrand stehen Mütter, Väter oder Helfer und feuern die rennenden Kinder an.

Nach fünf erfolgreich abgeschlossenen Stationen ist die Freude bei Alexia, Niklas und Vincent groß. Die drei Vorschulkinder stehen unter einem regenschützenden Zelt und bekommen Urkunden und eine Medaille in die Hände gelegt. "Ich freue mich, dass ich vor Vincent ins Ziel gekommen bin", ruft Niklas, "und Regen macht mir nichts aus!" Vincent steht daneben und wirkt nicht geknickt - es ist ja kein Wettkampf. Stattdessen berichtet er mit Begeisterung über die aufregende Busfahrt hierher zum Sportplatz: "Der Bus stand ganz alleine am Nachbarsberg, kein Busfahrer weit und breit." Aber alles verlief gut, der Fahrer tauchte auf und die Vorschulkinder können ihre Trophäen daheim den stolzen Eltern zeigen. Auch Erzieherin Christina Mähler kommt ins Schwärmen. "Unsere Kita macht seit mehreren Jahren beim Minisportabzeichen mit und meine Kolleginnen und ich sind jedes Mal begeistert, die Kinder bei ihren Erfolgserlebnisse zu beobachten", sagt sie.

Mira Pazic (15) und Sarah Knauf (16) besuchen beide das Städtische Gymnasium Haan - doch nicht heute, denn ihre Sportlehrerin hatte ihnen den Vorschlag gemacht, am Tag des Minisportabzeichens mitzuwirken. "Von der Idee waren wir schnell überzeugt", sagt Sarah. Zusammen mit Mira betreut sie den 50-Meter-Sprint - Pardon: das "Ganz schnell laufen". Die Teenagerinnen sind mindestens so sportlich wie die vielen Vorschulkinder, die bei ihren Signalen zu rennen beginnen. Mira macht Modernen Fünfkampf (Schwimmen, Laufen, Reiten, Schießen und Fechten) und Sarah besitzt ein eigenes Pferd. "Nur schade wegen des regnerischen Wetters", seufzt Sarah, "aber die Kinder haben trotzdem ihren Spaß." "Wir aber auch" fügt Mira lachend hinzu.

(RP)