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Tennis: Meier gibt nicht auf: Der Traum vom Titel lebt

Tennis : Meier gibt nicht auf: Der Traum vom Titel lebt

Bei RTC Grün-Weiß werden nach der Endspiel-Niederlage gegen Bocholt die Wunden geleckt.

Der ein oder andere konnte es noch gar nicht fassen. Während auf der Anlage am Götschenbeck die Aufräumarbeiten nach dem Finale um die Deutsche Meisterschaft, das die Damen des RTC Grün-Weiß mit 1:5 gegen Bocholt verloren hatten, noch in vollem Gange waren, saßen die Mannschaft und der Vorstand bei Heinz Hülshoff in der Ratingia. Spargel, Fisch und Fleisch mundeten vorzüglich, auch weil der Frust mit Wein, Bier, Wasser und Kaffee heruntergespült wurde. Dieses Endspiel hat Wunden geschlagen, deren Heilungsprozess noch ein paar Tage andauern wird.

Nicht dass die Ratingerinnen verloren hatten, war so bitter, sondern die Art und Weise. Dass sie nicht würden gewinnen können, war dem RTC-Sportwart Daniel Meier klar, als die Bocholterinnen aus dem Bus ausstiegen. Drei Spielerinnen aus den Top 30 der Weltrangliste, zudem die Nummern 51 und 55 — gegen dieses Weltklasseteam waren die Chancen gering.

"Aber dass es nach den Einzeln 1:5 stand und schon vorbei war, das war brutal", gestand Daniel Meier zu vorgerückter Stunde. "Es war einfach schade für die Zuschauer, denen ich mehr Spannung gegönnt hätte, aber auch für alle, die bei der Organisation geholfen haben. Ich hatte schon gehofft, dass es bis zum frühen Abend gehen würde und dann war es um 14.40 Uhr schon vorbei."

Aber Daniel Meier, der Vorsitzende Dr. Helmut Lütcke und Trainer Oliver Selbach vergaßen nicht in der Stunde der Niedergeschlagenheit, dass der Verein zwei glänzende Jahre hinter sich hat. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga wurde der RTC Grün-Weiß nun zum zweiten Mal in Folge Deutscher Vizemeister. Das ist eine großartige Leistung.

Mehr noch, für den Verein haben in den vergangenen Wochen Andrea Petkovic (gegen Essen) und Julia Görges (gegen Bocholt) aufgeschlagen, neben Angelique Kerber die besten deutschen Spielerinnen. "Sie standen nicht nur bei uns auf der Liste, sondern haben in Ratingen gespielt", sagt Daniel Meier zufrieden. Und in einem weiteren Punkt glaubt er sogar gegenüber Bocholt die Nase klar vorn zu haben: "In unserer Mannschaft herrschte ein toller Teamgeist. Die Mädels haben sich prima verstanden. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass mit Ausnahme von Sesil Karatantcheva, die aber sehr gut englisch spricht, alle deutsch gesprochen haben."

Zweimal in Folge Vizemeister — da drängt sich natürlich die Frage auf, ob der RTC Grün-Weiß einen dritten Anlauf in Richtung Titelgewinn wagt? "Wir werden uns in zwei, drei Wochen zusammensetzen, Bilanz ziehen und dann überlegen wie es weitergeht", meinte Daniel Meier zunächst.

Das ist verständlich, denn ein solches Projekt, eine solche Saison muss finanziell geplant und gestemmt werden. Allein das eine Spiel in Ratingen dürfte den Deutschen Meister Bocholt zwischen 80 000 und 100 000 Euro gekostet haben, die Saison rund eine Viertelmillion. Auf ein solches Wettrüsten wollen sich die Ratinger nicht einlassen. "Da müssten wir an Spielerinnen aus anderen Vereinen des Verbandgebietes rangehen, das mache ich nicht", sagt Daniel Meier. "Und ansonsten sind doch keine Spielerinnen auf dem Markt. Wir dürfen nur eine Nicht-EU-Ausländerin einsetzen und alle Speilerinnen aus der EU, die in der Weltrangliste zwischen 15 und 30 stehen, sind vergeben." Aber Daniel Meier ist ein Kämpfer. Er gibt nicht auf. "Wir schaffen das — nächstes Jahr oder eben übernächstes."

(RP/ac)