Man spricht Deutsch

In den Kreisligen des Kreises Düsseldorf gilt ab dem ersten Spieltag für die Schiedsrichter eine strikte Anweisung: Wer in einer fremden Sprache meckert, sieht sofort die rote Karte.

Bernd Biermann, Chef der rund 170 Schiedsrichter im Fußballkreis Düsseldorf, ist ein Freund klarer Worte: "Wer den Schiedsrichter auf einer fremden Sprache anmeckert, fliegt vom Platz." Eine Anweisung, die der Kreisvorstand den Vereinen auch bereits mitgeteilt hat – und auch die Unparteiischen, die in den Kreisligen zum Einsatz kommen, wissen Bescheid.

Vielen Fußballfans sind einige Ereignisse der vergangenen Saison in Erinnerung geblieben, als es Ärger mit ausländischen Mannschaften gab, auch wenn die Zahl solcher Fälle im Kreis Düsseldorf im Vergleich zu anderen Gebieten im Fußballverband Niederrhein. "Es gab Szenen, wo dann teilweise sieben, acht Spieler vor dem Schiedsrichter standen und ihn in ihrer Heimatsprache wild beschimpften", erinnert sich Biermann, der das so nicht hinnehmen will: "In solchen Situationen sagen die Spieler dem Kollegen sicher nicht in ihrer Sprache, was er für ein netter Kerl ist. Viel mehr verstecken sie sich dahinter, dass ihnen ja nichts passieren kann, da der Schiedsrichter eventuelle Beleidigungen eh nicht verstehen kann." Und genau da setzt der Schritt der Verantwortlichen an: Solche Situationen werden konsequent mit roten Karten geahndet, man spricht Deutsch auf den Plätzen der Region.

Eventuellen Rassismus-Vorwürfen tritt Biermann ganz offen entgegen: "Das so etwas kommen wird, ist uns klar, aber das Argument zählt nicht. Wer sich sportlich fair verhält, hat nichts zu befürchten." Es gehe bei der neuen Anweisung auch nicht darum, zwei Spieler, die sich zum Beispiel in den Abwehrreihen in ihrer Sprache Kommandos zu rufen, zu bestrafen: "Das darf auch weiterhin passieren. Es geht einzig und alleine um die Kommunikation mit den Schiedsrichtern. Die wird auf Deutsch geführt."

Auf der Arbeitstagung der Vereine in der vergangenen Woche gab es überwiegend zustimmendes Kopfnicken, als Biermann die neue Anweisung vorstellte. Mit einer Flut an roten Karten rechnet beim Kreis Düsseldorf übrigens niemand. Denn von wenigen Ausnahmen abgesehen, verhalten sich Spieler aller Nationalitäten hier sportlich fair. Dass Emotionen hochkochen können, ist normal, schließlich geht es ums Gewinnen: "Aber das muss halt jederzeit im Rahmen bleiben, was wir mit unserer Anweisung erreichen wollen", so Biermann: "Wir warten ab, was passiert."

(wol)