Leichtathletik: Leichtathletik-Talent hat die Ruhe weg

Leichtathletik : Leichtathletik-Talent hat die Ruhe weg

Julia Holzmann ist in ihrer Alterklasse im Sprung ganz vorne dabei. Dabei besticht die 15-Jährige vor allem durch Nervenstärke.

Deutsche Meisterin im Mehrsprung in der Altersklasse W15 im Dezember, Bronze im Dreisprung bei der Deutschen U16-Meisterschaft im August, NRW-Meisterin im Dreisprung und Bronzemedaille im Weitsprung – für Julia Holzmann, Nachwuchshoffnung vom TV Ratingen, verlief das sportliche Jahr 2018 wie im Bilderbuch.

„Der Titel im Mehrsprung war natürlich der Höhepunkt“, sagt die frisch gekürte Meisterin rückblickend auf ein erfolgreiches Jahr. Mit einer Weite von 17,68 Metern sicherte sich die 15-Jährige Anfang Dezember den Meistertitel – und verpasste den Deutschen Rekord nur um knappe vier Zentimeter.

Dass das Mehrspringertalent ein erfolgreiches Jahr erleben sollte, deutete sich bereits im vergangenen Januar bei den Regiomeisterschaften in Düsseldorf an, als sie in der Leichtathletikhalle im Weitsprung Silber und bei ihrer ersten Teilnahme an einem Dreisprungwettbewerb überhaupt Gold gewann. Martina Theissen, langjährige Trainerin von Julia Holzmann, sah bereits früh ihr großes Potenzial: „Julia kam, sah und siegte. Ich kenne sie jetzt seit sieben, acht Jahren und schon damals konnte man sehen, dass viel in ihr steckt.“

Mit zwei Jahren ging es für Holzmann mit ihrer Mutter zum Mutter-Kind-Turnen. Seitdem kann die Zehntklässlerin nicht mehr ohne Sport. „Ich hab mich schon als Kind viel bewegt, und seit Ostern 2012 bin ich hier beim TV Ratingen. Ich bin einfach hingegangen und habe mitgemacht“, sagt Julia Holzmann selbstbewusst, die zunächst als Mehrkämpferin begann. Dabei kristallisierte sich schnell heraus, dass die Mehrspringerin ihre Stärken in den Beinen hat: „Laufen und Springen kann sie, werfen leider nicht so gut“, erklärt Theissen. Deswegen landete Holzmann beim Mehrsprung. „Julia verfügt über eine enorme Sprungkraft“, sagt Klaus Suhl, sportlicher Leiter der Leichtathletikabteilung des TV Ratingen.

Auch er hat die Entwicklung ganz genau mitbekommen. „Die Entwicklung von Julia ging insbesondere in diesem Jahr stetig bergauf“, sagt Suhl stolz. Dass sie bislang verletzungsfrei blieb, half ihrer stetigen Entwicklung zudem. Daher achtet der sportliche Leiter des TVR auch auf die perfekte Trainingsdosierung. „Wir müssen darauf achten, dass unsere Athleten nicht zu viel trainieren. Bei zu hoher Intensität können immer wieder kleine Verletzungen auftreten.“

In den Wochen vor anstehenden Wettbewerben wird die bereits hohe Trainingsintensität nochmal erhöht. Fünf Mal die Woche geht es für Holzmann zum Training. „Das Ganze ist natürlich schon zeitintensiv. Wir müssen unseren Urlaub nach den Trainingszeiten von Julia und ihrer Schwester Anna richten“, sagt Oliver Holzmann, Vater von Julia. „Aber wir machen das natürlich gerne. Wir finden das toll, was Julia und Anna leisten“, sagt der stolze Vater. Im Regelfall geht es nach der Schule direkt zum Training an den Stadionring. Für Hobbys hat die Deutsche Nachwuchsmeisterin im Mehrsprung kaum noch Zeit. „Mittlerweile mache ich nur noch Leichtathletik. Früher habe ich auch Cello gespielt, aber das geht nicht mehr“, sagt sie. Zeit für Freunde findet sie an wettbewerbsfreien Wochenenden, wenn sie mit anderen Athleten trainiert oder bei Veranstaltungen unterwegs ist. „Das Schöne ist, dass wir hier eine riesengroße Gemeinschaft haben“, erklärt Klaus Suhl.

In Zukunft möchte Holzmann auch bei den Erwachsenen für Furore sorgen. Für Martina Theissen gibt es keine Zweifel, dass sie auch dort Erfolge feiern kann: „Julia ist ein absolutes Wettkampfkind und ist an Wettkampftagen immer noch besser als im Training“, berichtet Theissen beeindruckt. „Manchen versagen die Nerven, Julia kauert nicht lange rum, wenn ein Sprung daneben geht. Dann macht sie den nächsten Sprung eben besser“, erzählt Suhl. An Wettkampftagen sind die Trainer und die Eltern oftmals nervöser als die Athletin selbst: „Ich bin immer sehr nervös, wenn Julia und Anna am Start sind. Julia hat aber immer die Ruhe weg“, sagt Oliver Holzmann imponiert. „Ich kann gut mit Druck umgehen“, erklärt sie selbst.

Für die Zukunft hat Ratingens Mehrspringerhoffnung ambitionierte Ziele: „Eine Teilnahme an einer EM oder WM wären cool. Generell das Nationaltrikot überzustreifen wäre schon eine Riesensache. Und irgendwann bei Olympia teilzunehmen wäre natürlich die Krönung.“ Bis dahin hat Julia Holzmann noch genug Zeit, in die Fußstapfen ihres Idols Carolin Schäfer zutreten, die im August Bronze im Siebenkampf bei der Europameisterschaft in Berlin gewann.

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