Lokalsport: Kazmirek ist das Mehrkampf-Zugpferd

Lokalsport : Kazmirek ist das Mehrkampf-Zugpferd

Der Olympia-Vierte wird beim 21. Mehrkampf-Meeting im Ratinger Stadion an den Start gehen.

Man setze einen Profi-Sportler vor einen Haufen Kinder und lasse diese Fragen stellen. Und was dabei herauskommt, ist eigentlich immer für viele Lacher gut. Kinder stellen Fragen, die sich Erwachsene meist nicht zu fragen trauen - oder erst gar nicht dran denken. Kai Kazmirek musste, konfrontiert mit den Nachwuchs-Leichtathleten des TV Ratingen, einige Male lauthals lachen. Bei der Frage, wie viele Sportschuhe er besitzt, zum Beispiel. 60 Paar sind es, überschlug der Triathlet schnell im Kopf - und ein Raunen ging durch den Saal. Was er am liebsten essen würde, so als Zehnkämpfer und Olympia-Vierter? Kazmirek räuspert sich kurz. "Rouladen", sagt er. Am liebsten mit Klößen." Neben ihm sitzt Christopher Hallmann, Trainer des Zehnkämpfers Arthur Abele. "Kannst du das auch vor einem Wettkampf essen?", sagt er lachend.

Kazmirek ist das Zugpferd für das 21. Ratinger Mehrkampf-Meeting, das am 24. und 25. Juni ausgetragen wird. Und diese Rolle erfüllt er hervorragend. Sein Gesicht prangt auf den stylischen Plakaten. "Das ist schon eine Ehre für mich, auf dem Plakat zu sein", betont der 26-Jährige. "Ratingen ist immer eines der Highlights für mich in der Saison."

In diesem Jahr geht es bei den beiden großen Mehrkampf-Meetings in Götzis und Ratingen um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft, die im August in London stattfindet. "Ratingen ist da ein großer Baustein in unserer Saison", sagt Kazmirek. "Ich will das Ding gewinnen." Tatsächlich war der Olympia-Vierte von Rio 2016 nie Erster am Stadionring. Danach soll dann die Krönung in London folgen: "Mein Ziel", sagt Kazmirek, "ist ein Platz unter den besten drei."

Die Konkurrenz um die drei Tickets für die WM wird allerdings nicht so groß wie üblich. Da Michael Schrader immer noch unter den Folgen seiner Verletzung leidet, sind Kazmirek, Abele und Rico Freimuth fast schon gesetzt. Allerdings hofft Trainer Hallmann auf seinen zweiten Schützling, Matthias Brugger, der bei der Hallen-WM in Portland immerhin Dritter wurde. Und Hallmann sagt: Arthur Abele war bislang bei vier Großereignissen dabei - und jedes Mal hat er sich erst in Ratingen qualifiziert. Götzis liegt ihm nicht so, also wird er hier seine Bestleistung bringen."

Kazmirek hat im Winter komplett auf Hallen-Starts verzichtet und sein Training, wie er sagt, "auf eine breitere Basis" gestellt. Fußball spielen gehörte genau so dazu wie Turnen - denn die Vielseitigkeit ist schließlich das, was einen Zehnkämpfer erst stark macht. Das Hauptaugenmerk legte Kazmirek auf den Stabhochsprung sowie den Diskuswurf. "Wir sind der Meinung, dass da das größte Potenzial ist." Mit "wir" meint Kazmirek übrigens sein Team, zu dem sein Trainer, ein Physiotherapeut und ein Psychologe gehören. Nur auf eine Frage war er nicht vorbereitet: die nach Autogrammkarten. "Ich habe leider keine dabei", sagte Kazmirek den Kindern. "Aber", fuhr er mit einem Zwinkern fort, "ich komme ja bald wieder."

(RP)
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