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Katharina Jacob ist die Nummer eins der Tennis-Damen 35 in Deutschland

Tennis : Breitscheiderin an der deutschen Spitze

Katharina Jacob führt die Rangliste der Tennis-Damen 35 an. Die Spielerin des TC Rheinstadion ist dafür, die Saison dieses Jahr auszusetzen. Sie nimmt die Coronavirus-Pandemie ernst – auch wegen ihres in Wegberg wohnenden Vaters.

Ihrem eigentlichen Job als Tennistrainerin kann Katharina Jacob aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht nachgehen, zu tun hat sie aber genug: „Ich bin unter die Platzwarte gegangen“, sagt die Spielerin des TC Rheinstadion gut gelaunt und zählt auf: „Unkraut jäten, Rasen mähen, Plätze abziehen – den Zaun haben wir auch abgeflext und Grundierung aufgetragen, um ihn danach wieder lackieren zu können. Wenn es weitergeht, haben die Mitglieder es schön.“ Gemeint ist die Anlage des TC Selbeck, dem sich Jacob vor rund einem Jahr als Trainerin und Sportwartin angeschlossen hat. Von ihrem Wohnort Breitscheid ist sie schnell in Mülheim, auch der Weg zum TC Rheinstadion, mit dessen Damen sie seit April 2018 in der Niederrheinliga spielt, ist nicht weit.

Die Corona-Krise hat Jacob also noch nicht die Laune verhagelt, die vor wenigen Tagen ohnehin noch einmal besser wurde: Die 35-Jährige ist aktuell die Nummer eins der Damen 35 in Deutschland. „Ich hatte das gar nicht mitbekommen als die Rangliste rauskam. Mein Mixed-Partner Jens Janssen aus Krefeld hat mich darauf aufmerksam gemacht“, sagt Jacob. „Natürlich fühlt sich das brutal gut an, vor allem nach den Rückschlägen, die ich hatte. Aber es sind auch nur 16 Punkte vor Steffi Bachofer – das ist ein Wimpernschlag, gefühlt sind wir beide die Nummer eins.“ Witziger Nebenaspekt: „Steffi und ich kennen uns schon ewig, haben aber noch nie gegeneinander gespielt. Vielleicht ist es ja demnächst auf einer Meisterschaft mal soweit – gerne möglichst spät“, sagt Jacob schmunzelnd.

Die erwähnten Rückschläge vor ihrem Sprung an die Spitze waren einmal die recht unschöne Trennung von ihrem langjährigen Verein Solinger TC im März 2018, vor allem aber die Horrorverletzung am 12. Juni 2019 im Finale in Pörtschach am Wörthersee: Jacob knickte um, riss sich alle Bänder im Fuß, zog sich Knochenödeme zu und musste unter Narkose vom Platz ins Krankenhaus gebracht werden. „Das war die schlimmste Verletzung, die ich je hatte“, sagt sie. Dadurch verpasste sie auch die Weltmeisterschaft in Miami im Oktober.

Das Jahr 2020 fing dann aber gut an, Jacob gewann bei ihrem Comeback die Winter-EM in Seefeld sowie Turniere in Essen und Bergisch-Gladbach, die letztlich die Punkte für den Sprung an die Spitze der Rangliste brachten – endlich. „2017 wäre es eigentlich schon so weit gewesen, als ich alle Titel bei den Deutschen Meisterschaften gewonnen habe – dann kam leider Andrea Petkovic in die Wertung der Damen 30 mit rein, und die Punkte, die sie als Profi auf der WTA-Tour holt, kannst du in Deutschland nicht holen“, erklärt Jacob, die hofft, in diesem September bei der Einzel-WM in Kroatien starten zu können, so sie denn stattfinden kann.

Wichtig ist ihr jedoch: „Es geht derzeit nicht um uns Tennisspieler – das ist ein Luxussport. Klar fängt es wieder an zu jucken, aber es geht jetzt um die Gesundheit aller. Wenn ich ein Kind bei mir im Training hätte, das sich bei mir ansteckt, weil ich nicht weiß, dass ich das Virus habe, und das steckt dann seine Oma an und die stirbt – puh! Das kann doch keiner verantworten.“ Jacob macht sich darüber Gedanken: Immerhin wurde ihr Vater vor wenigen Tagen 75 und wohnt in Wegberg, also im besonders vom Virus betroffenen Kreis Heinsberg. „Zum Geburtstag war ich zum Kaffeetrinken da mit dem gebotenen Abstand. Aber vor allem in den ersten zwei Wochen habe ich gezittert und jeden Tag angerufen, ob alles in Ordnung ist.“

Weil sie die Pandemie so ernst nimmt, ist Jacob auch dafür, die Medenspiele in diesem Jahr nicht auszutragen. „Die Bundesliga hat auch abgesagt, und ich glaube, das Hauptproblem ist nicht die Ansteckung auf dem Platz, sondern drumherum mit Mannschaften, Betreuern und Fans auf einer Anlage. Da muss man vielleicht jetzt einmal sagen: Die Saisons fallen Corona zum Opfer, Punkt. Sonst hätten wir nach den Sommerferien noch fünf Spiele bis Mitte September – das ist mit Turnieren, wo es um Ranglistenpunkte geht, nicht zu vereinbaren“, sagt Jacob. Dass es für sie als Tennistrainerin auch finanziell eng werden kann, wenn die Sportstätten weiter geschlossen bleiben müssen, ist klar, aber Jacob findet: „Dann gehe ich eben Regale auffüllen.“ Vorausgesetzt, die Arbeiten am Tennisplatz sind fertig.