Ironman Hawaii 2019: Sven Wies wird Fünfter seiner Altersklasse

Triathlon : Sven Wies gehört zur Ironman-Elite

Der Ratinger ist nun einer der 50 besten Triathleten der Welt. Bis der 32-Jährige das realisiert hatte, dauerte es nach seinem Zieleinlauf bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii ein paar Tage. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, ich bekomme immer noch Gänsehaut“, sagt der 32-Jährige. Nun steht erst einmal Erholung an.

Als die fast neun Stunden Strapazen vorbei waren, gönnte sich Sven Wies erstmal „drei, vier Bier mit den Unterstützern, der Familie und den anderen Finishern“ des Ironman 2019 auf Hawaii. Weil öffentlicher Alkoholkonsum in den USA verboten ist, waren die Bierflaschen in Papiertüten eingewickelt. „Wir haben draußen gesessen, weil hier alles um 22 Uhr zumacht. Wir sind noch kurz essen gegangen, aber ich habe auch nur noch eine Pommes runtergekriegt“, sagt Wies.

Verdient hatte er sich all das in jedem Fall: In 8:55:26 Stunden hatte er die Weltmeisterschaft der Triathleten beendet und war als Fünfter seiner Altersklasse 30 bis 34 Jahre ins Ziel gekommen. Damit verbesserte er seine Zeit um rund fünf Minuten, und das bei seinem erst zweiten Start auf dieser Langdistanz nach der Premiere in Barcelona, wo er sich für Hawaii qualifiziert hatte. „Die zweite Langdistanz soll schwieriger sein, weil man da weniger Adrenalin als bei der ersten hat“, sagt Wies und ergänzt lachend über den härtesten Triathlon der Welt: „Ich hatte mir für meine zweite Langdistanz aber etwas ganz Besonderes ausgesucht. Da war das mit dem Adrenalin kein Problem.“

Was er am vergangenen Samstag (Ortszeit) geleistet hat, ist dem Geschäftsstellenleiter des Handball-Regionaligisten SG Ratingen eigentlich erst am Montag klargeworden. „Der letzte Zieleinlauf war am Samstag um 0.30 Uhr, darum gibt es da immer nur die Siegerehrung für die ersten drei Profis. Am Tag danach folgt dann das Bankett, wo alle geehrt werden. Die ersten Fünf jeder Altersklasse kriegen die ,Salatschüssel’ – so nennen wir die Umeke. Deswegen war es für mich auch wichtig, dass ich es unter die ersten Fünf geschafft habe“, sagt Wies. Als es dann am Montag von Kailua-Kona weiter nach Hilo ging, wo nun eine Woche Entspannung mit der Familie ansteht, erst da realisierte der 32-Jährige seine Leistung. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich wollte unter die ersten Zehn meiner Altersklasse kommen, das war schon ein ambitioniertes Ziel. Dass ich jetzt 13. aller Altersklassen-Athleten und zehntbester Deutscher geworden bin – da kriege ich immer noch Gänsehaut.“

Als Altersklassen-Fünfter gab es eine Umeke als Trophäe. Foto: Katharina Wies

Dabei waren die Bedingungen beim Ironman alles andere als einfach. „Tags zuvor hatte es geregnet und als das am Morgen alles verdunstet ist, war die Luftfeuchtigkeit bei annähernd hundert Prozent. Auf dem Rad war ich nach wenigen Kilometern wieder so nass wie in dem Moment, als ich aus dem Pazifik gekommen bin“, beschreibt Wies. „Ich habe von vielen gehört, dass die Bedingungen schwer waren, aber ich habe ja keine Vergleichswerte“, ergänzt er. Wies steuerte jede Verpflegungsstation auf dem Weg an, versorgte sich mit Eiswürfeln und Kaltgetränken. „Das kostet zwar Zeit, aber wenn man es nicht macht, rächt sich das“, erklärt der Triathlet.

Ohana heißt Familie auf hawaiianisch: Katharina und Sven Wies. Foto: Katharina Wies

Muskelkater hat er trotz der Strapazen kaum, doch von der Sportkleidung hat er Probleme mit dem Nacken und den Achseln: „Da ist alles aufgescheuert, richtig offen. Ich laufe im Moment wie ein Roboter“, sagt Wies schmunzelnd. An den Zieleinlauf hat er nur Erinnerungen an die letzten Meter. „Davor habe ich noch versucht, den Altersklassen-Vierten einzuholen. Erst, als klar war, dass ich das nicht mehr schaffe, konnte ich die letzten paar Meter genießen.“ Sonntags ging es dann zum Bankett, für die Familie mussten Karten für 55 Dollar das Stück gekauft werden. In zwei Clubs stieg danach die große Party, an der auch die Profis wie der nun dreifache Hawaii-Sieger Jan Frodeno teilnahmen. „Das gibt es im Fußball wohl auch nicht, dass man nachher als Amateur mit einem Profi an der Theke ein Bier trinken kann“, sagt Wies, der nun ein Foto mit Frodeno hat und darauf übrigens die Kleidung seines Ex-Klubs trägt: des Wasserball-Bundesligisten Duisburger SV. Der Weg mit all den Strapazen von dort bis zum Ironman hat sich für ihn „auf jeden Fall voll gelohnt“, sagt Wies. Nun stehen noch zwei Wochen Entspannung und Aktivurlaub an. „Wenn man einmal um die Welt fliegt, will man auch was sehen“, sagt Wies, der nun einer der 50 besten Triathleten eben jener Welt ist.