Handball: "In fünf Jahren wollen wir unter die ersten Fünf"

Handball: "In fünf Jahren wollen wir unter die ersten Fünf"

Der Spieler-Vorsitzende der SG Ratingen über Saisonziele, Fünfjahrespläne und die Vorteile einer Doppelfunktion.

Der Kader der SG Ratingen ist nach der Verpflichtung von Mike Schulz nun komplett. Sind Sie zufrieden?

Bastian Schlierkamp Definitiv. Vor allem mit Mike haben wir noch einen richtig guten Spieler dazubekommen. Vor zwei Jahren war er noch Bundesliga-Stammspieler, er hatte zuletzt ein Zweitspielrecht für die Dritte Liga, da war er bester Mann auf dem Feld. Vergangene Saison war er oft verletzt und konnte sich nicht auszeichnen. Das war unser Glück, sonst hätten wir ihn nicht bekommen. Und natürlich deshalb, weil wir den jungen Spielern auch eine berufliche Perspektive mit Aus- und Weiterbildung anbieten können.

Ist der Kader stark genug für den Klassenverbleib?

Schlierkamp Wenn nicht, hätten wir das Abenteuer gar nicht gewagt. Wir haben genau durchgesprochen, ob wir aufsteigen wollen. Aber gerade angesichts der letzten Verpflichtungen bin ich optimistisch.

Bei den Aufstiegsspielen war die Halle an der Gothaer Straße ausverkauft. Rechnen Sie auch im kommenden Jahr mit einer vollen Hütte? Das würde sicherlich helfen.

Schlierkamp Das wird schwer, fast unmöglich. Das Aufstiegsspiel war an einem Freitag, an diesem Tag spielen wir in der Saison leider nicht einmal.

Mit wie vielen Zuschauern planen Sie denn?

Schlierkamp Intern haben wir uns einen Schnitt von 399 Zuschauern plus X auferlegt. Dafür müssen wir was tun, dafür müssen wir Euphorie in der Stadt und bei handball-interessierten Ratingern erzeugen.

Wenn Sie über Euphorie reden: Ist es da nicht kontraproduktiv, dass sie da über die SG immer als "Projekt" reden? Das klingt so sachlich.

Schlierkamp Die Frage ist gut, das muss ich zugeben. Wir nennen es "Projekt", weil wir unseren Weg im Sinne von Projektmanagement planen. Natürlich sind wir sehr marketinglastig, das ist uns klar. Uns ist auch bewusst, dass unsere einzige Tradition in der Stadt auf dem Turnerbund Ratingen, der sich damals mit dem interaktiv e.V. zusammenschloss, basiert. Das ist aber das Los von Spielgemeinschaften - es ist allerdings unausweichlich, wenn man etwas Erfolgreiches aufbauen will.

Kann man vier Aufstiege in vier Jahren ernsthaft planen?

Schlierkamp Nicht wirklich. Wir hatten damals als mittelfristiges Ziel die Dritte Liga ausgegeben. Irgendwann einmal, also. Dass es so schnell erreicht wird, hätten wir nicht gedacht. Jetzt müssen wir nachlegen.

In welchen Bereichen?

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Schlierkamp Unser Anspruch ist, dass unser Umfeld immer eine Klasse professioneller arbeitet als die Liga, in der wir spielen. Wir sind jetzt also sportlich drittklassig, wollen aber vom Umfeld zweitligatauglich sein. Da müssen wir investieren. Zum Glück gibt es jetzt Sponsoren im Umfeld des Vereins, die Geld ausgeben und uns helfen wollen. Das ist in der Dritten Liga ja auch einfacher.

Wie ist Ihr Weg für die kommenden Jahre geplant?

Schlierkamp Wir haben einen Fünfjahresplan aufgestellt. Der besagt, dass wir in der ersten Saison den Klassenverbleib schaffen wollen. Danach wollen wir uns mit jungen Spielern, möglichst sogar aus der eigenen Jugend, jährlich um zwei Plätze verbessern. Am Ende des Plans wollen wir Fünfter werden, das ist eine große Aufgabe. Dafür bräuchte man 100 000 Euro pro Spielzeit mehr, als wir jetzt ausgeben.

Sie sind Spieler und Manager in Personalunion. Ist das in der Dritten Liga noch zeitgemäß?

Schlierkamp Das funktioniert gut, dadurch bin ich ja auch näher dran. Zumal wir immer noch eine Freundesgemeinschaft sind: Abgesehen von den Neuen sind wir alle Freunde oder Studienkollegen.

Trotzdem wird es irgendwann so kommen, dass Sie einem Ihrer Freunde sagen müssen, dass er keinen neuen Vertrag bekommt.

Schlierkamp Moment! Bislang wurde bei uns kein einziger Vertrag nicht verlängert. Alle älteren Spieler haben bei uns ihre Karriere beendet. Wenn wir diese Leute einladen, kommen sie immer noch gern. Selbst Spieler, die leistungsmäßig rausfallen, trainieren immer noch bei uns mit und kommen zu den Spielen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Mir ist klar, dass sich das verliert, je leistungsorientierter wir arbeiten.

Vielleicht "erledigt" sich die Doppelfunktion ja von selbst: Wie geht es Ihrem Knie? Sie sind ja aktuell das einzige Fragezeichen im Kader.

Schlierkamp Ich muss wohl operiert werden. Noch habe ich drei Wochen Schonfrist, dann entscheidet sich das. Sollte ich ausfallen, müssten wir im Rückraum noch etwas tun.

Gibt der Etat eine weitere Verpflichtung her?

Schlierkamp Nein. Wenn noch einer käme, wäre es ein Spieler, den wir kennen, der uns per Freundschaftsdienst weiterhelfen würde. So wie es in der Vergangenheit auch immer der Fall war. Wir sind zwar Drittligist - aber am Ende steht und fällt bei uns alles mit Leuten, denen der Verein am Herzen liegt. Auch ohne großes Geld.

ANDRÉ SCHAHIDI FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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