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In der Regionalliga verliert die SG Ratingen gegen den HC Weiden 34:35

Handball : SG Ratingen nähert sich der Abstiegszone

Das 34:35 gegen den HC Weiden ist die dritte Niederlage des Handball-Regionalligisten in Folge und die achte in der Saison, an deren Ende die SG Ratingen aufsteigen wollte. Daraus wird nichts mehr, die Blicke müssen eher nach unten gehen.

Als erste Mannschaft der Handball-Regionalliga hat die SG Ratingen die Marke von 500 Saisontoren geknackt, am 17. Spieltag im Heimspiel gegen den HC Weiden war es in der 33. Minute soweit, Lukas Plaumann warf das 20:17 und damit den 500. SG-Treffer. Das Torverhältnis ist auch nach dieser Partie deutlich positiv mit plus 22 – doch das spiegelt so gar nicht den Tabellenplatz: Die Ratinger sind Zehnter, stehen nur noch fünf Punkte vor den Abstiegsplätzen, das Saisonziel Aufstieg muss jetzt schon als deutlich verfehlt bezeichnet werden. Sechs der letzten sieben Mannschaften der Liga haben ein negatives Torverhältnis, die SG wirkt mitten darin wie ein Exot. Es ist aktuell die schlechteste Phase der Saison, die letzten vier Spiele wurden nicht gewonnen, die Partie gegen Weiden ging nach langer Führung auch 34:35 (16:15) verloren.

Die Partie kippte ab der 51. Minute. Filip Lazarov hatte gerade das 30:27 geworfen, doch danach lief nichts mehr, fünf Minuten blieben die Ratinger ohne Treffer, Weiden drehte den Rückstand in einen 32:30-Vorsprung (56.). Dazwischen verlor Kreisläufer Christian Mergner – mit acht Treffern am Ende bester SG-Werfer – den Ball, Lazarov scheiterte mit einem Leger vom Siebenmeter-Strich, Plaumann, der zunächst viel frischen Wind gebracht hatte, leistete sich Fehlwurf und Fehlpass. Nach der Roten Karte gegen Weidens Timo Wolff, der Rechtsaußen Etienne Mensger im Sprung erwischt hatte, kamen die Ratinger zwar noch zum Ausgleich, dann kassierte aber auch Lazarov eine Rote Karte, weil er gegen den freien Kreisläufer Benedikt Beckers noch reingelangt hatte.

Nach Siebenmetertoren von Weidens mit elf Treffern überragendem Werfer Simon Bock und Alexander Oelze ging es mit einem 34:34 in die letzten anderthalb Minuten. Die SG war durch Lazarovs Disqualifikation in Unterzahl, dann gab es wegen Trikotziehens von Plaumann noch eine Zeitstrafe und Siebenmeter, den Nils Thorben Schmidt im Ratinger Tor gegen Bock hielt. Da waren noch rund 40 Sekunden zu spielen, die SG hatte zwar den Ball, aber zwei Spieler weniger, Trainer Ace Jonovski nahm Torhüter Schmidt vom Feld und brachte für ihn Sam Schäfer, um den Sieg mit fünf Spielern noch zu erzwingen. Weiden stoppte den Angriff, Oelze spielte den Ball auf Mergner, der den Freiwurf kurz hinter der Mittellinie ausführen sollte, Stefan Kuck sprang dazwischen, sicherte sich den Ball und lief damit aufs leere Tor – 35:34, der Nackenschlag für die SG und die dritte Niederlage in Folge.

Jonovski war fassungslos. „Wir haben komplett ohne Kopf gespielt und machen in der zweiten Halbzeit viel zu viele dumme Fehler – im Angriff und in der Abwehr. 35 Gegentore zu Hause – das ist peinlich“, sagte der Trainer. Sein erster Ansprechpartner für die Defensive ist qua Amt Abwehrchef Thomas Bahn, der zugab: „Wir haben zu viele einfache Tore gekriegt. Wir stehen eigentlich gut, aber dann beim letzten, entscheidenden Pass schlafen wir.“ Dass Simon Bock ein ums andere Mal nahezu unbedrängt von acht Metern aufs Tor werfen konnte, erklärte Bahn so: „Ich hatte schon zweimal zwei Minuten, und die Schiedsrichter haben mir gesagt, dass ich weg bin, wenn ich noch einen anpacke. Nichtsdestotrotz müssen wir besser verteidigen.“

Die Gegentreffer verdeutlichen die Abwehrprobleme, die desaströse Zahl zum Angriffsspiel lautet 29: 19 Fehlwürfe – allein sieben vom besten Werfer der Liga, Oelze – und je fünf Fehlpässe und technische Fehler – da helfen auch 34 geworfene Tore nicht. „Ja, es ist die schlechteste Phase der Saison“, sagte Jonovski und Bahn fand: „Im Moment fehlt Selbstvertrauen.“ Beides sind Erkenntnisse, die so gar nicht zu einem Verein passen, der den Aufstieg in die Dritte Liga als Ziel ausgegeben hat. Sie passen indes zum aktuellen Tabellenplatz der SG, der mehr und mehr die Kräfte auszugehen scheinen. Das ist dramatisch angesichts von noch neun ausstehenden Spielen in dieser Saison. Die Ratinger haben jetzt zwei Wochen Pause – ob das dem kleinen Kader reicht, um die Akkus aufzuladen, ist fraglich.