Lokalsport: Ice Aliens stehen vor einem großen Umbruch

Lokalsport: Ice Aliens stehen vor einem großen Umbruch

Der Eishockey-Regionalligist muss den Vorstand neu strukturieren, einen neuen Trainer sowie neue Spieler suchen.

Die Saison der Ice Aliens ist früher vorbei als erhofft. Nach zwei Niederlagen am vergangenen Wochenende gegen die EG Diez-Limburg stehen die "Rockets" im Finale der Eishockey-Regionalliga. Das Ausscheiden war unglücklich, teilweise jedoch hausgemacht. Die Aliens-Verantwortlichen erwartet ein heißer Sommer mit viel Arbeit - eine Analyse in vier Punkten:

Team Der Mannschaft steht ein größerer Umbruch bevor. Einen Vertrag für die kommende Spielzeit hat aktuell nur der starke Torhüter Christoph Oster, zwei Abgänge stehen sicher fest. Benjamin Hanke, in der abgelaufenen Saison einer der stärksten Spieler, zieht nach Hamburg, während Thomas Dreischer auf Weltreise gehen wird. Ältere Spieler wie Milan Vanek und Dennis Kohl nähern sich dem Karriereende.

Mit einigen der verbleibenden Spielern soll gesprochen werden. Klar ist jedoch, dass die Aliens die Mischung in der Mannschaft verändern müssen. "Wir haben zu viele Spieler, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt", sagt Schatzmeister Rainer Merkelbach. Namen nennt er keine, doch dass durchaus gut bezahlte Akteure wie Florian Pompino, Lorenzo Maas, Dreischer oder Dominik Scharfenort teils deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, ist auch von außen unübersehbar. Merkelbach betont, dass die Mannschaft in der kommenden Saison verjüngt werden müsse. "Der Umbruch wird größer ausfallen als in den vergangenen Jahren. Einige Spieler werden sich auch mit weniger Gehalt zufriedengeben müssen."

Trainer Das Experiment, Jugendtrainer Achim Johnigk während der Saison zum Verantwortlichen für die Erste Mannschaft zu machen, ist gescheitert. Der 50-Jährige hat innerhalb der Mannschaft keinerlei Rückhalt mehr, im Gegenteil: Sollte er bleiben, würde das Gros der Spieler die Aliens verlassen.

Hinter kaum vorgehaltener Hand wird ihm vorgeworfen, keinen ausreichenden Match- und Taktikplan zu haben. So ist aus Spielerkreisen zu hören, dass Taktikbesprechnungen regelmäßig einzig aus dem Satz "Ihr wisst ja, wie man Eishockey spielt" bestanden haben sollen, dass Spieler sich teilweise selbst ein- und auswechseln mussten - und teilweise gar Pausenansprachen hielten. Bei den Gastspielen in Diez war es Verteidiger Christian Müller, der sich mit einem flammenden Appell an seinen Mitspieler richtete.

Zudem hatte sich der Trainer regelmäßig vercoacht, zuletzt im vierten Spiel am Sonntag gegen Diez: Nachdem Johnigk in den Spielen zuvor die dritte Reihe fast gar nicht brachte, spielte er plötzlich konsequent mit drei Reihen durch. Diez aber ließ im Schlussdrittel fast nur noch die bärenstarke erste Linie spielen. Das sollte sich rächen. Obwohl sich Verteidiger Lucas Becker aus der dritten Reihe kurz vor dem Ende eine unnötige Strafzeit leistete, schickte ihn Johnigk direkt danach wieder aufs Eis, statt erfahrene Kräfte zu bringen. Becker kassierte prompt die nächsten dummen zwei Minuten, die Aliens verloren das Spiel in Unterzahl.

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Die Liste ähnlicher Beispiele ist lang. Das ist auch dem Rest-Vorstand bekannt, weswegen hinter den Kulissen bereits ein neuer Coach gesucht wird. Drei Kandidaten soll es geben, wichtig ist den Aliens dabei vor allem die Disziplin - die hatte zuletzt doch arg gelitten.

Vereinsführung Rainer Merkelbach ist nicht zu beneiden. Seit dem Rücktritt von Kay Adam managt der ehemalige Schatzmeister den Verein quasi allein. Die meisten Personen, die vor der Saison und auch währenddessen ihre Unterstützung zugesagt haben, sind weitgehend abgetaucht. Hier besteht eine große Baustelle des Vereins. Adäquat besetzen muss der Klub den Posten des 1. Vorsitzenden, der seit Adams Ausscheiden vakant ist. Außerdem muss ein Obmann für den sportlichen Bereich her. Wilfried Tursch sollte diesen Posten ausfüllen, war zwischenzeitlich jedoch selten da und soll auch nicht in Sachen Management glänzen.

Christian Müller, der in dieser Saison als Verteidiger eingesprungen ist und den Eishockey-Shop am Stadion führt, wäre ein Kandidat - in dieser Woche soll es Gespräche mit dem Vorstand geben, wie man den 34-Jährigen einbinden kann. Falls es gelingen würde, den Verein auf breitere Schultern zu stellen, könnte sich auch Kay Adam ein Comeback vorstellen - ihm graut es angesichts seines vollen Terminkalenders nur vor der Aussicht, gemeinsam mit Merkelbach wieder "Mädchen für alles" spielen zu müssen.

Finanzen Die Play-offs haben den Ice Aliens finanziell mal wieder die Saison gerettet, auch wenn die Zahlen bei weitem nicht so gut waren wie in der vergangenen Saison. "Letzte Saison waren im Schnitt 400 Zuschauer mehr pro Play-off-Spiel da, dafür hatten wir diese Saison in der Hauptrunde mehr Zuschauer", sagt Merkelbach. "Wir werden diese Spielzeit mit einem blauen Auge davon kommen", betont der Zahlenexperte.

Für die kommende Saison muss sich aber was ändern. "Wir können die Play-offs ja nicht immer fest einkalkulieren, vor allem nicht in dem Umfang", sagt Merkelbach. Mehr Sponsoren müssen her. Doch Bernd Teege, der zuletzt mit harter Arbeit vor allem die Mittelständler rangeschafft hat, möchte aufhören - in diese Lücke müsste ein neuer Vorstand dringend stoßen.

(RP)
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