Helmut Brücken spielte auch für Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiß Lintorf

Porträt : Drei Vereine in einer Brust vereint

Am heutigen Dienstag feiert der frühere Stürmer von Bayer 04 Leverkusen, Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiß Lintorf nicht nur Silvester, sondern auch seinen 75. Geburtstag. In seiner Stammkneipe wird unter den Gästen dann auch Werner Uferkamp sein, der Helmut Brücken Anfang der 70er zu RWL lotste – wofür der Vertragsspieler erst re-amateurisiert werden musste.

Lang, lang ist’s her, aber für den Lintorfer Helmut Brücken ist das Jahr 1961 in seinem Gedächtnis allgegenwärtig. Damals spielte er als junger Steppke an der Seite der späteren Welt- und Europameister (1974 und 1972) Günter Netzer und Jupp Heynckes in der Westdeutschen Fußball-Jugend-Auswahl. Trainer war damals Dettmar Cramer, der später Bayern München zum ersten Europa-Pokal-Triumph führte, Assistent von Bundestrainer Helmut Schön unter anderem bei der Weltmeisterschaft 1966 und generell Weltenbummler im Fußball in aller Herren Länder war. „So ein Ereignis vergisst man nie“, schwärmt Brücken von diesem Highlight.

Am heutigen Dienstag vollendet der seit 1972 in Lintorf lebende ehemalige Generalagent der Victoria Versicherung sein 75. Lebensjahr. „Ich werde mit alten Weggefährten im Fußball und neuen guten Freunden in meiner Stammkneipe Alter Bahnhof meinen Ehrentag und gleichzeitig Silvester feiern“, sagt Brücken.

Eingeladen hat der Ur-Lintorfer auch Werner Uferkamp. Der 82-Jährige holte den Vollblut-Fußballer 1974 nach Lintorf als Spielertrainer zu Rot-Weiß in die Bezirksliga. Vorher war Brücken erfolgreicher Vertragsspieler bei Fortuna Düsseldorf und Bayer 04 Leverkusen in der damaligen Regionalliga West, der zweithöchsten deutschen Spielklasse, gewesen. Brücken war sogar Kapitän beim Regionalliga-Meister Bayer 04. In der Saison 1967/1968 scheiterte Leverkusen nur ganz knapp am Aufstieg in die Bundesliga gegenüber Kickers Offenbach (siehe Info-Kasten). „Helmut war damals ein überragender Spieler. Ich musste nach Frankfurt zum Deutschen Fußball-Bund fahren, um ihn zum Amateur erklären zu lassen“, erinnert sich Uferkamp, Mister RWL, an seinen damaligen Coup. Zwölf Jahre war der ehemalige Vertragsspieler Brücken danach in Lintorf erst als Spielertrainer und dann als Cheftrainer tätig.

In Ratingen ist Helmut Brücken bekannt wie ein bunter Hund. Der gesellige heutige Rentner ist seit 43 Jahren Mitglied des Schützenvereins Prinz-Eugen-Corps (dreimal war er Kompanie-König). Viele Jahre schwang er als Tennisspieler das Rackett. Als das Alter und die Gesundheit das Tennisspielen nicht mehr möglich machten, entdeckte er als neues Hobby den Boule-Sport. An der Boule-Anlage am Lintorfer Beekerhof wirft er die Metall-Kugel, wenn es die Zeit und die Gesundheit zulassen.

Seine Fußball-Karriere begann Brücken 1952 beim DSC 99 Düsseldorf in der D-Jugend. Er hatte viel Talent, ihm gelang schnell der Sprung in die Düsseldorfer Stadtauswahl, später flatterten Einladungen für die Niederrhein- und West-Auswahl ins Haus. Der Flügelstürmer wurde sogar einmal in die deutsche Jugend-Nationalmannschaft eingeladen. Für den späteren Weltstar Jupp Heynckes wurde Brücken damals eingewechselt.

Die Vereine wurden auf den Landesliga-Spieler vom DSC 99 aufmerksam. Vor allem Bayer Leverkusen wollte Brücken verpflichten und hatte Erfolg: Er wechselte unters Bayer-Kreuz zur Saison 1963/1964 in die Oberliga West. Dort spielte Brücken mit großem Erfolg und erreichte mit Bayer die Bundesliga Aufstiegsrunde, aber der Traum von der Bundesliga scheiterte wie erwähnt an Offenbach.

In der Spielzeit 1968/1969 folgte Brücken dem Ruf von Fortuna Düsseldorf, wo er unter anderem mit Nationaltorhüter Wolfgang Fahrian sowie Egon Köhne, Fred Hesse, Timo Kriegler und dem gerade verstorbenen Lothar Weschke spielte. Bei der Fortuna war er zwei Jahre lang absoluter Leistungsträger. Brücken löste in der Saison 1969/70 seinen Vertrag bei der Fortuna auf und kehrte nach Leverkusen zurück.

Am 1. Mai 1971 bekam die Karriere einen Knick. Er zog sich einen Schien- und Wadenbeinbruch im Punktspiel bei Preußen Münster zu. Der Vertrag bei Bayer endete nach der Saison 1972/73. Danach wurde er re-amateurisiert und wechselte nach Lintorf. Helmut Brücken trägt bis heute drei Vereine in seiner Brust: Fortuna, Bayer 04 und Rot-Weiß Lintorf. Fußball ist und bleibt ein großer Bestandteil im Leben des Helmut Brücken – auch und vor allem an seinem heutigen Ehrentag.