Handball Hattig stellt sich hinten an

Der 32-jährige Torjäger des TV Ratingen muss dem Beruf den Vortritt lassen. Daher stellt er keine Ansprücheauf einen Stammplatz, sondern vertraut den Nachwuchskräften. Morgen geht es zum starken Aufsteiger Wülfrath.

Letzten Samstag, beim Heimspiel gegen Kapellen, da traf Daniel Hattig erst kurz vor dem Anpfiff in der Europaringhalle ein. Sein Beruf in der Schuh-Branche hat längst Vortritt. Der Handball muss einfach hinten anstehen. Dennoch unternahm die Führung des TV Ratingen in dieser Sommerpause alles, um den knapp zwei Meter großen Rückraum-Shooter zum Weiterspielen zu bewegen. Dessen Zeitzwänge und die vielen Wehwehchen, die ihn längst plagen, all dies konnte kein Grund sein, künftig auf ihn und seine fest eingeplanten Tore zu verzichten.

Hattig wurde gegen Kapellen dann auch relativ spät, beim 20:19 in der 42. Minute, gebracht. Und dann traf er, wie man es kennt. "Es ist doch klar, dass ich keine Ansprüche stellen kann, gleich in der ersten Sechs zu spielen", sagt der 1,95 Meter große Hüne. Er war immer bescheiden, von Jugend an. Trommeln, das überlässt er lieber anderen. So wie er treten Handballer auf, die genau wissen, was sie können. "Wir haben doch viele gute Spieler, die sich im Rückraum behaupten können. Wie Phillip Jochems, der immer weitere Fortschritte macht. Sie müssen spielen, sich dadurch weiter entwickeln. Ich werde da nie im Wege stehen. Es ist einfach klasse, wie Manni Brunke immer auf unsere Jugend setzt. Obwohl es in mir brennt. Aber die Vernunft sagt mir einfach, der Jugend den Vortritt zu lassen."

Morgen Abend geht es zum Oberliga-Aufsteiger TB Wülfrath. Der hat wie Ratingen auch ein ausgeglichenes Punktekonto. Dem Auftakt-Heimsieg über Dülken folgte zuletzt eine klare Niederlage in Mettmann vor 750 Zuschauern, darunter viele aus Wülfrath. So wird es auch morgen Abend in der benachbarten Fliethe an der Fortunastraße sein, die aus Ratingen so leicht und schnell zu erreichen ist. Über Homberg, wenig später links abbiegen und man ist angekommen. Die kleine Halle dort, wo immer der Teufel los ist, sie könnte ausverkauft sein.

Es sind einige Akteure beim TB, die man hier bestens kennt. So Torwart Stefan Graedtke, der einst in Angermund spielte. Er muss sich aber erst einmal behaupten, denn aus Remscheid wurde der 24 Jahre alte Klasse-Keeper Nijaz Boskailo geholt. Ein guter Freund übrigens von Phillip Hattig, der Remscheid ebenfalls verließ und zum TV zurück kehrte. Zwischen den beiden wird es zünden! Mit Bodo Leckelt, dem Ex-Angermunder Bastian Kraus, und Gordon Amuser, der früher für den TV spielte, haben die Gastgeber aus der Nachbarstadt weitere Hochkaräter dabei.

Daniel Hattigs Einschätzung: "Es wird eng. Wülfrath spielt einen schnellen Handball. Die warten nicht nur mit einer 6/0-Deckung auf unsere Fehler, die spielen selbst bei hohem Tempo mit. Wir aber wollen die ersten Auswärtspunkte. Alle sind heiß auf Wülfrath und ich vornean. Sobald ich das grün-weiße Trikot überstreife, will ich gewinnen." So sind die Hattigs alle. Das haben sie von ihrem Vater Michael geerbt.

(RP)