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Handball: Ur-Ratinger ist der Trainer der SG Unterrath in Düsseldorf

Porträt Christian Böcker : Eisenhart mit klarer Wortwahl

Der Ur-Ratinger Christian Böcker, der das Handballspielen beim TV Ratingen erlernte, ist nun Trainer bei der SG Unterrath und strebt mit dieser den Aufstieg in die Landesliga an – das soll aber nur der erste Schritt sein.

In der langen Ratinger Handball-Geschichte gab es so einige Abwehrspezialisten, die es vorzüglich verstanden haben, den gegnerischen Angreifern Schauder und Schrecken einzuflößen. So der unvergessene Hubert Beckers vom Turnerbund 08, der sich auch jetzt noch mit seinen mehr als 80 Jahren gelegentlich am Europaring bei den Handballspielen sehen lässt. Oder die alten Kumpels Klaus Dries und Klaus Mackenthun. Und in einem Atemzug dazu muss Christian Böcker gezählt werden, der eisenharte Mann im Innenblock des TV Ratingen. Den Schlusspfiff erlebte er in der Regel auf der Tribüne, seine dritte Zeitstrafe kam so um die Mitte der zweiten Hälfte oder in der hart umkämpften Endphase.

Aber Christian Böcker war für den Turnverein erheblich mehr als nur ein Abwehrstratege. Die Fans liebten sein rustikales Deckungsverhalten, unfair war der nun 35-Jährige jedenfalls nie. Eben eisenhart, gegen sich und seine Gegenspieler. Zudem stand er dem Verein immer für die Jugendarbeit zur Verfügung. Jugendliche für den Handball zu begeistern, das war immer sein Ding. Und nun kam die benachbarte SG Unterrath, die in der Bezirksliga den Landesliga-Aufstieg knapp verfehlt hat, auf ihn zu. Deren Chef Sebastian Rinne führte mit ihm ein nettes Gespräch, so Böcker, und schnell war die Trainerfrage am Franz-Rennefeld-Weg für die neue Spielzeit geklärt.

„Und jetzt muss der Aufstieg her“, gibt der neue SGU-Coach ganz klar als Ziel an. Rumdrucksen, halbherzige Aussagen, die mag er nicht. Die mochte er nie, schon zu TV-Zeiten nicht, seine Ex-Trainer dort werden das bescheinigen. Dann weiter: „Wir wollen auch die Landesliga hinter uns lassen, wir wollen in die Verbandsliga. Die SG Unterrath ist der größte Handballverein in Düsseldorf. Hier wird großartige Jugendarbeit geleistet. Ich werde mich auch dort einschalten, werde Fördertraining einführen. Ich freue mich jedenfalls endlos auf diese neue Aufgabe.“

Als Kind spielte Böcker auch Fußball, bei Ratingen 04/19, er ist geschwommen und betrieb Leichtathletik. Dann nahm ihn sein Jugendfreud Holger Auer mit zum Turnverein. Sein erster Jugendtrainer dort, Klaus Mührmann, wusste ihn gleich für den Handball zu begeistern, und mit 17 Jahren holte ihn Manni Brunke, der damalige Spielertrainer, hoch ins Oberliga-Team. Am Ende sprang Platz sechs heraus, das beste Abschneiden seit dieser Zeit. „Der Manni hat mir gezeigt, wie man sich in der Defensive zu verhalten hat“, erinnert sich Böcker bestens. „Und jetzt möchte ich vieles von dem an meine neuen Spieler weitergeben.“ Meistertitel werden bekanntlich nur über eine stabile Abwehr gewonnen.

Böcker kommt aus einer überaus bekannten und hoch angesehenen Ratinger Familie. Sein Opa leitete nach dem Krieg das „Haus Anger“ an der Angerstraße, dann war er der Wirt der „Drei Könige“. Seine Eltern, Vater Hans-Georg und Mutter Annelie, waren dessen Nachfolger. Das Lokal im Stadtzentrum brummte endlos, Jung und Alt traf sich dort.

Aus beruflichen Gründen, auch zum Studium, schloss sich Christian Böcker einem Handballverein in Hamburg an, dann in Heilbronn. Nun ist er Berater und Verkäufer der Sportartikelfirma Thieme mit Sitz in Ratingen, seine Ehefrau Katarina ist ebenfalls handballbegeistert, und von seinen Kindern Julius und Tilda ist der Papa fest überzeugt, dass auch sie bald richtig gute Sportler werden.