Handball: SG Ratingen, TV Ratingen, TuS Lintorf und TV Angermund starten

Start in die Handball-Saison 2019/2020 : Einige Kracher gibt es direkt zum Auftakt

Die SG Ratingen tritt am Samstagabend in der Regionalliga bei TuSem Essen II an, dort soll das Unterfangen Aufstieg beginnen. Der TuS Lintorf empfängt in der Verbandsliga am Samstag die Bergischen Panther II, der TV Ratingen den TB Wülfrath, für die SG Ratingen II geht es zur TG Cronenberg. In der Landesliga kommt es zum Prestige-Derby zwischen der Lintorfer und der Angermunder Reserve.

Am Wochenende starten die Handball-Ligen in die Saison 2019/20. Eine Bestandsaufnahme.

SG Ratingen: Nur wenig Veränderung gab es im Kader des Regionalligisten: Für den nach Langenfeld abgewanderten Torhüter Jascha Schmidt wurde Nils Thorben Schmidt vom Drittligisten Longericher SC geholt, für den linken Rückraum zudem Sam Schäfer. Der 21-Jährige kommt vom Kettwiger SV, hat früher aber in der A-Jugend-Bundesliga gespielt und hatte bei TuSem Essen einen Profi-Vertrag bekommen, bevor ihn eine schwere Sprunggelenksverletzung stoppte.

Auch die Abgänge der SG sind überschaubar, Ole Völker ging wie Jascha Schmidt nach Langenfeld, Fabian Claussen kehrte nach Wülfrath zurück. Obwohl das Team also größtenteils zusammengeblieben ist, sagt Marcel Müller, der mit Spielertrainer Ace Jonovski weiterhin verantwortlich ist: „Von mir aus hätte die Vorbereitung noch vier Wochen länger dauern können.“ Einige Spieler konnten den ersten Teil der Vorbereitung, als es um die Grundlagen-Arbeit ging, nicht mitmachen, darunter auch Filip Lazarov, der auf einem Lehrgang mit der mazedonischen Nationalmannschaft war. Zudem kamen Alexander Oelze und Thomas Bahn erst in der Rückrunde der vergangenen Saison zum Team. „Bis wir hundertprozentig eingespielt ist, dauert es noch. Bis das blinde Verständnis bei allen da ist, muss man schon ein Jahr zusammenarbeiten“, sagt Müller.

Das Saisonziel hat sich im Vergleich zur Vorsaison nicht geändert: „Das hat der Verein definitiv vorgegeben: Aufstieg“, berichtet Müller und ergänzt: „Intern haben wir uns vorgenommen, jedes Spiel zu gewinnen. Wir bereiten uns gewissenhaft auf jeden Gegner vor und wollen nicht den Fehler der letzten Saison wiederholen, dass wir uns schon früh auf ein Derby oder den vermeintlich schwersten Gegner einstellen.“ Denn auch das ist gleich geblieben: „Seit ich da bin ist es eigentlich immer so: Jeder will die SG Ratingen schlagen. Manchmal wachsen die Gegner dann auch über sich hinaus. Darauf müssen wir immer vorbereitet sein. Der nächste Gegner ist immer der wichtigste“, sagt Müller.

Zum Saisonstart geht es zu TuSem Essen II (Sonntag, 17 Uhr). „Ich finde es gut, gleich einen so dicken Brocken zum Start zu haben, dann weiß man direkt, wo man steht und ob man sich verbessert oder gar verschlechtert hat“, sagt Müller. Da das Zweitliga-Team der Essener bereits Samstag spielt, könnte die Reserve am Sonntag verstärkt werden. Die SG legt mit ihrem mazedonischen Abwehrchef Jonovski Wert auf eine starke Defensive und hat auf jeden Fall „ein deutliches Plus an Erfahrung“, sagt Müller. Den Saisonstart verpassen wird wohl Jan Kerssenfischer, der noch immer an einer Fußverletzung aus der Vorbereitung auf die vergangene Saison laboriert.

TV Angermund: Die Vorbereitung verlief überaus unglücklich. Der Oberligist muss am Sonntag, beim Auftakt in Lobberich (11.45 Uhr), mit acht Feldspielern und zwei Torhütern auskommen. Dabei hatte der Klub aus der Walter-Rettinghausen-Halle fünf neue Spieler verpflichtet (17-Mann-Kader) und keine wirklichen Abgänge zu verkraften. Denn Torwart Josha Peltz hält sich schon lange in den USA auf, und Niko Merten hat immerhin versprochen, wenn es ihm im Ausland zu ungemütlich wird, wieder schnell zum TVA zurückzukommen.

TV Angermund: Eric Busch. Foto: HORSTMUELLER GmbH

Mit Eric Busch wurde ein neuer Trainer verpflichtet, und bei einem von ihm organisierten Wochenend-Trainingslager in Bremen besprach man alles, was künftig so abgehen soll. Aber dann ging es los mit der Verletzungsseuche. Der aus Aufderhöhe gekommene Dennis van Wesel zog sich einen Kreuzbandriss zu und fällt ewig lange aus. Und Andre Behmer, vom Liga-Konkurrenten SV Neukirchen gekommen, brach sich im Training die Rippen. An einen Einsatz ist damit erst einmal nicht zu denken. Zudem fällt Martin Gensch lange aus. Der 33 Jahre alte Rückraum-Gestalter, schon im achten Jahr dabei, wurde bei einem Testspiel übel in den Arm gegriffen, die Schulter ist verletzt und man befürchtet gar, dass die gesamte Hinrunde gelaufen ist. Ebenfalls noch nicht fit ist der an der Schulter operierte Florian Hasselbach. Vielleicht kann der Hüne in Lobberich wenigstens in der Abwehr spielen. Raffael Winter wird dort wohl auf die Zähne beißen, der Linkshänder erhielt einen Tritt in die Wade und kann derzeit kaum laufen. Auch Björn Thanscheidt benötigt noch eine Pause, die Folgen der Kreuzband-Operation sind noch spürbar.

„Mit so einem engen Kader ein so schweres Auswärtsspiel bestreiten zu müssen, ist schon bitter“, sagt Eric Busch. Er hat sich über die Gastgeber schlau gemacht: „Der TV Angermund hat beim letzten Saisonausklang in Lobberich verloren, und nun wurde dieses Team eindeutig verstärkt. Wir wissen jedenfalls, was uns erwartet.“ Ähnlich sieht es Andreas Franken, der Manager: „So viel Verletzungspech in der Vorbereitung, das habe ich auch noch nicht erlebt.“ In der letzten Spielzeit wurde der TVA Vierter (Lobberich Zehnter ohne jede Abstiegsgefahr), ähnlich wollen die Angermunder auch in dieser Spielzeit abschneiden.

TuS Lintorf: Mit einem echten Kracher beginnt für den TuS am Samstag die neue Handballsaison. Der Verbandsliga-Vizemeister der letzten Spielzeit erwartet am heimischen Breitscheider Weg (18 Uhr) die Bergischen Panther II. Die Gäste, in Burscheid beheimatet, liefen als Tabellendritter ein, und diese beiden Teams werden auch diesmal zu den Top-Favoriten gezählt. Anschließend findet noch ein hoch interessantes Landesliga-Derby statt. Da erwartet die Lintorfer Reserve, zuletzt als Aufsteiger immerhin Tabellendritter, mit ihrem neuen Trainer Ralf Trimborn den Nachbarn TV Angermund II. Dort, beim Neuling, ist Peter Mentzen Spielertrainer. Ein Ur-Lintorfer, wie einige seiner Mannschaftskameraden. Also ein Match, das jetzt bereits ungeheure Explosivität ausstraht.

TuS Lintorf: Markus Wölke. Foto: Blazy, Achim (abz)

In Lintorf freut man sich auf den kommenden Samstag. „Geübt haben wir genug“, sagt dazu Verbandsliga-Trainer Markus Wölke. Es ist sein drittes Jahr bei den Grün-Weißen. Manager Kalle Töpfer hatte den Ur-Kettwiger einst aus Oberkassel geholt, aber für die Reserve. Dann wurde recht früh der Cheftrainer-Posten frei und Töpfer drängte Wölke nach oben. Und das noch mit Doppelbelastung, denn die Reserve sollte nicht zweitrangig behandelt werden, und so war Wölke plötzlich für beide Mannschaften zuständig. Das Thema ist aber längst erledigt, der Wuppertaler Trimborn ist seit dem Sommer für den Landesliga-Kader zuständig.

Ganz wichtig war es, die großen Leistungsträger der vergangenen Spielzeit weiter zu verpflichten. Vornean Bastian Thole, der in Wuppertal wohnt (er studiert dort) und sicherlich ganz schnell einen Verein vor der Haustüre gefunden hätte. „Aber der Bastian kommt gerne zu uns, er fühlt sich wohl bei uns,“ sagt Töpfer. „Nein, es war überhaupt kein Problem, ihn zu halten.“ Ähnlich sieht es bei Kai-Uwe Klause aus. Der 21-Jährige holte jetzt sogar noch seinen Bruder Jan an den Breitscheider Weg, und wie der beim TuS 08 einschlägt, darauf sind alle Ratinger Handballfans gespannt. Nicht mehr dabei ist Janis Löwenstein, er möchte länger pausieren, das ist ein wirklicher Verlust. Auch wenn Co-Trainer Dirk Bauerfeld der festen Überzeugung ist: „Wir schicken eine gute Mannschaft ins Rennen. Sie ist auch schon recht ordentlich eingespielt. Aber gegen diese Panther, das wird eng. Da erwartet uns eine Wundertüte. Keiner weiß so recht, wie stark die sind.“

Die Lintorfer haben die Gäste kürzlich beobachtet bei einem Testspiel in Hilden. Viel war nicht zu erkennen, die Panther schickten ein Team ins Rennen, das so niemals in Lintorf auflaufen wird. Vertane Zeit war es dennoch nicht, wie Wölke berichtet: „Die Panther haben neun neue Spieler und jetzt mit Alexander Zapf einen Spielertrainer aus ihrem Drittliga-Kader. Dieses Spiel am Samstag ist jedenfalls eine Standortbestimmung, und zwar für beide Seiten. Wir konnten unsere neuen Spieler schnell integrieren, und alle sind froh, dass die stressige Vorbereitungsphase beendet ist.“ Etwas Sorge könnte ihm die rechte Seite bereiten. Nils Büttner ist nicht mehr dabei, und der junge Philipp Becker, ebenfalls Linkshänder und aus Haan gekommen, fällt mit seinem Mittelfußbruch bis November aus.

TV Ratingen: Mit einem hoch interessanten Nachbarderby zweier Erzrivalen geht es für den TV am Samstag los. Der TB Wülfrath ist zu Gast, der Verbandsliga-Rückkehrer. Anwurf am Europaring ist bei allen Heimspielen ab sofort um 17.30 Uhr, anschießend spielt die Reserve in der Landesliga um 19.30 Uhr gegen Bayer Uerdingen. Die Vorverlegung der Heimspiele erklärt der TV-Chef Marcus Otten: „Wir wollen es keinem mehr zumuten, am Samstagabend bis um 22 Uhr in der Halle zu sein. Der Vorverlegungs-Wunsch wurde mehrfach geäußert und wir sind ihm nachgekommen.“

TV Ratingen: Jörg Schomburg. Foto: Blazy, Achim (abz)

Die Ratinger gehen nach ihrer grausigen Rückrunde der Vorsaison, die mit einem völlig unzufriedenen Platz acht endete, gestärkt in die neue Spielzeit. Vier Neue sind dabei: Tobias Demming aus der eigenen Jugend, Mats Wiedemann von GW Werden, und von den Vikings kamen Fabian Pani und Thomas Hanneken. Es gingen drei Akteure: Niko Kötter und Justus Abs, beide haben die Handballschuhe an den berühmten Nagel gehängt, und Tim Pawlik hütet künftig das Tor der Reserve.

Otten ist aber zuversichtlich. So ließen Pascal Schmidt und Lars Friedrichs aus der eigenen Jugend im Vorbereitungstraining weitere Fortschritte erkennen. Für beide ist es das zweite Seniorenjahr. Zudem sind Pani und Hanneken erst 22 Jahre alt, da sind ebenfalls schnell Steigerungen zu erwarten. Zudem werden die beiden Trainer Jörg Schomburg und Chris Schweinsberg bei Bedarf mitspielen. „Beide spielen Handball in ähnlicher Form, also Rückraum-Mitte. Einer von ihnen kann stets von der Bank aus steuern“, sagt Otten. Die beiden Coaches sind nun einmal leidenschaftliche Handballer, da kann es schwer sein, nicht aktiv eingreifen zu können. Zudem hilft immer Schomburgs Sicherheit beim Siebenmeter. Da bietet sich eine weitere Variante an: Der 36 Jahre alte Lehrer aus Lintorf wird bei Strafwürfen eingewechselt.

Sebastian Götze soll in der Reserve Spielpraxis bekommen, der 21 Jahre alte Torwart spielt im Verbandsliga-Team nur im Bedarfsfall. Vielleicht schon am Samstag gegen Wülfrath, da Max Scholz an einer Fingerverletzung laboriert. Zu den Gästen sagt Otten: „Deren Abstieg vor einem Jahr war ein Betriebsunfall. Wülfrath hatte immer gute Mannschaften und damit ist auch diesmal fest zu rechnen. Die haben ihren Wiederaufstieg fast problemlos geschafft.“ Trainer dort ist Christian Paul und sein Assistent Stefan Graedtke, der frühere Klasse-Torwart des TV Angermund.

SG Ratingen II: Mit der Saisonvorbereitung war Trainer René Osterwind völlig unzufrieden. Nils Koßmann wechselte zu seinem Stammverein HSG Gerresheim zurück, Oliver Reintjes schloss sich der benachbarten SG Unterrath an. „Wir hatten mit ihnen gerechnet“, sagt Osterwind. „Unser Kader ist ohnehin sehr dünn, solch plötzliche Abgänge schmerzen, und so war ein gutes Vorbereitungstraining überhaupt nicht möglich.“ Nun versucht der Coach, wenigstens Niklas Wergen zum Weiterspielen zu bewegen, doch Wergen wird Arzt, das Studium hat Vorrang. Zudem wissen die Ratinger nicht, was mit Clemens Oppitz und Tim Zeidler wird. Die beiden halten sich in Stuttgart auf (Studium, Arbeit) und kommen höchst unregelmäßig nach Ratingen. Aber das war in der vergangenen Spielzeit nicht anders, wie auch bei Patrick Achenbach, der sich im hessischen Raum aufhält.

SG Ratingen II: René Osterwind. Foto: TuS Lintorf

Es gibt freilich auch Positives von der SG-Reserve, sie geht ins dritte Verbandsliga-Jahr, zu berichten. So ist Vereinsboss Bastian Schlierkamp wieder fit und wirkt mit wie auch Marcel Müller. Das ist erst einmal geballte Routine. Zudem hinterließ der aus Ahlen gekommene Jonas Pakullat im Training einen feinen Eindruck. „Den Jungen kann man überall hinstellen“, so Osterwind. „Hinten, am Kreis, Außen, der ist bestens geschult.“ Pakullat ist 23 Jahre alt und fand als Unternehmensberater in Düsseldorf einen neuen Job. Den hat auch Osterwind. Er ist nun als Einkaufsleiter in Essen beschäftigt, die weiten Fahrten nach Herne entfallen.