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Goose Necks: Ein Verein lebt von stetiger Jugendarbeit

Baseball : Goose Necks: Ein Verein lebt von stetiger Jugendarbeit

Die Baseballer hoffen auf eine Rückkehr in die 2. Bundesliga. Seine „Stars“ muss der Klub selber erschaffen. Das geht nur mit Engagement.

Am Sonntag (13 Uhr) können die Ratinger Goose Necks einen großen Schritt zurück machen. Das ist in diesem Fall etwas Gutes. Denn wenn sie ihre beiden Heimspiele gegen die Neunkirchen Nightmares gewinnen, fehlt ihnen am Wochenende darauf nur noch ein Sieg, um die Serie „best of five“ in der Endrunde der Verbandsliga für sich zu entscheiden und in die 2. Bundesliga zurückzukehren. „Wir wollen am Wochenende darauf keinen Stress haben, dann drei Spiele in Folge gewinnen zu müssen“, sagt Goose-Necks-Trainer Nicolas König.

Dass sein Team überhaupt die Chance hat, wieder in Liga zwei zu kommen, verdankt es zum Einen der Tatsache, dass in dieser Spielklasse ein Platz frei geworden ist und der Verband gern weiterhin eine Achter-Liga hätte. Zum Anderen ist der Wiederaufstieg aber nur denkbar, weil sich die Goose Necks eine Liga tiefer so gut entwickelt haben. „Wir haben uns ja letztes Jahr entschieden, abzusteigen“, berichtet König. „Wir haben fast alle Spiele bis auf die gegen Neunkirchen, die mit uns abgestiegen sind, verloren. Das war eine sehr bittere Saison. Drei Leute, die uns getragen haben, wollten aufhören oder haben aufgehört, wir hatten Verletzte, und generell war die Dominanz in der Liga gegen uns. Das hat keinen Spaß gemacht, wir hatten Sorge, dass uns die Spieler weglaufen. Deswegen haben wir entschieden, eine Liga tiefer zu gehen, um die jungen Spieler zu entwickeln.“

Und das gelang. „Die Mannschaft und vor allem die jungen Spieler haben sich super entwickelt und sich glücklicherweise für Baseball und gegen andere Hobbies entschieden“, sagt König lachend und ergänzt: „Da hatten wir dann 6:0 Siege. Deswegen habe ich die Mannschaft gefragt, ob wir den Aufstieg wahrnehmen wollen, wenn es denn klappt. Und die Antwort war ja.“ Zwar werde es in den ersten beiden Spielen gegen Neunkirchen schwierig, weil die Personaldecke dünn ist, dennoch beziffert der Coach die Chancen auf 50:50.

Der 26-jährige gelernte Koch spielt seit 18 Jahren Baseball und macht nach seinem Bandscheibenvorfall auch wieder aktiv mit. „Mein Bruder ist acht Jahre älter, und über seinen Freundeskreis bin ich zum Baseball gekommen“, erzählt König. „Da haben wir in Düsseldorf immer am Platz rumgehangen, und mir war sofort klar: Sobald ich alt genug bin, will ich selber spielen.“

Ähnlich ging es Jennifer Jochheim. Sie ist ebenfalls 26 und kam durch ihren Bruder zum Baseball, der an einer Grundschule in Breitscheid durch eine Aktion die Goose Necks kennenlernte. Bei ihm verfing der Sport nicht, bei seiner Schwester schon. Sie ist nicht nur Spielerin der Damen in der Verbandsliga – also der mittleren zwischen der Bundesliga und der tiefsten Spielklasse im Softball in Deutschland –, sondern auch Jugendwartin der Goose Necks. Und damit legte sie den Grundstein für den jugendlichen Erfolgsweg der Breitscheider Baseballer: „Vor 15 Jahren gab es hier kaum Mitgliederwerbung, weshalb auch mein Jahrgang sehr dünn besetzt ist“, sagt König und ergänzt: „Seit zehn Jahren ist das deutlich besser, auch dank Jenny. Deswegen sind wir in den nächsten Jahren sehr gut aufgestellt bei den Senioren, und auch bei den Schülern und Küken werden es immer mehr.“

Der Verein lebt also bis in die Seniorenteams von der Jugendarbeit. „Die Mitgliedergewinnung bedeutet viel Aufwand“, sagt Jochheim. „Viele gehen in jungen Jahren zum Fußball, Tennis oder Golf. Baseball ist eben eine Randsportart. Viele wissen gar nicht, dass es uns hier gibt. Deswegen sind Aktionen wie in Grundschulen oder auf dem Lintorfer Handwerkermarkt, der leider dieses Jahr wegen Corona ausgefallen ist, so wichtig für uns.“

In Schulen erlebt Jochheim regelmäßig, dass Kinder zwar schon mal von Baseball gehört haben und wissen, dass da – unter anderem – ein Ball mit einem Schläger geschlagen wird und was ein Homerun ist. „Aber maximal ein bis zwei Kinder haben das selber schon mal gespielt“, weiß die angehende Psychotherapeutin und ergänzt: „Wenn Baseball vielleicht regelmäßig in den Schulsport integriert würde, wäre das Interesse vielleicht auch größer. Dass es da ist, merke ich, wenn bei unseren Aktionen auch die Lehrer immer unbedingt mitspielen wollen. Sie verlieren dann ein bisschen die Scheu davor und sehen, dass man den Sport durchaus mit Kindern machen kann.“ Schulen können im Übrigen das notwendige Equipment beim Verband ausleihen.

Wie wichtig die Aktionen für den Klub sind, verdeutlicht Christiane Maxin, Schatzmeisterin der Goose Necks: „Wir müssen unsere Mannschaften mit Spielern aus der eigenen Jugend füllen. Dass hier mal jemand hinkommt, der einen Baseballverein sucht, zum Beispiel ein Japaner oder Amerikaner von der International School in Düsseldorf, ist ein Glücksfall, keineswegs die Regel.“ Das ist ein Nachteil der Randsportart, aber Maxin sieht darin auch etwas Positives: „Wir sind ein echter Familienverein, weil schon die Geschwister der Jüngsten mitspielen wollen.“

Was Maxin noch gefällt, ist die Heimstätte „New Hermann’s Field“: „Wir haben echt eine schöne Anlage, auch im Vergleich zu anderen.“ Allerdings hat Breitscheid einen Standortnachteil: „Sponsoren rennen uns nicht gerade die Tür ein“, gibt die Schatzmeisterin zu. Da zudem die Zuschauerzahlen überschaubar sind, muss „alles aus einem selber kommen“, sagt Maxin. „Das funktioniert nur mit einer unglaublichen Menge an Leidenschaft, Engagement, Zeit und eigenem Geld. Die Trainer unserer Teams sind zum Beispiel fast alles aktive Spieler, die nahezu ihre gesamte Freizeit hier reinstecken.“ Jochheim ergänzt: „Als Trainer steht man fast jeden Abend am Platz und mindestens einen Tag am Wochenende. Das muss man erstmal leisten wollen.“ Und nur, weil die Goose Necks es von der Jugendarbeit an wollen, spielt ihre Herrenmannschaft nun um die Rückkehr in die 2. Bundesliga.