Eishockey : Führungsproblem

Analyse Die Ice Aliens haben den Klassenerhalt in der Eishockey-Oberliga mühelos erreicht, doch die Saison wurde geprägt von der Führungskrise, Zuschauerschwund und Trainertheater.

Die Vorfreude auf die erste Saison in der neu gegründeten Eishockey-Oberliga war groß. Die Ausgangslage war geradezu ideal, denn eigentlich war nur der Klassenerhalt Pflicht. Der wurde problemlos erreicht. Trotzdem war es eine alles andere als erfolgreiche Saison, denn die Stimmung in dem 14 Jahre alten Verein hat einen Tiefpunkt erreicht. Dafür gibt es einige triftige Gründe.

Vorsitzende Mike Krüger hat an der Vereinsspitze eine alles andere als gute Figur gemacht. Er gab zeitweise den dünnhäutigen Einzelkämpfer und isolierte sich. Ihm fehlte es an Führungsqualitäten, wozu Konzept und Linie ebenso gehören wie Kritik- und Dialogfähigkeit. Dass er Trainer Czeslaw Panek holte, entbehrte nicht einer gewissen Pikanterie, denn seine früheren Vorstandskollegen hatten sich dagegen gewehrt, sein früherer Gegenkandidat Franz-Josef Weiser mit Panek seinen Wahlkampf bestritten.

Vorstand Mike Krüger stand im Sommer ziemlich alleine da. Sein Vize Wilfried Tursch hatte die Brocken hingeschmissen, Schatzmeister Rainer Merkelbach seinen Rücktritt angekündigt. Vize Dr. Kay Adam wurde in Abwesenheit gewählt, Schatzmeister Werner Pehlemann übernahm erst im Februar das Amt. Die beiden müssen nicht nur ihren Platz im Verein finden, auf sie kommt auch viel Arbeit zu, denn der Vorsitzende wirkt nicht gerade als Integrationsfigur.

  • Lokalsport : Ice Aliens haben einen neuen Trainer
  • Lokalsport : Ice Aliens holen dritten Spieler aus Dinslaken
  • Lokalsport : Ice Aliens stehen vor einem großen Umbruch

Trainertheater Flop der Saison war der Trainerwechsel. Czeslaw Panek wurde bei fünf Punkten Rückstand auf den vierten Platz gefeuert, weil diese Position plötzlich als Ziel ausgegeben wurde – unrealistischer Weise. Er war fortan Deutschlands teuerster Schulsporttrainer. Und dann wurde es richtig peinlich. Wunschtrainer Suarez soll im Morgengrauen auf einem Parkplatz abgesagt haben. Teamchef Markus Weingran musste übernehmen, der keine Lizenz hatte, weshalb Nachwuchstrainer Dennis Burat immer hinter der Bande stehen musste. Nach Abschluss der Hauptrunde lagen die Aliens exakt 40 Punkte hinter dem Vierten.

Team Natürlich hatte Czeslaw Panek eine andere Mannschaft zur Verfügung als Markus Weingran. Im Winter hatten die Aliens sich von etlichen Leistungsträgern getrennt, um ein finanzielles Desaster zu vermeiden. Dabei sorgte die Verpflichtung von Torhüter Marco Dillmann für mehrere Paukenschläge. Zunächst warfen die beiden etatmäßigen Keeper Torsten Schmitt und Dennis Kohl die Brocken hin. Dann fiel Dillmanns Debüt ins Wasser, weil ihm nicht die gewünschte Ausrüstung zur Verfügung stand. Und es fiel auch auf, dass er gegen seinen alten Verein Herne in allen Begegnungen fehlte. Erfrischend spielten Gries, Fischbuch und Tegkaev, erfahren Kapitän Kohmann.

Zuschauerschwund Die bitterste Niederlage gab es für die Aliens auf den Rängen. Der angepeilte Zuschauerschnitt von 700 wurde nicht nur verfehlt, sondern fast halbiert. Noch nie zuvor besuchten so wenige Zuschauer die Spiele der Aliens. Hier spiegelt sich die miserable Öffentlichkeitsarbeit des Vorsitzenden Mike Krüger wider. Weitaus schlimmer als das finanzielle Loch ist jedoch, dass in der Eishockeystadt Ratingen ein gutes Stück Fan-Kultur zerstört wurde.

Nachwuchsabteilung In früheren Jahren waren die Aliens ein Verein. Das ist zwar rechtlich auch heute noch der Fall, doch sind Senioren und Nachwuchsabteilung deutlich auf Distanz gegangen.

Fazit Sportlich war es eine absolut durchschnittliche Saison, die jedoch geprägt wurde von Pleiten, Pech und Pannen. Dringende Reparaturarbeiten sind auf verschiedenen Ebenen notwendig.

(RP)