1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen
  4. Lokalsport

Felix Linden ist der neue Handball-Trainer des TuS 08 Lintorf

Interview Felix Linden : „Ich bin ein Handball-Nerd“

Felix Linden hat seinen Einstand gehabt: Am 1. Juli hat der 32-Jährige sein Amt als neuer Trainer des Handball-Verbandsligisten TuS 08 Lintorf angetreten. Er gibt erste Einblicke vom Team und der neuen Liga und sagt, worauf sich Lintorf bei ihm freuen kann.

Am Donnerstag hatten Sie Ihren ersten offiziellen Tag als Cheftrainer des Handball-Verbandsligisten TuS 08 Lintorf. Gab es ein Begrüßungsgeschenk?

Linden Das nicht, aber wir haben am Samstag die Kapitäne und Ämter gewählt und eine Besprechung von dem, was ich mir so vorstelle, mit Grillen gekrönt.

Sind Sie zufrieden mit Ihren Kapitänen?

Linden Auf jeden Fall. Die Mannschaft hat Daniel Ziebold und Max Strunk gewählt, ich halte das für eine gute Wahl. Ich habe in meiner Karriere schon tolle, aber auch schwierige Kapitäne gehabt, jüngere und ältere. Mit Oliver Krechel und Tim Gentges aus Krefeld hat sich ein super Vertrauensverhältnis entwickelt, so dass wir uns auch immer noch oft austauschen. Das wird sich mit Boldo und Max sicher auch so entwickeln, das sind gute Typen. Wichtig ist, dass Kapitäne auch Dinge ansprechen, die vielleicht nicht so gut laufen, auch beim Trainer.

Die Wahl der Ämter ist ja üblich. Gibt es welche, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Linden Bei mir muss es immer ein Technikamt geben. Ich bin zwar technik-affin und kann einen Laptop bedienen, aber wenn es darum geht, ein HDMI-Kabel zu beschaffen oder so, wird es schon schwieriger. Da muss sich einer drum kümmern. Ansonsten haben wir die üblichen Ämter, die es bestimmt in allen anderen Mannschaften auch gibt.

  • Kevin Deden gewann das Spitzeneinzel des
    Tennis : Kevin Deden begeistert die Fans des TuS St. Hubert
  • Insgesamt 24 Teams werden bei der
    Im Free-TV oder Live-Stream : Hier können Sie die Spiele der EM 2021 sehen
  • SVB-Kapitän Mario Lesic verlor sein Einzel.⇥RP-Foto:
    Weiterer Sieg für den Spitzenreiter : Herren des SV Budberg lassen sich nicht aufhalten

Was war Thema Ihrer ersten Besprechung?

Linden Das Wichtigste ist: Die Mannschaft steht über allem. Und ich habe die Devise: Ein Spieler muss unzufrieden sein, wenn er wenig oder gar nicht spielt. Wenn ein Spieler damit zufrieden ist, nur auf der Bank zu sitzen, dann läuft in der Beziehung Spieler/Trainer etwas verkehrt. Trotzdem muss er sein Ego unter das der Mannschaft und der Gruppe stellen.

Auch abseits der ersten Sechs?

Linden Natürlich. Das ist eh eine leidige Diskussion, die wir im Handball mit der Anfangsformation haben: Wir haben ja die Möglichkeit des Interchanging, können also dauernd wechseln, und bei mir fangen nicht unbedingt die Spieler an, die vermeintlich die Besten sind. Und wenn ein Positionskollege mal keinen guten Tag hat, kann man von der Bank eventuell sogar mehr Spielanteile bekommen, als wenn man von Anfang an auf der Platte stand. Von daher finde ich die Diskussion über eine erste Sechs müßig.

Haben Sie über Saisonziele geredet?

Linden Nein, noch nicht. Mein Anspruch ist aber prinzipiell, immer das Maximale herauszuholen und alles zu geben. Und wenn man alles gewinnt, ist man zwangsläufig oben.

Kein klares Bekenntnis zum Aufstieg?

Linden Wir wollen oben mitspielen. Bei einem Aufstieg sind es immer Kleinigkeiten, die entscheiden, das habe ich oft genug erlebt. Da geht es dann auch um Verletzungen, Schiedsrichter-Entscheidungen oder mal ein Spiel ohne Harz in der Verbandsliga – da muss man sehen, wie die Mannschaft das annimmt. Ich glaube, die Mannschaft hat viel Potenzial, aber es dauert sicher auch ein wenig, bis ich ihr meine Handball-Philosophie eingeimpft habe.

Worauf kann sich Lintorf bei Ihnen freuen?

Linden Schwierige Frage... Ich denke, ich bin ein sehr akribischer Trainer, der sich viele Gedanken um das Training, die Gegner-Vorbereitung und die eigene Mannschaft macht. Ich bin ein Handball-Nerd mit einer riesigen Datenbank über eigene und gegnerische Spieler. Ich bin mal so selbstbewusst zu sagen: Es wird kaum jemanden in der Liga geben, der besser vorbereitet in die Spiele gehen wird als wir. Gewinnen müssen wir sie natürlich trotzdem noch.

Wie gut kennen Sie ihr Team und die neue Liga schon?

Linden Ich hatte jetzt meinen Einstieg, da ich noch bis 30. Juni in Krefeld freigestellt war, war aber gut vorbereitet, weil ich alle Spiele der Corona-Zeit auf Video zusammengeschnitten habe. Ich weiß, wo die Mannschaft ihre Stärken hat und wo ihre Potenziale liegen. Wichtig ist mir, dass ich nicht – wie beim Fußball – ein System vorgebe, und das müssen dann alle spielen. Ich will stärken-orientiert spielen lassen, also angelehnt an die Stärken meiner Spieler. Was die Liga angeht: Da muss ich mir erst einmal einen Überblick verschaffen und dann alles in meine Software einpflegen. Nach dem fünften oder sechsten Spieltag weiß ich mehr.

Mehr Spieltage hatte die vergangene Saison ja dank Corona nicht. Der TuS stand da mit 12:0 Punkten oben. Haben Sie Sorge, dass es in Lintorf ungemütlich werden könnte, wenn Sie schlechter starten?

Linden Ralf Trimborn (in der Vorsaison Trainer der ersten und zweiten Mannschaft, jetzt ausschließlich bei der Reserve, Anm. d. Red.) hat sehr gute Arbeit geleistet, und daran möchte ich anknüpfen. Mein Anspruch ist ja, alle Spiele gewinnen zu wollen. Aber das kann ich nicht versprechen. Zum Glück habe ich mit HaJo Pfeiffer (Berater, d. Red.) und Kalle Töpfer (Manager, d. Red.) zwei Leute hinter mir, die sagen, dass es nicht zwangsläufig im ersten Jahr mit dem Aufstieg klappen muss. Klar ist aber auch: Wenn wir Spiele verlieren, bin ich der Unzufriedenste in und um die Halle in Lintorf herum.

Der TuS spielt mit erster und zweiter Mannschaft in der Verbandsliga. Haben Sie einen festen Kader oder stellen Sie sich aus beiden Teams einen zusammen?

Linden Wir haben eine Grundstruktur mit dem Kader erste Mannschaft. Ich arbeite aber auch gern mit jungen Spielern, daher werde ich auch permanent einen Blick auf die zweite Mannschaft haben, wer sich da anbietet. Es kann aber auch so sein, dass ein junger Spieler das Potenzial für die Erste hat, er in der Zweiten aber mehr Spielanteile bekommt als ich ihm in der Ersten geben könnte. Dann soll er da seine Spiele machen. Und wenn bei uns einer wenig Spielanteile bekommt und freigespielt ist, kann er auch für die Zweite auflaufen. Das ist ja ein absolutes Luxusproblem in Lintorf, dass es zwei Mannschaften in derselben Spielstärke gibt. Da ist das Niveau stets hoch. Und ich bin ohnehin jemand, der viel Austausch mag. Wir sind schließlich ein Verein, kein Einzelwerk. Wenn geholfen werden kann, wird auch geholfen. Ich identifiziere mich zu 110 Prozent mit meinem Verein und will, dass das Gesamt-Konstrukt stimmt.

Was sind die nächsten Schritte in der Vorbereitung?

Linden Tim Bauerfeld als Co- und Stephan Pittelkow als Athletik-Trainer haben schon gute Arbeit geleistet, daher können wir relativ schnell schon ein Testspiel machen: am 17. Juli zu Hause gegen Biesel. Wir müssen aber die Belastung anpassen nach der langen Pause durch Corona. Daher werde ich die Spielanteile da auch immens verteilen. Man muss gerade jetzt darauf achten, dass die Belastung zum Beispiel für die Schulter nicht zu groß ist, denn die Quittung kommt nicht jetzt, sondern erst in zwei, drei Monaten. Und wenn da etwas chronisch wird, kriegt man das nicht mehr weg.

Haben Sie Sorge, dass es aufgrund der Delta-Variante wieder schnell vorbei sein kann mit dem Handball?

Linden Ehrlich gesagt mache ich mir keine Sorgen mehr. Ich gucke inzwischen grundsätzlich keine Nachrichten mehr, das ist mir zu negativ. Es ist uns einfach allen zu wünschen, dass wieder eine gewisse Normalität Einzug hält. Das ist ganz wichtig.