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Experte: Rainer Merkelbach, Schatzmeister der Ratinger Ice Aliens

Eishockey : „In dieser Form ist es Sterben auf Raten“

Frage-und-Antwort: Die Situation im Eishockey in Nordrhein-Westfalen ist nicht nur für die Ratinger Ice Aliens schwierig. Der Modus mit nur sieben Teams in der Regionalliga ist unattraktiv, die Fans bleiben aus, die Etats werden kleiner, der Nachwuchs fehlt. Eine Lösung ist einstweilen nicht in Sicht.

Bei einem Frühschoppen mit ihren Fans haben sich die Ratínger Ice Aliens nicht nur über die eigene sportliche Situation in der Regionalliga ausgetauscht, wo das Team von Andrej Fuchs derzeit Tabellenvorletzter ist, sondern auch über die Lage im Eishockey generell. Schatzmeister Rainer Merkelbach beschreibt: „Man fragt dann: ,Was habt ihr für Fragen?’, und dann herrscht erstmal Schweigen. Hat man das überbrückt, kommt viel dabei rum.“

Warum gibt es nur sieben Teams in der Regionalliga? Das war auch nicht die Planung des Verbandes EHV NRW, aber vor der Saison entschied sich Frankfurt, das sportlich aufgestiegen war, nicht nachrücken zu wollen. Auch Lauterbach zog sich zurück, weil den Hessen die Entfernungen zu groß waren. Soest hatte auf der Ligentagung vor der Spielzeit noch signalisiert, mitspielen zu wollen, sagte dann aber, aufgrund der geringen finanziellen Mitteln bekäme man kein Team zusammen. Auch drei Tagungen mit den Landesligisten förderten keine Nachrücker zutage, weil die entweder befürchteten, von den Top-Teams „abgeschlachtet“ zu werden oder sie nicht genug Eiszeiten hatten, um einen Spielrhythmus zweimal am Wochenende gewährleisten zu können.

Wie geht es weiter? Es sieht nicht gut aus. „Bei uns gibt es kein Sommer-, aber schon ein Winter-Theater“, sagt Merkelbach. „Alle sind unzufrieden mit der Situation, aber der Sprung in die Oberliga ist für alle Vereine, selbst die beiden Spitzenteams Limburg und Hamm, derzeit zu groß. Da bräuchte man Kader mit mindestens 60 Prozent Vollprofis, und das kann sich momentan keiner leisten.“ Klar ist aber auch: So wie bislang macht es wenig Sinn. „Viermal in der Hauptrunde und dann noch zweimal in den Play-offs gegen denselben Gegner zu spielen, macht keinen Spaß. Nicht den Zuschauern, nicht den Spielern und nicht dem Verein“, sagt Merkelbach. „So ist es ein Sterben auf Raten.“

Wie ist die Zuschauer-Resonanz? Sie wird immer schlechter. Generell gab es in der Regionalliga in der vergangenen Saison bereits einen Rückgang um zwölf Prozent, ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht. Die Aliens spielten am Sonntag bei Tabellenführer Limburg – vor 159 Besuchern. Auch in Ratingen sieht Merkelbach eine Rückgang-Tendenz von zehn bis 15 Prozent, was dem Liga-Schnitt entspreche. Dass gute Platzierungen nicht mehr Fans bringen, merkte Herford, das in den vergangenen zwei Jahren Meister wurde und dabei einen Zuschauer-Rückgang um bis zu 40 Prozent erlebte.

Woran liegt das und was bedeutet es finanziell? Der Modus der Regionalliga ist unattraktiv mit den ständig wiederkehrenden sechs Gegnern. „Natürlich ist es schöner, in einer Zwölfer-Liga Fünfter oder Sechster zu sein als in einer Siebener-Liga“, sagt Merkelbach. In Ratingen gibt es zudem das Problem, dass die Erfolge von Düsseldorfer EG und Fortuna Zuschauer „abziehen“. Merkelbach: „So schön der Erfolg der beiden Mannschaften ist, schmerzt er uns. Niemand schaut sich drei Sportveranstaltungen am Wochenende an.“ Das macht sich finanziell bemerkbar: „Vor sieben, acht Jahren haben wir unseren Etat noch zur Hälfte aus Zuschauer- und zur Hälfte aus Sponsoren-Einnahmen generiert. Jetzt sind es 80 Prozent aus Sponsorengeldern. Mit dem Geld, mit dem man vor fünf Jahren Meister in der Regionalliga wurde, wirst du aber heute nur Fünfter oder Sechster“, sagt Merkelbach.

Warum ist das so? Es gibt nur einen engen Pool an Spielern, die Regionalliga-Niveau haben – Merkelbach spricht von 80 bis 90 im Umkreis –, die zwischen den wenigen Teams pendeln. Problem: Davon hören immer mehr Akteure auf, aus der Jugend kommen kaum welche nach, das treibt den Preis. „Jedes Jahr steigen die Kosten für denselben Spieler um zehn Prozent“, sagt Merkelbach und illustriert: „Ein Spieler, der bei uns 200 Euro verdient hat, kostet fünf Jahre später 800 bis 1000 Euro. Allerdings steigen unsere Einnahmen ja nicht jedes Jahr um zehn Prozent.“

Gibt es ein Nachwuchsproblem? Definitiv. „Wir haben zwar im Nachwuchs so viele Spieler wie nie, aber nur bei den Kleinen“, sagt Merkelbach. „Das ist ein generelles Problem: Bis zur U15 geht es, danach wollen die Spieler entweder ihre Zeit anders nutzen oder zu den großen Vereinen wechseln. Den Sprung schaffen aber nur 15 bis 20 Prozent, 30 Prozent schaffen es nicht, machen aber weiter, und 50 Prozent hören komplett auf.“

Gibt es eine Lösung? Derzeit nicht. „Vielleicht müsste man die beiden Erstplatzierten in einer anderen Liga unterbringen und die Landesligisten zu den verbleibenden Teams packen, um das Gefälle wieder geringer zu machen“, sagt Merkelbach und ergänzt: „So, wie es jetzt ist, ist es für alle unbefriedigend, und wir können nur gucken, dass wir mit dem Verband Kompromisse und Lösungen für das nächste Jahr finden.“