Eishockey: "Es fehlt das Herz"

Aliens-Trainer Larry Suarez kritisiert die Spieler, die hier nur arbeiten. Der Vorsitzende Mike Krüger stellt sich (noch) schützend vor den Coach. Er fürchtet in den Teufelskreis zu geraten.

Von wegen besinnliche Adventszeit – bei den Ice Aliens hängt nach der 3:5-Niederlage gegen Kassel mächtig der Haussegen schief. Wieder einmal hat die Mannschaft im letzten Drittel mit einer desaströsen Leistung einen Sieg verspielt. Ging der letzte Abschnitt gegen Dortmund 0:5 verloren, gab es gegen die Hessen immerhin eine kleine Verbesserung. Da hieß das Drittelergebnis 0:3.

Doch für solche Art von Galgenhumor hatte Trainer Larry Suarez nach dem Spiel überhaupt keinen Sinn. Er war mächtig angefressen, stand mit zusammen gekniffenen Augen und verschränkten Armen im VIP-Raum: "Ich habe langsam keine Ahnung mehr, was wir noch tun müssen, um endlich einmal eine Führung nach Hause zu bringen." Das klingt nach Ausflucht, aber dann wird der Coach doch deutlich und setzt zu einer Brandrede an, die mehr als deutlich ist: "Es fehlt die Leidenschaft bei uns. Das hat nichts mit jung oder alt zu tun. Ob in der Kabine oder auf dem Eis, es fehlt das Herz. Was ist das denn für eine Mannschaft, für die es nicht wichtig zu sein scheint, ein Topteam wie Kassel am Rande einer Niederlage zu haben?"

Moment mal. Klang das nicht vor ein paar Wochen ganz anders? Richtig, da lobte Suarez noch den Kampfeswillen und die Einstellung seiner Spieler, sprach lediglich von spielerischen Defiziten.

Manager Charly Weise und Aliens-Boss Mike Krüger halten sich bedeckt, sagen auch nichts, als Suarez noch deutlicher wird: "Das Problem liegt bei 30 Prozent der Mannschaft. Die spielen hier nicht, um zu gewinnen, sondern nur um zu arbeiten. Namen werde ich keine sagen, diese Spieler wissen schon genau, wer gemeint ist." Deutliche Worte, zu denen Krüger klar Stellung bezieht: "Das ist nicht Sache des Vorstandes. Für die Einstellung der Mannschaft ist alleine der Trainer verantwortlich." Klingt frostig, zumal es so schien, als würden Weise und Krüger ihren Trainer keines Blickes würdigen, doch Krüger wiegelt ab: "Das Verhältnis zum Trainer ist in Ordnung."

Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft dagegen scheint längst nicht mehr in Ordnung zu sein. Als die Kasseler in der entscheidenden Phase eine Auszeit nahmen, ließen sich die Spieler der Aliens mächtig viel Zeit, um zu ihrem Coach an die Bande zu fahren.

Und dann wäre da noch das Problem mit der Disziplin. Wie schon so häufig kassierte Shahab Aminikia eine Strafzeit, die letztlich zum Gegentor führte. Konsequenzen für das Verhalten? Fehlanzeige!

Was auf dem Eis passiert, hat mittlerweile gefährliche Auswirkungen. Immer weniger Zuschauer kommen. "Und ich kann den Fans nicht einmal böse sein. Aber wir müssen langsam schauen, wo die Reise hingeht. Denn ohne Zuschauereinnahmen fehlt uns das Geld, um uns noch einmal mit ein, zwei guten Spielern zu verstärken. Es ist ein Teufelskreis", so Präsident Krüger, dem der Frust anzusehen ist: "Charly Weise und ich reißen uns hier den Hintern auf. Aber so ist Eishockey in Ratingen nicht mehr lange machbar. Langsam habe ich keinen Bock mehr." Für die Aliens könnte der besinnliche Advent noch richtig turbulent werden.

(wol)
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