Erstaunliche Parallelen zwischen Ratingen 04/19 und SG Ratingen

Analyse : Bestenfalls im Niemandsland

Die Regionalliga-Handballer der SG Ratingen und die Oberliga-Fußballer von Ratingen 04/19 eint derzeit, dass sie weit hinter den eigenen Erwartungen zurückliegen. Mathematisch gibt es erstaunliche Parallelen, die Zahlen sprechen jedenfalls für beide nicht.

Mit dem Satz: „Fußball ist keine Mathematik“ stichelte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor fast genau zwölf Jahren gegen den damaligen Trainer und Ex-Mathematiker Ottmar Hitzfeld. Das mag natürlich stimmen, dennoch taugt Mathematik zumindest dazu, die Ausbeute von Sportvereinen zu prüfen. Und die ist – gemessen an den Erwartungen – bei zwei Ratinger Top-Klubs derzeit desaströs.

Die Handballer der SG Ratingen haben das Saisonziel Aufstieg in die Dritte Liga ausgegeben. Nach einem schlechten Start und der jüngsten 25:31-Niederlage beim Tabellenführer TuS Opladen, die leicht eine Klatsche hätte werden können, ist das Team des Trainerduos Marcel Müller und Ace Jonovski Neunter und mit 5:7 Punkten deutlich näher an einem Abstiegsplatz als an der Spitze. Sechs von 26 Spielen sind absolviert, also bereits – gerundet – 23 Prozent der Partien. Nur zwei der sechs Spiele gewann die SG, das sind 33 Prozent, fünf von zwölf zu vergebenden Punkten holte sie, das sind 42 Prozent. Alles andere als meisterlich.

Bei den Fußballern von Ratingen 04/19 sollte es unter die ersten Fünf der Oberliga gehen, als Tabellen-14. ist das Team von Alfonso del Cueto derzeit davon genauso weit entfernt wie vom ersten Abstiegsplatz: Zu Rang fünf wie zu Rang 15 sind es sechs Punkte. Auch wenn die Saison schon ein wenig weiter fortgeschritten ist als die der Handballer – 14 von 34 Spielen, also 41 Prozent sind absolviert –, so sind die weiteren Zahlen nicht nur vergleichbar, sondern fast identisch: Fünf von 14 Spielen gewann 04/19, das sind 35 Prozent, 17 von 42 Punkten holte es, das sind 41 Prozent.

Mit diesen Ausbeuten dürften beide Klubs ihre Ziele klar verfehlen und am Ende bestenfalls im Niemandsland der Tabelle ihrer jeweiligen Liga landen. Schon jetzt ist es für die SG Ratingen eine Saison, in der sie auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen muss und selber eigentlich schon keinen Punkt mehr abgeben darf. Und selbst dann erscheint es derzeit unmöglich, dass der so stabile TuS Opladen, der unter anderem auch die Spitzenteams TV Korschenbroich und Tusem Essen II schlug, das große Polster auf die SG noch verspielt. Zwar tun sich in Drittliga-Absteiger SG Langenfeld (Tabellenzehnter, punktgleich mit Ratingen) und Vorjahresmeister MTV Rheinwacht Dinslaken (Vorletzter, 3:9 Punkte) auch andere vermeintliche Schwergewichte schwer in der Regionalliga, das darf aber nicht als Maßstab gelten für die Ratinger, die mit ihren Ex-National- und -Bundesligaspielern über unglaublich viel Erfahrung und eigentlich auch individuelle Klasse verfügen. Da sie das aber in dieser Saison noch nicht konstant abrufen konnten, droht den Handballern das Niemandsland.

Für die Fußballer wiederum kann es sogar noch schlimmer kommen, wenn man die aktuelle Verfassung zugrundelegt. Betrachtet man die letzten sieben Spiele – also exakt die Hälfte der absolvierten –, gab es bei einem Torverhältnis von 7:17 nur vier Punkte durch einen Sieg (4:2 in Meerbusch), ein Unentschieden (0:0 gegen Schonnebeck) und fünf Niederlagen. Da zwei davon gegen die Kellerkinder SC Velbert und Cronenberger SC passierten, gab 04/19 sogar Punkte an die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf ab. In dem wähnen sich die Ratinger – noch – nicht, das kann aber trügerisch sein. Immerhin holten zwei Teams, die hinter 04/19 auf einem der vier Abstiegsplätze stehen, in den vergangenen sieben Spielen mehr Punkte: Union Nettetal (7 Punkte durch zwei Siege und ein Remis) und Cronenberg (5 Punkte durch den Sieg gegen Ratingen und zwei Unentschieden).

Sport ist sicher keine Mathematik, die Zahlen sprechen aber aktuell nicht für die beiden Ratinger Klubs.