Fußball: Erst treffen sie nicht, dann bauen sie ab

Fußball : Erst treffen sie nicht, dann bauen sie ab

Nach einer guten Halbzeit muss die Dumeklemmerelf gegen Sonsbeck zur Pause klar führen. Nach dem Wechsel kommen die Ratinger nicht mehr in Fahrt und können am Ende sogar den einen Zähler noch verlieren.

Der VIP-Raum war nach dem Spiel so leer wie selten. "Hier herrscht ja Beerdigungsstimmung", stellte der Vorsitzende Jens Stieghorst fest. Auch eine Art Volkstrauertag. Die wenigen Zuschauer, die sich bei dem usseligen Novemberwetter aus dem Haus gewagt hatten, waren froh, im warmen Wohnzimmer auf die Couch zu dürfen.

Lediglich eine halbe Stunde lang hatten es die Blau-Gelben verstanden, die Herzen ihrer Anhänger bei kühler Witterung und Nieselregen zu erwärmen. Vor allem in der ersten Viertelstunde lief der Ball, da wurde kombiniert, da gab es sogar Szenenapplaus. Drei gute Chancen wurden allerdings auch vergeben. Zunächst schoss Ferhat Ülker nicht selbst, sondern spielte noch einmal auf Yannic Melis ab, der den Ball jedoch nicht mehr richtig traf. Sascha Meier versuchte sich als Ibrahimovic aus über 30 Metern. Daniel Rehag schoss frei stehend aus zehn Metern am Tor vorbei. Schließlich schoss Ülker (33.) noch Sonsbecks Torhüter Weigl an. Dem Torjäger fehlt ein Erfolgserlebnis und derzeit das nötige Selbstvertrauen.

"Zur Pause konnten wir natürlich 0:2 oder 0:3 zurückliegen", gestand Sonsbecks Trainer Horst Riege, dessen Team vor dem Wechsel nur ein, zwei Mal nach vorne kam. Das Chancenverhältnis im zweiten Durchgang sprach mit 3:2 nicht nur für die Gäste, die Qualität der Möglichkeiten war auch besser. Zunächst schoss Isailovic über den Kasten, dann klärte Dennis Ter Haar einen Kopfball von Isailovic auf der Linie und Sekunden vor dem Abpfiff schoss Rohrbach am Ratinger Tor vorbei.

Nachdem die Ratinger in den ersten 14 Spielen nur einmal ohne Torerfolg geblieben waren, warten die Blau-Gelben nun seit 195 Minuten auf einen Treffer. "Das ist nicht gut und für uns ungewöhnlich", meint der Coach verwundert. Das liegt an der Abschlussschwäche, die vor der Pause deutlich wurde, aber auch an der spielerischen Armut und Bewegungslosigkeit nach dem Wechsel. Da stießen die Offensivspieler nicht in die Spitze, da kam keine Gefahr von Außen, da gab es zu viel Stillstand im Mittelfeld, wurde zu oft quer und nach hinten gespielt. Und Ismail Cakici ist keine Alternative für die linke Seite, sondern allenfalls in der Spitze. Da wäre es sicherlich effektiver gewesen, Sascha Meier an der Linie marschieren zu lassen.

Positiv ist, dass die Mannschaft im dritten Spiel in Folge ohne Gegentor blieb. "Damit bin ich zufrieden", sagt Alfonso del Cueto. "Aber wir wollen oben dran bleiben. Da ist ein Unentschieden zu wenig."

Ein Sieg in den letzten fünf Spielen — das ist enttäuschend und entspricht nicht den Ratinger Ansprüchen. Schließlich will der RSV am 2. Dezember als Tabellenzweiter den Spitzenreiter KFC Uerdingen erwarten — und ihm die erste Saisonniederlage beibringen.

(RP/rl)
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