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Dirk Kiontke unterstützt den SV Hösel, wo er nur kann

Serie Urgesteine im Ratinger Sport, Teil 6 : Ein Vereinsjuwel, auch von daheim aus

In unserer Serie widmen wir uns Sportlern, die das Gros ihrer Karriere bei einem einzigen Verein Ratingens verbracht haben. Heute: Dirk Kiontke vom SV Hösel, der trotz Erkrankung seinen Klub weiterhin voll unterstützt.

Beim SV Hösel sind die Kommentare von Dirk Kiontke zu den Fußballspielen der Blau-Weißen das berühmte „Salz in der Suppe“. Egal, wie sich die Cracks vom Neuhaus geschlagen haben, dort und in ganz Ratingen hören die Fußballfans begeistert hin, was der 54-Jährige zu sagen hat. Das Gute dabei: Nie wird eine gegnerische Mannschaft irgendwie beleidigt, nie ein Schiedsrichter Worte hören, die auf dem Fußballplatz nichts zu suchen haben. Zu den Unparteiischen hat Kiontke ohnehin ein besonderes Verhältnis. Bei den Heimspielen empfängt er sie vor dem Clubhaus und kümmert sich bestens um ihr Wohl. Er meint dazu: „Ich kenne die Jungs fast alle. Und sie kennen mich. Wir haben immer ein besonderes Verhältnis zueinander.“

Allerdings ist es seit einiger Zeit ruhiger geworden um den Programmierer einer größeren Velberter Firma. Schon seit zwei Jahren quälen ihn erhebliche gesundheitliche Probleme, seine Sportplatzbesuche wurden seltener. Im rechten Armbereich ist eine Entzündung entstanden, die sich ausbreitete, die ständigen Schmerzen sind nur mit starken Tabletten zu ertragen. Und das hat Folgen, seine Heiligenhauser Wohnung kann er derzeit nur unter großen Anstrengungen verlassen. Und die Arztbesuche bedeuten wegen Corona ebenfalls größte Probleme. „Ich kann es kaum beschreiben“, so der langjährige Vize-Chef des SV Hösel, der noch dem erweiterten Vorstand angehört, „wie ich den Tag herbeisehne, dass ich wieder schmerzfrei zum Fußball gehen kann.“ Seit zwei Jahren ist er krankgeschrieben. „Auch das sehne ich herbei, endlich wieder arbeiten zu können“, so der überall beliebte Junggeselle. „In meiner Jugend hatte ich einige Freundinnen“, meint er zu diesem Thema, „aber da waren mir die Arbeit, der Fußball und die große Freiheit wichtiger. Das war vielleicht ein Fehler.“

Nun leistet er für seinen SV Hösel von daheim aus wertvolle Arbeit. So wird am Neuhaus ein Spielplatz geplant, die Kosten liegen bei rund 10.000 Euro, und bei den Planungen ist er voll dabei. „Die Kinder können dann dort spielen und die Eltern sorgenfrei unsere Fußballspiele verfolgen“, erklärt Kiontke. Zudem stellt er die Berechnungen auf, damit alle Spieler beim Bezirksliga-Aufsteiger (derzeit Platz elf, sieben Partien sind absolviert) pünktlich ihr Geld bekommen. Er schätzt, dass er bisher zwischen 70 und 90 Spieler nach Hösel locken konnte und verschweigt auch nicht, dass das nicht kostenlos ging. Größenordnungen freilich sind nicht zu erfahren. 

Und dann kommt riesige Begeisterung in Kiontke auf, wie diese Deals in der Regel abgingen. „Treffpunkt waren oft die Kneipen in der Ratinger Innenstadt“, erzählt er. „Dann haben wir uns was Gutes gegönnt, und gegen Mitternacht war alles in trockenen Tüchern.“ Kiontke hat auch aktiv Fußball gespielt, in der Jugend als Heiligenhauser Junge bei TVD Velbert. „Ich war dünn, und schnell“, erinnert er sich. „So konnte ich über die rechte Außenbahn viel bewegen. Aber zwei Fußbrüche ließen schon früh kein Fußballspielen mehr zu.“ Dann traf er 1988 in einer Heiligenhauser Kneipe den damaligen Höseler Spieler Uwe Darkow. Der nahm ihn mit an den Neuhaus, und der damalige Vereinsboss Detlef Zimmermann erkannte umgehend, welch ein Vereinsjuwel da auf der Matte stand. Peter von Hamm, damals auch Vorstandsmitglied und heute Inhaber der Höseler Kneipe „Boltenburg“, zeigte ihm, was im Verein so abgeht.

Dann ließ ihn der SV Hösel nie mehr los. „Und jetzt hoffe ich nur noch, dass 2021 besser wird“, so Kiontke. „Derzeit ist für mich jeder Tag die Hölle. Aber ich habe gute Freunde im Verein, mir wird immer geholfen, wo es nur geht.“ Dafür ist der SV Hösel weit über die Grenzen hinaus bekannt. Männer wie Vereinsboss Jürgen Kötte, dessen Vize Markus Mayer oder Geschäftsführer Wolfgang Schulte, die vergessen niemanden, der einmal etwas für den Klub geleistet hat.