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Die Probleme des TV Ratingen in der Corona-Krise

Interview Marion Weißhoff-Günther : „Es kommt auf die Mitglieder an“

Der Landessportbund (LSB) hat berichtet, er könne trotz der Coronavirus-Pandemie keinen Mitgliederschwund bei seinen Vereinen feststellen, eher das Gegenteil sei der Fall. Marion Weißhoff-Günther, Vorsitzende des TV Ratingen, findet, das sei nur die halbe Wahrheit.

Was sagen Sie zu den Zahlen des LSB?

Weißhoff-Günther Die sind aus Sicht des LSB zwar richtig, aber die Bestandsaufnahme erfolgt nur einmal im Jahr. Das System ist so, dass wir Vereine einmal Anfang jedes Jahres die Mitglieder zählen und an den LSB melden. Die Zahl stammt also aus dem Januar, also noch vor Corona. Welche Auswirkungen die Pandemie darauf hat, sieht der LSB erst Anfang nächsten Jahres.

Wie ist es beim TV Ratingen?

Weißhoff-Günther Da muss ich kurz ausholen. Unsere Satzung ist ja anders als die vieler anderer Vereine. Bei uns kann man sich quartalsmäßig an- und abmelden, deswegen können wir zeitnah Veränderungen wahrnehmen. Von Januar bis März hatten wir 389 Neuanmeldungen, im zweiten Quartal nur noch 24. Wir hatten zu März rund 6400 Mitglieder, das war der höchste Bestand, den der TV Ratingen jemals hatte. Jetzt sind es 200 weniger, aber entscheidender ist die Zahl der Leute, die momentan keinen regelmäßigen Sport treiben: Da sind es 850 weniger als im März. Fakt ist, dass wir derzeit 25 Prozent weniger Mitgliedsbeiträge haben. Und das, obwohl wir den Betrieb hochgefahren haben, die Studios wieder öffnen konnten und outdoor viele pfiffige Konzepte umgesetzt haben. Und fehlen also die Leute, die sonst kommen und die Leute, die neu kommen würden.

Der TV hat seinen Mitgliedern angeboten, sich passiv zu melden. Wie wurde das angenommen?

Weißhoff-Günther Sehr gut, rund 1000 Mitglieder haben das genutzt und zahlen so nur sechs Euro im Monat. Davon haben sich inzwischen 160 wieder aktiv gemeldet. Auf der einen Seite zeigt das: Die Mitglieder laufen nicht weg, das ist toll. Auf der anderen Seite ist es nicht so, dass die Leute alle zu Hause sitzen und darauf warten, wieder Sport machen zu können. Manche haben Angst vor einer zweiten Welle und wollen noch abwarten, für andere sind andere Dinge gerade viel wichtiger. Damit müssen wir leben. Wir wollen nicht klagen oder jammern, aber was kommuniziert wird – dass es den Vereinen gut gehe –, ist nur die halbe Wahrheit. Es kommt weiter auf die Mitglieder an, und wir sind froh, wenn sie sich wieder aktiv melden und unsere Angebote nutzen.

Wie viel hat Corona den TV bisher gekostet?

Weißhoff-Günther Der erste Monat hat uns finanziell fast gar nichts gekostet, weil wir die Einbußen über Kurzarbeit kompensieren konnten und nicht notwendige Ausgaben geschoben haben. Aber das ist jetzt nicht mehr relevant, denn die Zeit mit Kurzarbeit ist fast vorbei. Und jetzt müssen wir klotzen und gucken, dass alles läuft, und dafür brauchen wir unsere Hauptberufler und ehrenamtlichen Honorarkräfte. Unsere schwierige Zeit kommt im Herbst. Daher müssen wir jetzt alle motivieren, wieder aktiv zu werden. Wir sind für alle da. Wir haben ein hoch interessantes und abwechslungsreiches Sommerprogramm zusammengestellt für Mitglieder und Nicht-Mitglieder und freuen uns über eine rege Teilnahme.