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Der Weltverband IHF hat drei Regeln im Handball geändert

Handball : Schiedsrichter brauchen Fingerspitzengefühl

Der Weltverband IHF hat Anfang Juli drei Regeln im Handball geändert. Überarbeitet wurden die Themen Anwurf, Zeitspiel und Kopftreffer bei Torhütern. Bei den beiden letztgenannten ist der Einflussbereich der Schiedsrichter womöglich noch etwas größer geworden.

Die Saisons in den Handball-Ligen starten zwar erst wieder Anfang September, doch bis dahin haben Aktive nun Zeit, sich drei neue, beziehungsweise geänderte Regeln einzuprägen, die deutschlandweit in allen Spielklassen angewandt werden. Der Weltverband IHF will damit das Spiel noch schneller und sicherer machen. Was sich geändert hat und was zu Problemen führen könnte.

1. Anwurfzone Bislang konnte nach einem Torerfolg des Gegners das Spiel erst wieder angepfiffen werden, wenn ein Spieler der Mannschaft, die das Tor kassiert hatte, mit Ball auf der Mittellinie kurz verharrte und von dort den Ball wieder in den nächsten, eigenen Angriff brachte. Einfach über die Linie zu laufen wurde mehr oder weniger konsequent zurückgepfiffen, das Tempo aus der Abwehr verpuffte dann. Ab jetzt soll eine Anwurfzone eingeführt werden, deren Durchmesser rund vier Meter beträgt. Läuft ein Spieler nach einem Torerfolg des Gegners durch diese, kann er den nächsten Angriff einleiten – ein Abstoppen ist nicht mehr erforderlich, und der Raum zum Ausführen des Anwurfes ist deutlich größer. Damit soll das Tempo des Spiels erhöht werden.

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Problem Vorgesehen ist, dass der Mittelkreis zur Anwurfzone erklärt wird – der ist aber unterhalb der Profiligen längst nicht in allen Sporthallen vorhanden. Der Bundesrat des Deutschen Handballs lässt eine pragmatische Lösung zu, dass ein Mittelkreis mit Tape auf dem Hallenboden angedeutet werden kann. Es bleibt abzuwarten, wie lange das Klebeband hält, sollten beispielsweise mehrere Spiele hintereinander in einer Halle sein und entsprechend viele Füße immer wieder darüber laufen.

2. Passives Spiel Vorab: Das Ermessen, ab wann der Angriff einer Mannschaft als Zeitspiel angesehen wird, bleibt in der Hand der Schiedsrichter. Damit haben sich Befürworter einer „Shotclock“ wie im Basketball, bei der jede Mannschaft einen vorgegebenen Zeitraum für einen Angriff hat und die Zeit sichtbar für alle herunterläuft, nicht durchgesetzt. Dass ein Zeitspiel von den Schiedsrichtern abgepfiffen wird, wurde einst sehr unterschiedlich gehandhabt. Im Juli 2016 führte der Weltverband deshalb die Regel ein, dass ab dem Moment, in dem die Unparteiischen den Arm zum sogenannten Vorwarnzeichen heben, nur noch sechs Pässe gespielt werden dürfen, bevor ein Abschluss erfolgen muss – ansonsten wechselt der Ballbesitz. Diese Anzahl wird nun weiter reduziert, ab der kommenden Saison sind nur noch vier Pässe erlaubt, sobald der Arm der Schiedsrichter, die weiterhin die Anzahl der Pässe mitzählen, erhoben ist. Auch diese Maßnahme soll das Spiel schneller machen und die oft langen Spielphasen nach dem „Vorwarnzeichen“ verkürzen. Als Ausnahme bleibt, dass bei Ein- oder Freiwürfen ein zusätzlicher Pass zu einem Mitspieler möglich bleibt.

Problem Die Einflussmöglichkeiten von Schiedsrichtern auf ein Handballspiel sind ohnehin nicht gering, das „Zeitspiel“ bleibt eine mehr oder weniger subjektive Entscheidung. Bei sechs Pässen hatte eine Mannschaft noch die Möglichkeit, so viele Pässe zu spielen wie Angreifer da sind – bei nur noch vier ist das nicht mehr möglich. Bedeutet: Es macht einen Unterschied, wann der Schiedsrichter den Arm zum „Vorwarnzeichen“ hebt. Geht der Ball just in diesem Moment zu einem Außenspieler in der Ecke des Feldes, sind die folgenden Möglichkeiten eingeschränkter, als wenn der Mittelmann gerade den Pass empfangen hat. Das sollten Schiedsrichter bedenken – ihr Einflussbereich ist durch die Reduzierung der Pässe etwas größer geworden.

3. Zeitstrafe bei Kopftreffern Vor ein paar Jahren wurde die Regel eingeführt, dass ein Spieler, der einen Torwart beim Siebenmeter am Kopf trifft, mit Rot vom Platz gestellt werden kann, wenn sich der Keeper beim Wurf nicht übermäßig bewegt hat. Diese Regel gibt es weiterhin, der Schütze trägt gerade bei einem Wurf, bei dem er volle Kontrolle über den Ball haben sollte, die Verantwortung, wo dieser landet. Neu ist ab kommender Saison, dass es auch „aus dem Spiel heraus“ persönliche Strafen für Kopftreffer bei Torhütern geben kann. Hat ein Spieler einen freien Wurf und trifft den Keeper am Kopf, kann der Schiedsrichter den Spieler für zwei Minuten vom Feld stellen. Damit soll die Gesundheit der Torhüter besser geschützt werden, denn Kopftreffer aus dem Spiel heraus kommen immer wieder vor, was bei den teils hohen Wurfgeschwindigkeiten und der kurzen Distanz gefährlich ist. Das neue Regelwerk nennt einen freien Wurf, wenn „sich zwischen dem Werfer und dem Torwart kein Verteidiger mehr befindet“.

Problem Um zu beurteilen, wann eine Wurfsituation wirklich frei ist, werden die Schiedsrichter noch bessere Augen und mehr Fingerspitzengefühl benötigen. Dreht sich beispielsweise ein Kreisläufer am Abwehrspieler und hat dann den Wurfarm frei, ist aber in einer vollen Seitwärtsbewegung, während der Torhüter im Wurf auf ihn zuspringt – hat der Schütze in dem Moment wirklich die volle Kontrolle über den Wurf? Selbiges gilt bei einem Durchbruch eines Rückraumspielers in den Kreis – da reicht ein kleiner, kaum sichtbarer Schubser in die Hüfte, um die Kontrolle über den Wurf vielleicht nicht mehr vollständig zu haben und dann eben nicht mehr exakt dahin zu treffen, wo der Schütze eigentlich hin werfen wollte. Um Torhüter zu schützen, ist die Regel sinnvoll, aber auch hier ist der Einflussbereich der Schiedsrichter nicht geringer geworden. Das sollte ihnen bewusst sein.