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Der Fußball-Verband Niederrhein hat die Vereine befragt

Wie geht es weiter mit der Saison? : Kontroverse Stimmung in der Fußball-Oberliga

Der Fußball-Verband Niederrhein hat die 23 Vereine der Oberliga befragt, elf sind eher gegen eine Fortsetzung der derzeit unterbrochenen Saison, zwölf eher dafür. Die Zeit läuft aber gegen die Klubs.

Die Videokonferenz des Fußball-Verbandes Niederrhein (FVN) mit den Vereinen der Oberliga, deren Saison seit Ende Oktober aufgrund der Coronavirus-Pandemie unterbrochen ist, hat keine klare Antwort auf die Frage ergeben, ob die Spielzeit fortgesetzt oder abgebrochen werden soll. Bei 23 Mannschaften gilt es als unwahrscheinlich, dass auch nur die Hinrunde regulär zu Ende gespielt werden kann, zu viel steht noch aus – unter anderem der VfB 03 Hilden hat erst sieben Partien absolviert, die Sportfreunde Baumberg stehen dagegen schon bei elf.

So verschieden wie diese Zahlen waren auch die Stimmungen. Zwölf Vereine stehen einer Fortsetzung der Saison eher skeptisch bis ablehnend gegenüber, elf Vereine wollen sie so lange fortsetzen, wie das irgendwie möglich ist. Zu letzteren gehört auch Ratingen 04/19. „Natürlich sind wir nicht blind und sehen die Auswirkungen der Pandemie“, sagt der 2. Vorsitzende Michael Schneider. „Aber auch wenn wir es nicht selbst in der Hand haben, würden wir uns eine sportliche Lösung wünschen.“

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Genau da liegt aber das Problem: Die Zeit läuft gegen die Oberligisten. Zwar könnte aufgrund der Beschlüsse von Bund und Ländern ab kommenden Montag wieder ein Trainingsbetrieb stattfinden, sofern die Inzidenz der Neuinfektionen unter dem kritischen Wert von 100 bleibt – allerdings nur mit Selbsttests. Und da stellt sich eine Frage, die schon Jupp Schmitz vor rund 70 Jahren besungen hat: Wer soll das bezahlen? „Ein Schnelltest kostet 3,95 Euro“, sagt Schneider und rechnet für seinen Oberliga-Kader zusammen: „Damit würde uns jede Trainingseinheit rund 300 Euro kosten, und das drei- bis viermal pro Woche. Selbst wenn wir das für die Oberligamannschaft machen könnten, wollen wir die ja nicht anders behandeln als unsere anderen Teams. Wie sollten wir das unserer Reserve in der Bezirksliga oder unseren A-Junioren erklären?“

So wollen die Ratinger zwar die Infrastruktur für Testungen einrichten, aber wahrscheinlich erst die nächste Ministerpräsidentenkonferenz ebenfalls am kommenden Montag abwarten – sollten dann aufgrund derzeit steigender Inzidenz, die im Kreis Mettmann am Mittwoch bei einem Wert von 85,1 lag, Lockerungen wieder zurückgenommen werden, wären alle Pläne ja wieder hinfällig. Zu beachten ist außerdem, dass Städte und Kommunen ihre Plätze selber sperren dürfen. Deshalb müssen die geltenden Vorschriften vor Ort berücksichtigt werden.

Ein testfreier Trainingsbetrieb ist erst – Stand heute – ab 5. April vorgesehen. Dass die Oberligisten dann noch alle Saison- und Pokalspiele bis zum 30. Juni, über den hinaus die Spielzeit aus sportrechtlichen Gründen nicht hinausgehen darf, absolvieren können, ist mehr als fraglich. Das haben auch sehr kontroverse Diskussionen der Vereinsvertreter in den Sozialen Medien in den vergangenen Tagen gezeigt. Auch wenn Ratingen 04/19 eine Fortsetzung befürwortet, sieht Schneider es skeptisch, dass es „regulär“ weitergehen kann: „Wir müssten dann nach zwei bis drei Wochen Vorbereitungszeit von null auf hundert in Volllast gehen – und die Pandemie ist ja nicht vorbei. Das stellt sich die Frage: Wer soll das verantworten?“

Die Oberliga ist das Sorgenkind, weil sie so groß ist, und sie hat das Problem, dass sie eigentlich einen Aufsteiger in den professionellen Fußball der Regionalliga stellen soll. Was passiert, wenn das ausbleiben muss, ist noch nicht geklärt. Sportjuristisch gäbe es die Möglichkeit, dass es auch weniger Absteiger aus der Regionalliga geben könnte. Der FVN will die Vereine wohl nach der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag erneut befragen und holt derzeit auch ein Stimmungsbild der Landes- und Bezirksligen ein.