Handball: Das Löwenrudel und der Rechenschieber

Handball : Das Löwenrudel und der Rechenschieber

Drei Spiele stehen in der Handball-Regionalliga noch aus, drei Punkte muss die SG Ratingen zum Aufstieg aufholen.

 Die Unsitte, dass entscheidende Gruppen- oder Ligaspiele an unterschiedlichen Zeitpunkten ausgetragen werden, ist im Fußball seit spätestens 1978 Geschichte. Damals wusste WM-Gastgeber Argentinien vor dem letzten Gruppenspiel gegen Peru genau, welches Ergebnis dem Team zum Einzug ins Finale (und damit letztlich zum Weltmeistertitel) reichen würde – da alle Kontrahenten vorher schon gespielt hatten. Im Handball scheint diese Wettbewerbsverzerrung noch nicht aufgefallen zu sein. Wie sonst käme der Westdeutsche Handballverband auf die Idee, die beiden Spitzenteams Dinslaken und Ratingen am letzten Spieltag gar an zwei unterschiedlichen Tagen auflaufen zu lassen?

Drei Punkte müssen die Ratinger noch auf den Tabellenführer Dinslaken aufholen, soll es noch mit der Aufstiegsrelegation klappen. Vor dem letzten Spieltag, wenn die SGR in Essen spielt, sind zwei Szenarien möglich: Entweder hat Dinslaken vorher genug Punkte gesammelt und zieht sicher in die Regionalliga ein – oder die SG Ratingen weiß genau, wie viele Punkte sie benötigt, um doch noch aufzusteigen.

Obwohl die Ratinger bei dieser Konstellation gar im Vorteil sind, findet Co-Trainer Marcel Müller das alles ziemlich daneben. „Wir haben uns darüber schon unterhalten und finden das extrem ärgerlich“, sagt er. „Das nimmt doch die ganze Spannung des letzten Spieltags irgendwie weg. Alle Sportarten dieser Welt kriegen das hin.“

Doch bevor dieser letzte Spieltag am 4. und 5. Mai überhaupt ausgetragen wird, geht es für Ratingen und Dinslaken noch zwei weitere Male um Punkte: Dinslaken (36 Punkte und den gewonnenen direkten Vergleich) muss noch gegen Siebengebirge, Essen und in Korschenbroich ran. Die Ratinger (34) spielen gegen Königshof, Siebengebirge und Essen. Letztere Teams können dabei den Königsmacher spielen, da sie noch gegen beide Teams antreten müssen.

Müller indes will sich mit möglichen Aufstiegskonstellationen erst gar nicht beschäftigen. „Dinslaken ist vorne“, betont er. „Und das auch verdient. Wir müssten ja erst einmal unsere Spiele gewinnen“, sagt er. Dabei mutet die erste Aufgabe, beim Tabellenletzten Königshof in Krefeld (Samstag, 19.30 Uhr), eher leicht an. „Ich freue mich da auf ein Wiedersehen mit Sebastian Bartmann. Er hatte mir eigentlich versprochen, dass sie sich gegen Dinslaken besonders reinhängen, das hatte leider nicht geklappt. ich hoffe jetzt, dass es gegen uns nicht besser wird.“

Geschäftsführer Bastian Schlierkamp beschäftigt sich derweil sehr wohl mit allen möglichen Szenarien. Er muss: „Wir müssen schließlich alle Unterlagen für einen möglichen Aufstieg einreichen“, betont er. „Außerdem müssten ja mögliche Termine für eine Aufstiegsrelegation, in die der Regionalliga-Meister ja gehen muss, geklärt werden. Wir hoffen natürlich noch auf Ausrutscher von Dinslaken, kümmern uns aber erstmal um unsere eigenen Hausaufgaben.“

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