Nach Mehrkampf-Meeting in Ratingen Wolter will jetzt zum Oktoberfest

Ratingen · Der in Ratingen zweitplatzierte Zehnkämpfer Felix Wolter verpasst Olympia, doch nicht nur wegen seines Duells mit Till Steinforth war das 27. Mehrkampf-Meeting wieder ein Highlight: dank Ehrenamtlicher, Vereinsstaffeln, Organisation und Aktion.

 Vor der voll besetzten Haupttribüne: Felix Wolter beim Weitsprung innerhalb des 27. Mehrkampf-Meetings in Ratingen.

Vor der voll besetzten Haupttribüne: Felix Wolter beim Weitsprung innerhalb des 27. Mehrkampf-Meetings in Ratingen.

Foto: Achim Blazy (abz)

Das 27. Mehrkampf-Meeting beim TV Ratingen war wieder ein sportlicher Höhepunkt in der Dumeklemmerstadt. Das Wetter passte an beiden Tagen, die Organisation ist eingespielt, der Einsatz der rund 300 ehrenamtlichen Helfer nicht angemessen genug zu würdigen – zwölf bis 16 Stunden verbrachten einige pro Tag im Stadion. Die Tribünen und bei manchen Disziplinen auch Bereiche des Rasens waren bestens besucht, die Stimmung ist eh stets einzigartig und schwillt nicht nur bei Top-Leistungen der Mehrkämpfer, sondern auch bei den Vereinsstaffeln der Kinder an.

Die ehrenamtlichen Helfer vom TV Ratingen bedienten etwa den Grill, hier Stefan Oberwinster.

Die ehrenamtlichen Helfer vom TV Ratingen bedienten etwa den Grill, hier Stefan Oberwinster.

Foto: Achim Blazy (abz)

Bei denen hatte am Samstag der Haaner TV gewonnen vor der Konkurrenz aus Korschenbroich, Kleinenbroich, Ratingen und Myhl. Am Sonntag jubelte dann die Heimmannschaft, der TVR gewann vor den Staffeln aus Heiligenhaus, Remscheid, Wuppertal, Viersen und Erkrath. Gewinner sind bei diesen Wettbewerben aber ohnehin alle: Die Kinder, die vor Tausenden Zuschauern mit sichtlichem Spaß laufen ebenso wie die Besucher, die diese kindliche Unbefangenheit in den Bann schlägt. Jule, das Maskottchen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), brachte die Kinder bei der Pokal-Übergabe noch mehr zum Strahlen – wie es bei dem „Bär“ unter dem Kostüm bei fast 30 Grad ausgesehen haben mag, ist unschwer vorzustellen. Respekt dafür.

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Dass es sportlich kein herausragendes Meeting war und bei der sonst üblichen Fernsehpräsenz aufgrund der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland Abstriche gemacht werden mussten – geschenkt. Der DLV informierte online ausführlich und live in Ergebnissen und einem professionellen Stream, selbst wer nicht vor Ort sein konnte, konnte das Meeting komplett verfolgen.

So auch den Sieg von Sandrina Sprengel bei ihrer Ratingen-Premiere, mit dem sie jetzt schon so viele Punkte sammelte, dass die U20-Europameisterin von der LG Steinlach-Zollern gute Karten für einen Start bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Tokio hat. Oder den Zweikampf von Till Steinfort, der für den zweiten Premieren-Sieg sorgte, mit Verfolger Felix Wolter.

Steinforth lobte später das „mega Publikum“ und die sehr gute Organisation. Der Athlet vom SV Halle, der in den USA studiert, fasste seinen Sieg mit Bestleistung zudem so zusammen: „Eine Steigerung von mehr als 200 Punkten ist natürlich super. Dabei hatte ich sogar noch schwächere Disziplinen wie das Kugelstoßen und den Stabhochsprung mit 4,70 Metern. Bei dieser Höhe habe ich 2023 angefangen. Aber da hat einfach zuletzt im Training die Konstanz gefehlt. Stolz bin ich auf die 1500 Meter. Da haben sich die vielen Tempoläufe ausgezahlt. Ich bin die 1000 Meter exakt so schnell angelaufen wie geplant. So wusste ich, dass ich noch Luft für die letzten 500 Meter habe. Ich hoffe natürlich, dass die Entwicklung so weitergeht. Denn in vier Jahren möchte ich bei den Olympischen Spielen dabei sein, das ist mein Anspruch. Bis dahin sind 8400 bis 8500 Punkte mein Ziel.“

 Bei manchen Disziplinen, wie hier beim Stabhochsprung, können die Zuschauer auf den Rasen.

Bei manchen Disziplinen, wie hier beim Stabhochsprung, können die Zuschauer auf den Rasen.

Foto: Achim Blazy (abz)

Wolter, der nur zehn Tage vorher bei der Europameisterschaft in Rom gestartet war, sagte: „Der Stolperer bei den Hürden hat natürlich etwas Zeit gekostet. Mehr Punkte habe ich jedoch beim Speerwurf verloren. Generell war es ein guter Zehnkampf, so kurz nach der EM hat aber die Frische gefehlt. Damit ist der Olympia-Traum vorbei. Das ist natürlich bitter, denn dafür machen wir ja den Sport. Trotzdem bin ich zufrieden. Schließlich war es mein dritter Zehnkampf innerhalb von fünf Wochen. Gut geklappt hat der Stabhochsprung. Nach den 5,00 Metern hatte ich Tränen in den Augen. Ende September geht’s für mich wieder in die USA – vorher aber noch aufs Oktoberfest, da war ich jetzt schon vier oder fünf Jahre nicht mehr.“

Die in diesem Jahr herausragende Aktion beim Meeting indes waren die Mini-Bäume, die den Siegern der Disziplinen übergeben wurden, und symbolisierten, dass nun ein echter „Champions-Wald“ auf Ratinger Stadtgebiet angepflanzt wird.