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Coronavirus verhindert Treffen der Spieler aus Maubeuge und Lintorf

Schach im Internet : Schachverein spielt jetzt online

Die Coronavirus-Pandemie verhinderte einen Gegenbesuch der Spieler aus der Partnerstadt Maubeuge – so boten die Lintorfer Schachfreunde an, im Internet gegeneinander anzutreten. Das hat Vor- und Nachteile, aber es hilft in der Krise ein wenig.

Partnerschaften müssen gepflegt werden, auch solche zwischen Städten. Das gestaltet sich in der Corona-Krise mit ihren Kontakt- und Reisebeschränkungen natürlich schwierig – der Schachverein Lintorf hat aber einen Weg gefunden, wie es zwischen Ratingen und Maubeuge auch im 62. Jahr der Partnerschaft „funken“ kann: mit Schachspielen über das Internet. Seit zwei Jahren sind die Lintorfer freundschaftlich verbunden mit ihren französischen Kollegen, im vergangenen Jahr waren sie in Maubeuge zu Gast. Den Gegenbesuch sollte es eigentlich an Ostermontag geben, das war aber in der Pandemie nicht möglich. So ganz wollte man sich davon aber nicht abhalten lassen – und spielte online gegeneinander. „Das war aber eher aus Spaß an der Freud’“, sagt Werner Debertin, der Vorsitzende der Lintorfer, die am heutigen Donnerstag ab 19 Uhr wieder mit den Maubeugern online zum Spielen verabredet sind.

Seit sechs Wochen können die Schachfreunde in Lintorf nicht in ihrem gewohnten Raum spielen, deswegen kam die Idee auf, das Internet dafür zu nutzen. Nach dem ersten wenig geglückten Versuch auf einer großen Plattform, haben sie nun eine gefunden, in denen sie sich als Team anmelden konnten. Das ist keine geschlossene Veranstaltung, wer Interesse am Schachspiel hat, kann sich bei Debertin melden (siehe Info-Kasten).

So gehören die Lintorfer zu einer in der Pandemie recht exklusiven Gruppe, die ihren Sport noch ausführen kann – wenn auch nicht von Angesicht zu Angesicht. „Das hat wie so oft zwei Seiten einer Medaille“, sagt Debertin. „Das Schachspielen funktioniert zwar online immer besser, der Nachteil ist, dass man dafür ja eigentlich nicht mehr in den Verein zu kommen braucht. Man braucht kein Gegenüber mehr für eine interessante Partie, man kann im Prinzip weltweit gegen jemanden spielen.“ Allerdings gilt auch: „Als positiven Nebeneffekt haben wir jetzt viele ehemalige Kinder, die in Münster, Aachen oder Spanien und Argentinien studieren und jetzt online wieder mitspielen.“

So nett das ist – den Schachsport verändert der Weg ins Internet natürlich auch dann, wenn die Regeln dieselben wie in der realen Welt bleiben. „Sonst kann man Mimik und Person des Gegenübers einschätzen, jetzt konzentriert man sich nur auf Figuren auf einem Bildschirm“, beschreibt Debertin. „Es haben zwar alle die gleichen Voraussetzungen, aber es ist nicht eins zu eins vergleichbar mit Turnierschach. Es gibt ja beispielsweise keinen Schiedsrichter, so dass theoretisch jemand helfen könnte, obwohl ich an das Fair Play glaube. Dann klingelt mal das Telefon oder es ist jemand an der Haustür – die Konzentration ist nicht zu 100 Prozent da. Und es fehlt vielleicht ein bisschen Ehrgeiz, weil es nicht um Wertungspunkte wie beim Turnierschach geht.“

Viel entscheidender ist aber: „Das Menschliche, Persönliche, das wir bei unserem Sport lieben, geht da verloren“, sagt Debertin. „An unseren Spieltagen unterhalten wir uns zwischen den Partien ja auch über andere Dinge. Das fehlt jetzt“, sagt Debertin, der zwar darauf verweist, dass man in einem Chat zumindest schreiben könnte, die Sprachbarriere mit dem Französischen das aber sehr einschränkt. Dennoch fanden sich ein Dutzend Lintorfer und Maubeuger zum Onlinespiel zusammen, so soll es auch heute Abend sein. Debertin sagt: „Es geht nicht um Preise, sondern um die Ehre und die Freude am Spiel.“ Und gerade letzteres ist doch in diesen Zeiten mit das wichtigste, insbesondere in Partnerschaften.