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Handball: "Bisher haben wir keinen Cent gezahlt"

Handball : "Bisher haben wir keinen Cent gezahlt"

Vorsitzender Bastian Schlierkamp über die SG Ratingen, ihre Entstehung, das Konzept und die Ziele.

Herr Schlierkamp, Sie waren in Solingen Bundesligaspieler. Jetzt führen Sie die SG Ratingen, die in vier Jahren dreimal aufgestiegen und für die die Oberliga noch nicht die Endstation sein soll. Warum tun Sie sich das an?

Schlierkamp Mir wäre es eigentlich viel lieber, Sie würden andere Leute im Verein fragen. Ich bin kein Alleinunterhalter. Wir haben viele, die täglich vorzügliche Arbeit leisten.

Wir möchten mit Ihnen sprechen.

Schlierkamp In Ordnung.

Sie sind Ur-Ratinger, haben in Hösel mit dem Handball begonnen, hier Ihr Abitur gebaut. Ist das der Grund, hier solch ein Projekt zu stemmen?

Schlierkamp Bob Hanning hat mich entdeckt und geprägt. So ist auch die Idee entstanden, hier in Ratingen etwas aufzubauen. Ich habe mit meiner Idee, besser gesagt mit der Idee meiner gesamten Familie, etwas Großes aufzubauen, bei fast allen Vereinen in der Umgebung angeklopft. In Lintorf, beim Turnverein, beim TV Angermund, in Wülfrath — nirgends war Begeisterung zu erkennen. Die haben sich oft nicht einmal zurück gemeldet. Beim Turnerbund 08 war das anders. Michael Zeidler und der Vorsitzende Michael Gerard zeigten sofort Interesse. Die dümpelten aber in der Bezirksliga ganz unten rum.

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Aber ein Verein geht nicht einfach so wie eine Rakete ab.

Schlierkamp Wir waren gewarnt von der damaligen DJK Hösel. Dieser Club hatte unter Horst Bredemeier in sieben Jahren sechs Aufstiege geschafft. Dann brach alles wie ein Kartenhaus zusammen. Der Turnerbund dagegen stand auf gesunden Füßen mit einer guten Führung, mit Jugendmannschaften, mit traditionellem Umfeld. Meine Familie und ich konnten da einsteigen. Wir brachten den Höseler Nachfolgeklub interaktiv mit. Den hatten meine Eltern vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Nun beschäftigen wir 230 Mitarbeiter. Wir sind an über 20 Schulen im Düsseldorfer Großraum tätig.

Und die Kräfte wurden jetzt gebündelt?

Schlierkamp Richtig. Mein Vater Rolf ist Schulleiter in Langenfeld. Er hat dort ein Handball-Teilinternat aufgebaut und viele Talente anderen Vereinen zugespielt. Die wollen wir künftig nach Ratingen holen.

Jetzt müssen wir uns aber auch einmal über Geld unterhalten. Wie wird das alles bezahlt?

Schlierkamp Bisher war das simpel. Ich bin als Handballer viel herum gekommen und kenne viele gute Spieler. Wir können berufliche Perspektiven bieten. Pascal Mahé, Pistolesi, Bothe, Schütte, Jens Engelen, mein Bruder Florian und ich — wir alle sind beschäftigt am Projekt interaktiv. Über diese Schiene wird es weiter gehen.

Aber so langsam werden diese Klasseleute, die nun kommen, auch Geld sehen wollen.

Schlierkamp Glaubt es mir — bisher haben wir keinen Cent bezahlt. Ich habe keine Goldmine im Keller. Künftig zahlen wir an drei Spieler Aufwandsentschädigungen. In der Regel sind unsere Spieler beruflich so erfolgreich, dass sie auf ein paar Euro nicht angewiesen sind.

Wie würde es denn bei der SG ohne die Familie Schlierkamp aussehen?

Schlierkamp Wir sind jetzt schon für die Zukunft ordentlich aufgestellt. Wir haben 16 Ehrenamtliche im Vorstand, alles vorzügliche Fachleute. Hinzu kommen fünf Leute für den Marketingbereich, die in Bochum und Köln studiert haben. Damit kann man vorzüglich arbeiten. Wir greifen an.

WERNER MÖLLER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(w-m)