Lokalsport: Bei der SG Ratingen herrscht Krisenstimmung

Lokalsport: Bei der SG Ratingen herrscht Krisenstimmung

Der Handball-Viertligist verliert durch fehlende Gegenwehr - und muss morgen schon wieder in Köln ran.

Khalid Khan ist müde, nach Erklärungen zu suchen. Erklärungen dafür, dass es die SG Ratingen binnen drei Wochen geschafft hat, eine eigentlich exzellente Ausgangsposition in der Handball-Regionalliga komplett zu zerstören. Dafür, dass das Löwenrudel seit neuestem komplett zahnlos agiert. "Fragen Sie die Mannschaft", sagt Khan. "Denn meine Schmerzgrenze wurde überschritten."

Die neuerliche Niederlage in Opladen, bei der die Ratinger ein kämpferisch jämmerliches Bild abgaben, offenbarte große Probleme. "Wir haben nicht dagegengehalten", sagt Kapitän Ben Schütte. "Der Trainer hat völlig recht, dass er sauer ist. Da brauchen wir auch nicht mit irgendwelchen Ansprüchen um die Ecke zu kommen."

Die Probleme der Ratinger haben mehrere Ursachen. Da ist zu allererst die personelle Besetzung. Durch den Ausfall von Marcel Müller und den Weggang von Kreisläufer Moritz Barkow tun sich eklatante Schwächen auf. "Marcels Ausfall trifft uns härter, als wir uns vielleicht eingestehen wollen", sagt Schütte. Und am Kreis ist Kai Funke seit Barkows Abflug in die Zweite Bundesliga alleine auf weiter Flur. "Kai kämpft, aber er muss es eben 60 Minuten alleine richten", sagt Schütte.

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Trainer Khan moniert jedoch vor allem den Einsatz seiner Schützlinge. "Was wir aktuell machen, ist Vermeidung von Körperkontakt. Dann ist man aber beim Handball komplett falsch. Und das müssen einige dringend verinnerlichen. Ich weiß aber auch nicht, was ich machen soll, damit unsere Spieler dem Gegner mal richtig eins auf die Glocke geben."

Es ist jedoch nicht nur das Körperspiel. Die beiden Torhüter Jascha Schmidt und David Ferne kriegen seit Wochen kaum eine Hand an den Ball. Die Deckung leistet nur Geleitschutz. Und außer Simon Breuer erreicht im Angriffsspiel fast niemand sein Potenzial. "Wenn Simon nicht 13 Tore in Opladen erzielt hätte, würde es noch schlimmer aussehen", gibt Schütte zu. Die rechte Achse mit Dominik Jung und Carsten Jacobs taucht gerade komplett ab. "Wir sind kaum noch Tempogegenstöße gelaufen in den letzten Spielen", sagt Schütte.

Was geändert werden muss, ist ihm klar. "Wir haben aktuell zu viele Mitläufer im Team. Beim Training ist die Beteiligung schlecht, wir schleppen uns irgendwie durch. Das muss man auch als Team klären, was für Ansprüche wir haben." Das sollte das Team indes schnell tun, denn schon morgen geht es weiter: Um 20 Uhr spielt das Löwenrudel beim TV Jahn Köln-Wahn. Und da ist nach der peinlichen Hinspielschlappe noch eine Rechnung offen.

(RP)
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