1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen
  4. Lokalsport

Auswirkungen für SG Ratingen, TV Ratingen, TuS 08 Lintorf

Wie geht es mit den Saisons weiter? : Das war’s mit Amateurhandball in 2020

Die Corona-Zwangspause wird im Handball von der 3. Liga bis zu den Kreisklassen bis mindestens Januar ausgedehnt. Für die Regionalliga existiert immerhin ein Perspektivpapier, das unter anderem die SG Ratingen initiiert hat.

Am Mittwochmorgen verschickte der Deutsche Handball-Bund (DHB) eine Mitteilung zur Situation in den Dritten Ligen und den Jugend-Bundesligen: Deren Spielbetrieb verantwortet der DHB und setzt ihn nun bis Ende des Jahres aus. Ursprünglich sollte die Corona-Zwangspause bis Mitte November gelten, nun wird sie ausgedehnt – auf einen Zeitpunkt, der in der Folge auch Auswirkungen auf die unteren Spielklassen bekam, die nach dem politisch beschlossenen Lockdown im Amateursport ohnehin den gesamten November pausieren müssen. Am Mittwochnachmittag schloss sich zuerst der Handball-Verband Mittelrhein (HVM) an und setzte seinen Spielbetrieb bis Anfang Januar aus.

Es ist anzunehmen, dass sich der Handball-Verband Nordrhein (HNR), der mit dem HVM die Regionalliga betreibt, in der unter anderem die SG Ratingen aktiv ist, dem Beschluss anschließen wird. Der Handball-Verband Niederrhein (HVN), der von der Ober- bis zur Landesliga verantwortlich unter anderem für den TV Angermund, den TuS 08 Lintorf und den TV Ratingen ist, hat es auch getan. Dass die Handballkreise mit den Bezirksligen bis zu den Kreisklassen dem folgen, dürfte als sicher gelten. Das wäre es dann – mit Ausnahme des Profi-Sports in den obersten beiden Ligen – wohl für dieses Jahr mit dem Handball in der Region gewesen.

Der DHB begründet seine Entscheidung für die 3. Ligen so: „Unser oberstes Ziel ist es weiterhin, verantwortungsvoll Möglichkeiten für Handball zu schaffen. Priorität haben dabei Wiederaufnahme und Fortführung des Trainings. Dies gilt insbesondere für die Nachwuchstalente. Unabhängig von der formalen Einordnung als Profi- oder Amateursport kämpfen wir für alle Mannschaften auf politischer Ebene darum, dass sie trainieren können, wenn sie dies tun wollen“, sagt Vorstandsvorsitzender Mark Schober und ergänzt: „Wir haben hierfür im ersten Lockdown mit dem Leitfaden ,Return to play‘ die Basis für in den Vereinen in der Zwischenzeit bewährte Hygienekonzepte geschaffen. Diese werden auch in der jetzigen Phase eine elementare Hilfe sein.“

Dass aber auch noch so strenge Konzepte Infektionen nicht ausschließen, musste der DHB gerade selbst erfahren, als sich bei den beiden Länderspielen in der vergangenen Woche mindestens zwei Nationalspieler ansteckten. Auch unter diesen Eindrücken fällt das Fazit von Matthias Kohlstrung, Vereinsvertreter in der Spielkommission 3. Liga, gemischt aus: „Wir wollen versuchen wieder zu spielen, sofern das möglich ist. Das sind wir unserem Handball schuldig. Allerdings müssen wir auch die bestmögliche Sicherheit für unsere Spieler erreichen.“

Wie es im neuen Jahr mit den Saisons weitergehen kann, in welchem Umfang Zuschauer möglich sein könnten und wie die Modi gestaltet werden könnten, will der DHB in den nächsten Wochen beraten.

Darüber, wie die Saison ausgespielt werden kann, haben sich unterdessen Vertreter der Regionalliga Nordrhein unter der Federführung von Alexander Zapf (HG Remscheid), Bastian Schlierkamp (SG Ratingen) und Simon Breuer (BTB Aachen) schon sehr konkrete Gedanken gemacht. In einem Positionspapier, das unserer Redaktion vorliegt, sind drei Szenarien mit unterschiedlichen Modi beschrieben, die die Initiatoren am Mittwochabend in einer Videokonferenz mit allen Vereinen der Nordrheinliga besprechen wollten. Im Überblick:

Szenario 1 Der Verband sichert zu, dass der Spielbetrieb ab spätestens Februar wiederaufgenommen werden kann. In diesem Fall könne die Saison fortgesetzt werden mit dem Ziel, die Hinrunde zu beenden, um eine faire Bewertungsgrundlage zu haben. Es soll keine Absteiger, aber einen Aufsteiger geben. Wichtig, weil bislang nicht möglich: Vereine, die aufgrund gesundheitlicher Bedenken nicht antreten wollen, dürfen ihre Mannschaft kostenlos zurückziehen, ihre bisherigen Ergebnisse werden nicht gewertet.

Szenario 2 Ein Zeitpunkt der Wiederaufnahme ist unklar, der Verband möchte aber einen Aufsteiger ausspielen. Dann sollte – so das Positionspapier – den Vereinen freigestellt werden, ob sie spielen möchten. Wer das nicht will, soll keine Nachteile haben. Dieses Szenario könnte in vier verschiedenen Modi ausgespielt werden: a) Jeder gegen Jeden, der Erste steigt in die 3. Liga auf; b) zwei bis drei Vierergruppen mit anschließenden Play-Offs, die je nach Zeit gestreckt oder gekürzt werden können; c) Play-Offs nach Vorbild der amerikanischen Football-Liga mit einer Setzliste, die vorher ausgelost wird; d) die Vereine melden entweder für eine Aufstiegsrunde, aus der der Sieger am Ende aufsteigt, oder für regionale Gruppen, in denen es nicht um Ab- und Aufstieg, sondern um das Spielen an sich geht.

Szenario 3 Falls der Verband keine Aussagen zum weiteren Spielbetrieb machen will und keine Perspektiven aufzeigen kann, würden die „Willigen“ unter den Klubs ein eigenes Aufstiegsszenario organisieren, um auch dem DHB zu signalisieren, dass sie Interesse an einer semi-professionellen Arbeit hätten.

Der Hintergrund In dem Positionspapier heißt es: „Uns allen ist klar, dass niemand verlässliche Aussagen zur Zukunft des Pandemie-Geschehens geben kann. Dennoch sollte es einen Plan geben, an dem sich alle Beteiligten orientieren können.“ Das hatte Schlierkamp als Geschäftsführer der SG Ratingen bereits vor rund zwei Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion angemahnt und hat nun selbst an einer möglichen Lösung mitgearbeitet. „Es ist unser Anliegen, dass diese Vorschläge als eine Art Arbeitshypothese dienen, die im Diskurs mit möglichst allen Vereinen und zuständigen Verbandsfunktionären weiter ausgearbeitet werden können“, heißt es in dem Papier.

Darin verdeutlichen die Initiatoren auch: „Die Lage ist ernst. Der Amateur-Handballsport in ganz Deutschland befindet sich in einer Krise. Die Verantwortlichen aller Vereine und Verbände haben in den letzten Monaten unglaublich viel Arbeit und Engagement in die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs gelegt. Spätestens durch das Verbot des Kontaktsports durch die Bundesregierung, das am 2. November in Kraft getreten ist, stellt sich nunmehr die Frage, wie es in unserem Sport weitergeht.“

Sorge bereite die „Perspektivlosigkeit, die sportliches und wirtschaftliches Handeln extrem erschwert, gar unmöglich macht. Diese wird zeitnah dazu führen, dass vorhandene Strukturen nachhaltig geschwächt werden und der Handballsport ein großer Verlierer der Pandemie sein wird.“ Daher sei es „Zeit zu handeln, um Vereinen, Sportlern, Sponsoren und Fans diese so wichtigen Perspektiven aufzuzeigen“. Dafür hätten die Initiatoren das Positionspapier entwickelt.