Integration: ASC kümmert sich um Integration in West

Integration : ASC kümmert sich um Integration in West

Der Breitensportverein hat sich das Thema Diversität auf die Fahne geschrieben – viele Freiwillige helfen dabei.

Wenn sie anfängt, über den ASC Ratingen West zu erzählen, dann schwärmt Ilham Arbaoui förmlich: „Ich habe hier früher selbst in der Damen-Mannschaft gespielt. Schon damals ging es nicht nur um den Sieg, sondern um das miteinander. Mein Wunsch war immer, dass meine Kinder auch beim ASC anfangen Sport zu machen. Und jetzt spielen meine beiden Söhne in der D3 Fußball und kommen hier immer gerne her. Ob zum Training oder zum Meisterschaftsspiel“, sagt die Mutter von Adam (10) und Nassr Eddine (11) voller Überzeugung.

Familie Arbaoui ist ein Paradebeispiel für das äußerst wichtige Thema der „Integration durch Sport“ beim ASC. Bekanntermaßen ist der Stadtteil Ratingen West Heimat von vielen Migranten. Mit seiner Integrationsarbeit versucht der ASC gewaltpräventive und gesundheitsfördernde Akzente zu setzen. Der Verein reagiert im Einzugsbereich mit beitragsfreien Sportgruppen auf die finanzielle und kulturelle Situation in der Hoffnung, auch diese Mitglieder gewinnen zu können.

Über die D3 der Fußballabteilung, in der Arbaouis Söhne Nassr Eddine und Adam spielen, gibt es einige interessante Geschichten zu erfahren, die sich andere Vereine und Institutionen zu Herzen nehmen könnten. „Julian, der Trainer der Mannschaft, ist großartig. Die Kinder kommen alle so gerne hier hin. Julian hat mit 14 Jahren hier als Trainer angefangen, demnächst wird er 17. Er hat den Kindern ganz viel soziale Kompetenz mitgegeben. Wenn er etwas sagt, dann ist Ruhe auf dem Platz. Hat jemand zu wenig zu trinken, bekommt er direkt etwas von seinem Mitspieler. Das ist ganz toll, wie sich die Kinder hier benehmen und verhalten“, erklärt Arbaoui.

Die wohl herzerwärmendste Geschichte ist zugleich auch die aussagekräftigste. „Im Team der Jungs spielt Eva als einziges Mädchen mit. Für die Jungs ist sie wie eine Schwester. In der letzten Saison wurde sie zur Kapitänin gewählt“, erläutert Arbaoui und ergänzt: „In einem Spiel hat sie die Gegner schwindelig gespielt und wurde daraufhin von einigen der gegnerischen Spieler beleidigt. Daraufhin haben sich alle Jungs der D3 vor Eva gestellt und gesagt, dass sie Eva in Ruhe lassen sollen, weil sie zu ihnen gehöre. Die Kinder lernen hier miteinander umzugehen, Respekt zu zeigen und zu haben.“

Mit Ludger Lümmen hat der ASC seit einigen Monaten einen neuen Geschäftsführer, der eine klare Vorstellung über die Zukunft des Vereins hat und sehr akribisch arbeitet. „Wir sind ganz klar ein Breitensportverein, in dem jeder herzlich willkommen ist. Integration ist ganz wichtig für den Klub. Außerdem ist unser Stadtteil sehr wichtig für Migration“, sagt Lümmen. So will der Verein die etablierten Sportangebote wie zum Beispiel Fußball, Volleyball, Tischtennis und Cricket für Flüchtlinge erhalten und ausweiten. Cricket ist die jüngste Abteilung, die erst in diesem Jahr entstanden ist.

Doch nicht nur vereinsintern ist der ASC um Integrationsarbeit bemüht. So organisiert der Verein Kindersport in der Nähe von Notunterkünften und regelmäßige Treffen der Arbeitsgruppe „Sport für Flüchtlinge“. Um das Kinderschwimmen zum Beispiel kümmert sich das Ehepaar Vander mit voller Hingabe. Renate und Peter Vander engagieren sich ehrenamtlich für die Flüchtlingsunterkunft am Niederbeckweg und halten den Kontakt zum ASC.

Erst kürzlich haben die Vanders vier Kinder aus der Unterkunft für den Schwimmkurs angemeldet. „In der kurzen Ferien können vier bis fünf Kinder das Schwimmen lernen. Sie haben die Möglichkeit, in zwei Wochen zweimal vier Tage lang zum Schwimmkurs zu gehen“, sagt Frau Vander: „Die Hallenbäder stellen die Zeiten dafür kostenlos zu Verfügung. Es läuft super.“

Das Engagement des ASC ist bewunderswert – gerade in einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit und Hetze immer mehr zunehmen. Zum Glück gibt es einige Sportvereine in der Region, die sich um das Thema kümmern. Und Ehrenamtliche – wie das Ehepaar Vander aus Ratingen West. Ein gutes Zeichen für die Menschlichkeit.

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