Eishockey: An der Schwelle zum Niemandsland

Eishockey : An der Schwelle zum Niemandsland

Trotz eines Sechs-Punkte-Wochenendes dümpeln die Ice Aliens nur im Mittelfeld der Eishockey-Regionalliga herum.

Das Licht ist bereits seit vielen Minuten aus. Spotlights wandern über die leere Eisfläche, fast verzweifelnd auf der Suche nach etwas, das sie mit ihren Lichtkegeln erfassen können. Doch da ist nichts, das Eis ist leer. Irgendwann kommt die Durchsage: Die Schiedsrichter verspäten sich, das Spiel der Ratinger Ice Aliens gegen die Dinslakener Kobras kann erst später anfangen. Spielbeginn 19 Uhr stand in den Unterlagen des Eishockey-Verbandes – doch die Aliens spielen sonntags immer bereits um sechs. Als der Unparteiische Markus Krawinkel endlich zum ersten Bully einwirft, ist es fast halb sieben.

Es ist endlich hell in der Halle. Und dann wird das ganze Ausmaß deutlich. Denn zum „Family-Day“ der Aliens mit vergünstigtem Eintritt, einst ein Zuschauergarant, verlieren sich nur etwa 200 Zuschauer im Stadion am Sandbach. Im Stehplatzbereich gegenüber der Haupttribüne, wo die Jungs von „Supcom“ stehen, den treuesten aller Aliens-Fans, finden sich nur eine Handvoll Eingefleischter. Der Trommler gibt sich alle Mühe, doch sein Takt verhallt einsam in der Halle.

Manch einer mutmaßt bereits, die Fans von „Supcom“ hätten die Nase voll von dieser Saison, die für die Ratinger so durchwachsen verläuft. „Das ist aber nicht so“, sagt Erik Hennemann, einer der treuesten Anhänger des Klubs, der nebenbei noch den Stadion-DJ macht. „Die vielen Freitagsspiele machen es uns sehr schwer, in die Halle zu kommen. So viele waren wir nie. Aber einige von uns sind im Schichtdienst, wir werden alle nicht jünger, da fehlen halt schonmal ein paar. Aber mit Absicht bleiben wir ganz sicher nicht weg.“

Zu verübeln wäre es den Fans jedoch nur bedingt. Denn in dieser Saison bekommen sie eine Menge Magerkost vorgesetzt. Viele Spiele der Ice Aliens ähneln der Partie am Sonntag gegen Dinslaken, das mühsam 3:2 gewonnen wird. Es ist ein sehr defensives, wenig spektakuläres Eishockey. Das bestätigen auch die Zahlen: In Spielen der Ratinger fallen im Durchschnitt nur 7,5 Treffer. Die mit Abstand wenigsten in der Liga. In Partien mit Beteiligung des Spitzenreiters Hamm sind es 10,4; selbst bei Gegner Dinslaken sind es im Schnitt 9,7. Als Tabellensechster schießen die Ratinger die drittwenigsten Tore der Liga.

Und so dümpeln sich die Ratinger durch die bisherige Saison. Der Schnitt in der Mannschaft war groß, Abgänge wie Benjamin Hanke oder Milan Vanek wurden nicht hinreichend ersetzt. Viele Spieler fallen regelmäßig aus, der Kader ist zu dünn – gerade auswärts reisen die Ratinger oft mit einem Mini-Team an. Der Abstand zum Spitzentrio Hamm, Neuwied und Herford ist riesengroß. „Wir wollen Vierter werden“, sagt Trainer Krystian Sikorski. Damit würde es im Viertelfinale der Play-offs immerhin Heimvorteil gegen ein Team auf Augenhöhe geben. Wie die Aliens danach jedoch ein Team aus der Top 3 schlagen sollten, ist angesichts des bisherigen Saisonverlaufs ein Rätsel.

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