Lokalsport: Aliens sind um eine Attraktion reicher

Lokalsport : Aliens sind um eine Attraktion reicher

Die Brazda-Zwillinge werden heute gegen Neuwied debütieren: Sie sind spielerisch und kämpferisch stark.

Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen - und der Trainer ist auch schon überfordert. "Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich sie auseinanderhalten soll", sagt Alexander Jacobs, der Coach der Ratinger Ice Aliens. Tim und Tobias Brazda sind Zwillinge - und laufen künftig gemeinsam für den Eishockey-Regionalligisten auf. Es gibt jedoch Hoffnung - zumindest auf dem Eis: "Einer der beiden schießt links, der andere rechts. So kann ich sie im Spiel wenigstens auseinanderhalten", sagt Jacobs mit einem Schmunzeln.

Die Zwillinge selbst freuen sich auf ihre neue Aufgabe. Zuletzt spielten sie bei den Moskitos Essen in der Oberliga. "Sportlich ist das schon ein kleiner Unterschied", sagt Tobias Brazda. "Aber ich freue mich, dass wir wieder nach Hause kommen. Am Sandbach haben wir unsere ersten Schritte auf dem Eis gemacht, ich wohne fünf Minuten von der Halle entfernt."

Noch vor zwei Jahren hoffte das Brüderpaar auf eine Karriere in der Deutschen Eishockey-Liga. Beide absolvierten Einsätze bei der Düsseldorfer EG, pendelten hauptsächlich zwischen Essen (Oberliga) und Bad Nauheim (DEL 2) hin und her. Doch der Traum zerschlug sich - schon letzte Saison landete das Duo fest in Essen. "Wir mussten uns irgendwann entscheiden: Wollen wir sportlich weiterkommen - oder wollen wir auch einen echten Beruf haben", sagte Brazda. "In der Oberliga war - zumindest in Essen - das nicht vereinbar, dafür wurde zu oft trainiert, dafür ist die Liga zumindest im Westen schon zu professionell. Also haben wir uns für Ratingen entschieden."

Und so bringen die "Brazda-Brüder" einiges an Unterhaltungswert mit in die Regionalliga. Neben den technischen Fähigkeiten, die sie im Düsseldorfer Nachwuchs erlernten, bieten sie auch das, was Essens Trainer Frank Gentges als "Eier" bezeichnet. "Die Jungs haben die Fähigkeit, ein Spiel aufzumischen, wenn es mal feststeckt", sagt Trainer Jacobs. Und dazu gehört eine gewisse körperliche Intensität. "Wir sind aber keine Schlägertypen", sagt Brazda. "Ich bin mir sicher, dass wir in der Regionalliga auch spielerisch überzeugen können."

Ob als Stürmer oder Verteidiger, ist noch offen - fast sicher ist aber, dass beide schon heute (20 Uhr) gegen Neuwied und Sonntag (19 Uhr) in Soest auflaufen können. Und in den Spielen können sie dabei helfen, Trainer Jacobs zu entspannen - der musste zuletzt arg improvisieren angesichts der doch recht überschaubaren Menge an Personal. "Da beide als Stürmer ausgebildet wurden, aber zuletzt immer als Verteidiger eingesetzt wurden, bringen sie mir eine Menge Flexibilität, was die Reihenzusammenstellung angeht", sagt Jacobs.

Tobias Brazda sieht sich selbst zwar eher als Stürmer, "ich komme aber auch in der Abwehr gut zurecht, wenn mich der Trainer dort spielen lassen will. Tim ist eindeutig mehr Stürmer als Verteidiger". Bleibt noch die Frage, ob es beide immer nur im Doppelpack gibt. Brazda lacht. "Nein, das ist eigentlich Zufall. Bei der DEG oder in Nauheim haben wir ja auch nicht gleichzeitig gespielt. Und auch jetzt haben wir gut überlegt, was wir wollen - hätte ich es weiter als Profi versuchen wollen, wäre ich in Essen geblieben und Tim wäre alleine gekommen." So spielen die Zwillinge jetzt beide am Sandbach - und die Aliens sind eine Attraktion reicher.

(RP)
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